„Nazis im Film“ – Sinnvoll für die Bildungsarbeit?

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

„Nazis im Film“ – Sinnvoll für die Bildungsarbeit?

Szene aus dem Film "Napola", Foto: feastoffun, via flickr, cc

 

Seit dem Kinostart des Spielfilmes „Kriegerin“ Anfang 2012 haben viele Schulklassen die Geschichte, die zwei Mädchen in der rechtsextremen Skinhead-Szene vorstellt, gesehen. Spiel- und Dokumentarfilme werden gern von Lehrerinnen und Lehrern für den Unterricht gewählt; das Medium bietet sich aus verschiedenen Gründen für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Jugendlichen an.

So bekommen Filme hinsichtlich der Einschätzung sozialer Realitäten eine immer stärkere Bedeutung; zudem können sie für die Identitätsbildung eine zentrale Rolle spielen. Werden Schulklassen Filme über den heutigen Rechtsextremismus gezeigt, so ist es sinnvoll, einige Fragen vorab zu bedenken. Aus diesem Grunde hat die Amadeu Antonio Stiftung das Thema jetzt aufgegriffen. Im Team erarbeiten die Filmwissenschaftlerin Julia Stegmann, die Expertinnen zum Thema Menschenrechtsbildung, Anne Thiemann und Ulla Niehaus, sowie Erziehungswissenschaftlerin Heike Radvan ein Filmheft für die Auseinandersetzung mit aktuellem Rechtsextremismus, das sich sowohl an Lehrerinnen und Lehrer als auch an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der außerschulischen Bildungsarbeit richtet.

In dem Heft werden Spiel- und Dokumentarfilme vorgestellt, die aus pädagogischer und menschenrechtlicher Sicht für die Aufklärungs- und Präventionsarbeit geeignet sind. Bei der Filmauswahl wurde Wert darauf gelegt, Perspektiven derjenigen Menschen zu berücksichtigen, die von rechter Gewalt betroffen sind. Leider gerät diese Perspektive gerade in den bekannteren Filmen, die für die Bildungsarbeit empfohlen werden, bislang oft aus dem Blick. Im Filmheft werden daher Dokumentarfilme vorgestellt, in denen Todesopfer rechter Gewalt portraitiert und die Pogrome gegen DDR-VertragsarbeiterInnen und Asylsuchende in Rostock und Hoyerswerda 1992 thematisiert werden. Darüber hinaus wird bei der Filmauswahl darauf geachtet, dass die Darstellung in den Filmen keine Identifikationsmöglichkeiten mit den Neonazi-Protagonistinnen und Protagonisten ermöglicht. Betrachtet man Filme, die in den 1990er und 2000er Jahren Bekanntheit erlangten, so war dies häufig ein Problem, mit dem nicht zuletzt Lehrerinnen und Lehrer zu kämpfen hatten: Jugendliche identifizierten sich mit den Protagonisten, fanden deren rechtsextreme Gewalttaten oder ideologische Äußerungen attraktiv und unterstützenswert. Darüber hinaus soll das Begleitmaterial die Medienkompetenz stärken. Die Broschüre ist somit auch darauf gerichtet, die dargestellten Inhalte und filmischen Mittel kritisch hinterfragen zu können.

Um Lehrerenden auf solcherart Auseinandersetzungen vorzubereiten und sie bei der Vor- und Nachbereitung ihrer Unterrichtseinheiten zu unterstützen, liefert das Heft verschiedene Informationen: Eingangs werden grundsätzliche pädagogische Fragestellungen diskutiert und insbesondere der Bezug zur Menschenrechtspädagogik hergestellt. Im Weiteren werden dann zehn Filme vorgestellt, pädagogische Überlegungen und Hinweise gegeben, Informationen zur Beschaffung der Filme geliefert sowie Arbeitsblätter als Kopiervorlagen zur Verfügung gestellt.

Das Filmheft wird gemeinsam mit einem Fachbeirat, der sich u.a. aus MultiplikatorInnen der politischen Bildungsarbeit sowie Fachkräften aus Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt zusammensetzt, erarbeitet. An gemeinsamen Filmabenden werden die zur Auswahl stehenden Filme gemeinsam gesichtet und zur Diskussion gestellt. Das entwickelte pädagogische Material wird in einer anschließenden Testphase mittels eines Peer-Review-Verfahrens erprobt und die Eindrücke und Anregungen von Pädagoginnen / Pädagogen und Jugendlichen gesammelt. Diese Erkenntnisse aus der Rezeption fließen dann in die abschließende Fassung des Filmhefts ein. Das Filmheft wird ab Juli 2013 sowohl als Broschüre als auch in einer Downloadversion über die Amadeu Antonio Stiftung zu beziehen sein.


Das Projekt wird durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" im Programm "Menschen Rechte Bilden" gefördert.

 
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