Jahresbilanz 2010

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Ein Jahr erfolgreiche Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements

Spenden_Amadeu_Antonio
 


2010 wurden insgesamt 69 couragierte Initiativen durch Stiftungsmittel gefördert. Dabei konnte eine Summe von 125.609,71 Euro zur Förderung der Projekte aufgebracht werden. Dafür dankt die Amadeu Antonio Stiftung unseren Spenderinnen und Spendern, Stifterinnen und Stiftern.


An Jahresenden neigt man dazu zurückzublicken und ein Resümee über die vergangenen 365 Tage zu halten. So hält es auch die Amadeu Antonio Stiftung und wirft einen Blick auf die im vergangenen Jahr geförderten Projekte zurück.

69 Projekte gefördert

Mit einer Fördersumme von bisher 125.609,71 Euro konnte die Amadeu Antonio Stiftung zum 13. Dezember 2010 bereits 69 Projekte, Initiativen, Organisationen und Opfer rechter Gewalt unterstützen und fördern, die sich für demokratische Kultur und gegen Neonazis und Diskriminierung im Alltag einsetzen. Seit Bestehen der Stiftung konnten insgesamt über 470 Projekte mit 2,8 Millionen Euro gefördert werden.
Während im ersten Halbjahr 2010 ein besonderer Fokus auf der Förderung von Initiativen lag, die sich mit Antiziganismus, der Aufarbeitung von Kolonialismus in Deutschland und dem Antisemitismus in der DDR auseinandersetzten wurden im zweiten Halbjahr Projekte bedacht, die sich mit verschiedenen Aspekten von Diskriminierung und Bekämpfung dieser beschäftigten. Außerdem war ein Schwerpunkt die Erinnerungskultur und der Umgang mit der Geschichte in verschiedenen Bundesländern.

 
Ausstellungstafel_Tuebingen

Eine der Ausstellungstafeln in Tübingen

 

Braune Geschichtslügen

So hat zum Beispiel die couragierte Initiative „Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.“ dem neonazistischen Verlagshaus „Grabert/Hohenrain“ eine eigene Ausstellung unter dem Titel „Braune Geschichtslügen aus Tübingen. Die Grabert Verlage“ gewidmet, in der sie die Verwicklungen des Verlages im rechten Sumpf thematisierten. Der „Grabert-Verlag“ ist seit über 50 Jahren eines der bekanntesten und erfolgreichsten Verlagshäuser, welches Neonazis mit geschichtsrevisionistischer und antisemitischer Literatur versorgt. Noch nie, sagte die Vorsitzende der Geschichtswerkstatt Ulrike Baumgärtner, sei das Thema „so faktenreich aufgearbeitet worden wie hier.“ Weil die Grabert-Verlagsgruppe nach wie vor ein wesentliches Publikationsorgan für Geschichtsrevisionisten und Organisationsorgan für die „Neue Rechte“ darstellt, wollte die Geschichtswerkstatt Tübingen e.V. eine verstärkte öffentliche und kritische Auseinandersetzung mit den Verlagsinhalten initiieren und unterstützen. Die Amadeu Antonio Stiftung förderte die Ausstellung, weil sie sich einem Verlag widmet, der seit Jahrzehnten unverhohlen Geschichtslügen verbreitet, Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert und Opfer verhöhnt, ohne dass das Problem in der Öffentlichkeit bewusst ist.

Mit den Verbrechen des Nationalsozialismus beschäftigt hat sich auch eine weitere Ausstellung. Der „Jugend- und Kulturverein Exil e.V.“ konzipierte die Ausstellung „Wiedersehen mit Eberswalde – Hier gibt es keinen Hass mehr“. Sie erinnert an das Schicksal der Häftlinge des Konzentrationslagers Ravensbrück. Insgesamt 132.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1.000 Jugendliche waren dort zwischen 1939 und 1945 interniert. Ca. 25.000 bis 26.000 von ihnen wurden ermordet oder überlebten die Tortur nicht. Eines der vielen Außenlager, dieses Lagerkomplexes befand sich in Eberswalde. Zwei der ehemaligen Baracken sind sogar noch im Originalzustand erhalten. Trotzdem ist die Existenz dieses Lagers noch zu wenigen Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt bewusst. So meint der Leiter dieses Vorhabens, Kai Jahns: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mit Hilfe einer Ausstellung, die Geschichte dieses Lagers den Menschen in Eberswalde näherzubringen.“ Die von der Amadeu Antonio Stiftung geförderte Ausstellung wird am 21. Dezember eröffnet.

