„Bei uns ist so was nicht passiert…!?“

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„Bei uns ist so was nicht passiert…!?“

© Foto: Michael Sonnabend, via flickr, cc

Foto: Michael Sonnabend, via flickr, cc

 

Die Bilder vom grölenden und randalierenden Mob vor dem Sonnenblumenhaus in Rostock kennen alle. Aber rassistische Pogrome gab es auch in Brandenburg. Mit Zeitzeugeninterviews sollen die Übergriffe jetzt aufgearbeitet werden.

Ende August jährt sich das neonazistische Pogrom von Rostock- Lichtenhagen zum 20. Mal. Im Sommer 1992 griff ein, von der herrschenden Asyldebatte aufgeheizter, Mob aus Neonazis und „normalen“ Bürgern ein Hochhaus an, in dem vietnamesische Vertragsarbeiter und die Zentrale Aufnahmestelle (Zast) für Flüchtlinge untergebracht waren. Dabei schlugen sie Scheiben ein, warfen Brandsätze in die Wohnungen und skandierten unentwegt rassistische Parolen. Die Bilder von den mehrtätigen Ausschreitungen und der sie begleitenden jubelnden Menschenmenge gingen um die Welt. Sie prägten für lange Zeit nicht nur das öffentliche Bild von Ostdeutschland, sondern auch die im Anschluss stattfindende Asyldebatte.

Denn den Vorurteilen, Ressentiments und dem oft unverhohlenen Rassismus in der Bevölkerung wurde nicht mit Argumenten entgegentreten. Stattdessen wurden die gewalttätigen Exzesse zum Anlass genommen, dass Asylrecht extrem zu verschärfen und damit praktisch abzuschaffen. Was für ein fatales Signal an die Gesellschaft!

Zwei Dekaden später, wirken die Bilder von damals immer noch nach. Die Vorstellung, dass die Vertragsarbeiter nur knapp dem Tod entronnen sind, weil sie über das Hausdach flüchten konnten, ist mehr als erschütternd und vor allem beschämend. Man kann sich nicht mehr vorstellen, dass diese Übergriffe wirklich so stattgefunden haben, in einem zivilisierten Land wie Deutschland. Das ist doch alles weit weg. Schließlich gibt es in den Kommunen viele Bündnisse und Aktionsgruppen, die sich rechten Aufmärschen entgegenstellen und zivilgesellschaftlichen Protest gegen rassistisches Gedankengut zeigen.

Vergangenheit aufarbeiten- Gegenwart verstehen

Mit diesen Mechanismen – Erschrecken, Scham, Verdrängung - sind auch die Mitglieder vom Demokratischen JugendFORUM Brandenburg e.V. oft konfrontiert. Viele von ihnen waren bereits in den frühen 90er Jahren politisch engagiert, andere haben die Ereignisse gar nicht richtig mitbekommen, da sie noch Kinder waren. Dennoch eint alle Beteiligten, darunter lokale Jugendprojekte und Einzelpersonen, der Wunsch nach einer Aufarbeitung der Geschehnisse. Denn auch in Brandenburg war das öffentliche Klima in den 1990er Jahren rassistisch gefärbt. In vielen Kleinstädten agierten jugendliche Neonazibanden gewalttätig und griffen häufig „Nichtdeutsche“ an. Gleichzeitig fanden ebenso wie in Rostock Pogrome unter Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten statt.
„Wenn wir die Gegenwart und die in unserer Gesellschaft heute innewohnenden antidemokratischen und faschistischen Potentiale begreifen wollen, dann müssen wir uns auch mit unserer jüngsten Vergangenheit auseinandersetzen“, sagt Knut-Sören Steinkopf vom Demokratischen Jugendforum. Mit dieser Ausgangsmotivation entstand ein Projekt, welches die Pogrome in Brandenburg aufarbeiten möchte. Mithilfe der Förderung durch die Amadeu Antonio Stiftung, wollen die Engagierten vom Jugendforum Zeitzeugen in brandenburgischen Kleinstädten zu ihren Erinnerungen befragen. Dazu sollen ganz unterschiedliche Gesprächspartner interviewt werden; Opfer, Anwohner, Behördenmitarbeiter oder auch Polizisten.

Dafür werden in exemplarischen Brandenburger Kommunen Beteiligte ermittelt und mittels Audio- Interviews zu ihrer persönlichen Erfahrung befragt. Die daraus entstandenen Interviews werden in einem mehrtägigen Workshop ausgewertet und anschließend in einem Audio-Feature zusammengefasst und präsentiert. „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dieses Wissen in die heutige Zeit zu holen und das Geschehene auf seine Auswirkungen für unsere jetzige Situation in Brandenburg zu hinterfragen.“
 
Von Diana Buhe, am 25. Juli 2012

 

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