Lemberg: ein europäisches Drama

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Lemberg: ein europäisches Drama

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Mit dem Einmarsch der Deutschen am 30. Juni 1941 hat der Mob die Lemberger Juden auf den Straßen erschlagen.

Von Anetta Kahane

In Lemberg stehen die Häuser aus allen großen Herrschaftsepochen. In Prospekten wirbt die Stadt damit, dass Lemberg nicht zerstört wurde. Meine Großeltern haben uns von Lemberg erzählt. Sie sind in der Gegend aufgewachsen und an Feiertagen manchmal in die goldene Stadt mit dem Pferdewagen gefahren.

Wir kamen fast ein Jahrhundert später mit einem kleinen Bus aus Berlin. Die Einfahrtstraßen nach Lemberg waren breit und holprig. Wir hatten etwas von dem nostalgischen Lächeln unserer Großeltern im Gesicht, wenn sie von Lemberg erzählten. Am Straßenrand standen graue Industrieruinen aus der Sowjetzeit. Einige buckelige Häuser noch, ein paar Neubaubaublocks, und gleich würden wir sie sehen – die einstige Metropole des Ostens.

Als meine Großeltern Teenager waren, lebten hier Polen, Ukrainer und Juden. Österreicher, Ungarn, Franzosen bevölkerten mit all den anderen die Kaffeehäuser, von denen man sagte, sie wären ebenso so bunt, verrucht und intellektuell wie die in Wien oder Prag. Dann stoppte der Bus. Auf die grauen Wände eines Hauses hatte jemand einen riesigen Galgen gesprüht, an dem ein Davidstern aufgehängt war. Ein Willkommen in der Realität: Hakenkreuze, Keltenkreuze, „Jude verrecke“. Die ersten Zeichen dafür, weshalb die Familien unserer Großeltern schon 1905 den Weg andersherum genommen hatten: von Lemberg nach Berlin. Der Galgen markierte den Eingang in ein Land, in dem Österreicher, Polen, Russen, Ukrainer und die Deutschen ihre Rivalitäten und ihre Wut wie seit Jahrhunderten besonders heftig an den Juden ausließen.

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