 
Maeuseprojekt

Bild: Bürgerstiftung Barnim-Uckermark

 

Zivilcourage schon im Kindesalter fördern

Weiterhin stand die Förderung von mutigem Engagement besonders unter Jugendlichen und im ländlichen Raum im Vordergrund, da es häufig noch zu wenig Anlaufpunkte im ländlichen Raum vorhanden sind. Ein vorbildliches Beispiel ist die von der Amadeu Antonio Stiftung geförderte „Bürgerstiftung Barnim-Uckermark“, die mit ihrem Projekt „2000 Mäuse winken“ einen Ideenwettbewerb unter Kindern angeregt hatte. Sinn und Zweck dieses Unterfangens war es Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren aktiv werden zu lassen, und durch den Kreativwettbewerb gesellschaftliche Probleme aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen anzugehen. Dazu wurden insgesamt 2.000€ ausgelobt, die anhand einer Jury in der sowohl sechs Kinder als auch drei Erwachsene saßen, vergeben wurden. Die Möglichkeiten einer Beteiligung waren nicht begrenzt. Von künstlerischen Aktionen über soziales Engagement oder der Mitgestaltung von Treffpunkten für Jugendliche war alles möglich. Die Amadeu Antonio Stiftung förderte dieses Projekt, da es gutes Beispiel darstellt, wie Zivilcourage auch schon im jungen Alter gefördert werden und kindgerecht präsentiert werden kann.

Herzliches Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender

All diese Förderungen wurden nur möglich durch die Unterstützung der Spenderinnen und Spender, Stifterinnen und Stiftern der Stiftung. “Wir sagen auch in ihrem Namen noch mal herzlichen Dank und freuen uns über weitere Unterstützung im neuen Jahr“, so Timo Reinfrank.

 


Alle geförderten Initiativen, Personen und Projekte durch die Amadeu Stiftung im Überblick:

  1. SBZ Südstadt/Biestow GmbH: Integratives Filmprojekt „Ausgrenzung“
  2. Verband Deutscher Sinti & Roma. Landesverband Baden-Württemberg: Projekt „Alltagsorientierung und Lebenswirklichkeit“
  3. Zukunft gestalten ohne zu vergessen e.V.: Aktionstage gegen Antisemitismus
  4. Medinetz Leipzig e.V.: Vernetzungstreffen
  5. Förderverein Tolerantes Sachsen: Tagung - Rassismus bekämpfen ohne Migrant/innen
  6. Förderverein "Dr. Magarete Blank" e.V.: Zeitzeugengespräche mit Mordechai Weinryb
  7. Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag e.V.: Förderung des Gedenktafelprojekts am May-Ayim-Ufer
  8. Sächsische Jugendstiftung: Über Menschen, Politik und jüdisches Leben - Antisemitismus in der DDR, ein Mythos?
  9. Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen e.V.: Fortbildung: "HERRschaftszeiten und Rechtsextremismus"
  10. Dietrich-Bonhoeffer-Schule Weinheim: Klassenprojekt "Mahnmahl für Weinheim"
  11. Naturfreundejugend Berlin: "Stalin hat uns das Herz gebrochen"
  12. Förderverein Nelson Mandela Schule Berlin: "Homestory Deutschland"
  13. Linksalternative Jugend Bernburg: Was sind „Autonome Nationalisten“?
  14. Volksschule Mittenwald: Gebirgsjäger ehren ohne Opfergedenken?
  15. Jüdische Gemeinde Cottbus e.V.: Jugendliche lernen Integration
  16. Lübecker Bündnis gegen Rassismus: Warum wurde Lübeck bombardiert?
  17. Diakonisches Werk Havelland e.V.: Zeitzeugenbegegnungen in westhavelländischen Grundschulen
  18. Jugendverein „Roter Baum“ e.V: Streetsoccer Turnier „United Colours“
  19. Netzwerk für Demokratie und Courage Saar e.V.: Projekt „Couragiert für Demokratie, engagiert gegen Rassismus!“
  20. Bundesfachverband UMF e.V.: Jugendliche ohne Grenzen - Konferenz in Hamburg
  21. Jugendverein „Roter Baum“ e.V: Filmvorführung Shoah 2010
  22. Bildungswerk Blitz e.V.: Kinderdorf 2010
  23. Workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V.: Denkmal für Johann Trollmann
  24. Arbeitskreis Solidarische Welt e.V.: Förderung des Antifee-Festivals
  25. Stiftung Weingutmuseum Hoflößnitz: „Erinnerung + Verantwortung. Sächsischer Weinbau im Nationalsozialismus“
  26. Berlin Postkolonial e.V.: „Freedom Roads!“
  27. Schloss Bröllin e.V.: Veranstaltung „Landpartie – Was braucht das Land?“ im Rahmen der Kampagne „Kein Ort für Neonazis – Mecklenburg-Vorpommern 2010/2011“
  28. NPD-Blog: Dokumentation rechtsextremer NPD-Aktivitäten
  29. Calaca e.V.: Veranstaltungsreihe „Invisibles“
  30. Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg: Lokalgeschichtliches Ausstellungsprojekte über die Deportation nach Gurs 1940
  31. Stiftung Weingutmuseum Hoflößnitz: Öffentlichkeitsarbeit zur Ausstellung „Erinnerung + Verantwortung. Sächsischer Weinbau im Nationalsozialismus“
  32. Aktion Sühnezeichen Friedensdienst:„Alle bleiben – Keine Abschiebung von Roma aus Deutschland“
  33. Aktion Zivilcourage e.V. Pirna: Jugendliche machen Politik (MUT)
  34. ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH: Exit (MUT)
  35. Förderverein Handballfreunde der weiblichen Handballabteilung der Reinickendorfer Füchse e.V.: Unterstützung der Jugendarbeit (MUT)
  36. Diakonisches Werk Havelland e.V: "Laut & Bunt"-Festival in Rathenow (MUT)
  37. Friedenskreis Halle e.V.: Informationskampagne zu rechtsextremen Kleidermarken (MUT)
  38. Eberswalder Zentrum für demokratische Kultur, Jugendarbeit und Schule e.V.: Entwicklung des Projektes „Heimat, bittersüße Heimat“ (MUT)
  39. Aktiv e.V.: Open Air Veranstaltung „Musik für Toleranz und Weltoffenheit“ (MUT)
  40. Verein für demokratische Kultur in Berlin – Initiative für urbane Demokratieentwicklung e.V.: Berliner Webportal für die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in kommunalen Gremien (MUT)
  41. Jugendclub Courage Köln e.V.: Projekt „Wanderausstellung zum Thema Rechtsextremismus“ (MUT)
  42. Bildungsbanden e.V.: Projekt „Aktionswochen gegen Rechts“ (MUT)
  43. Eberswalder Zentrum für demokratische Kultur, Jugendarbeit und Schule e.V.: Brandenburgtour des Theaterstücks „Heimat, bittersüße Heimat“ (MUT)
  44. Joliba – interkulturelles Netzwerk in Berlin e.V.: „Black Art & History Forum“ (MUT)
  45. AUFANDHALT - Netz von Betroffenen rechtsextremer Gewalt und rassistischer Diskriminierung e.V.: Projektförderung (CURA)
  46. RAA Sachsen e.V.: Unterstützung Betroffener rechter Gewalt (CURA)
  47. RAA Leipzig e.V.: Opferfonds CURA: Unterstützung Betroffener rechter Gewalt (CURA)
  48. Jugendprojekt „MittenDrin“: Fensterreparatur nach Übergriff (CURA)
  49. Antidiskriminierungsbüro e.V.: Nachdruck der Broschüre „Rassismus in Sachsen. Aktuelle Perspektiven 2010“ (CURA)
  50. Netz von Betroffenen rechtsextremer Gewalt und rassistischer Diskriminierung e.V.: Projektförderung (CURA)
  51. Cagintua e.V.: „Netzwerk und Dialog gegen Diskriminierung“ (CURA)
  52. Jessenitzer Aus- und Weiterbildung e.V.: Lehrpfad für Demokratie (Lola für Lulu)
  53. AWO Kreisverband Ludwigslust e.V.: Tanzgruppen für Mädchen im Jugendtreff HAI (Lola für Lulu)
  54. Kreissportbund Ludwigslust e.V.: Fußball-Lichter 2010 (Lola für Lulu)
  55. Evangelische Jugend Schwerin: „Volx Mobil“ (Lola für Lulu)
  56. Lohmeyer: Festival „Jamel rockt den Förster“ ("Kein Ort für Neonazis", MV)
  57. WIR. Erfolg braucht Vielfalt: Förderung der Plakatdrucke für das 4te Lindenfest in Lübtheen ("Kein Ort für Neonazis", MV)
  58. Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.: Ausstellung über den Grabert-/Hohenrain-Verlag
  59. Evang-Lutherische Kirchengemeinde Kaufbeuren: Förderung der Internationalen Jugendbegegnung in Deutschland
  60. Hamburger Studienbibliothek e.V.: Filmvorführung "Uniform, Panzer, Kokon - Militärsdienst in Israel"
  61. Initiative in Gedenken an Oury Jalloh: finanzielle Unterstüzung für die Begleitung im Revisionsverfahren (CURA)
  62. Bürgerstiftung Barnim Uckermark: Ideenwettbewerb "2000 Mäuse winken"
  63. Opferperspektive: Finanzierung der Prozesskosten der Opfer des antiziganistischen Überfalls in Milmersdorf (CURA)
  64. Exil e.V.: Dauerausstellung am Ort des ehemaligen Außenlagers des KZ-Ravemsbrück
  65. KUSO e.V.: Förderung des Festivals Jamel rockt den Förster 2011
  66. Opferperspektive: Finanzielle Hilfe für ein Opfer rechter Gewalt (CURA)
  67. Opferperspektive: Hausprojekt "Zelle 79" (CURA)
  68. Nachbarschaftstreff Blumenau: Heimat Blumenau
  69. Finanzielle Hilfe für die Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V. nach dem Brandanschlag (CURA)
 

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