Neue Internetseite Gender und Rechtsextremismus

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Neue Internetseite zu Gender und Rechtsextremismus geht online

v. l. n. r. Dr. Heike Radvan, Ise Bosch, Prof. Dr. Heather Cameron

 

Auf www.gender-und-rechtsextremismus.de finden sich Informationen darüber, warum es auch in der präventiven Arbeit gegen Rechtsextremismus unabdingbar ist, stereotype Geschlechterrollen zu beachten. Lange wurde die Nazi-Szene als ausschließlich „männliches“ Phänomen wahrgenommen. Doch mit diesem verkürzenden Blick geraten nicht nur rechtsextreme Frauen und ihre Strategien aus dem Blick. Völkische Familien aber auch Männer, die dem Klischee des martialisch daherkommenden „Stiefelnazi“ nicht entsprechen, werden mit ihrer Ideologie nicht erkannt. Auch bleiben verschiedene Handlungsmöglichkeiten verschlossen, die sich mit einer Gender-Perspektive in der Arbeit gegen Rechtsextremismus durchaus ergeben können. Die Amadeu Antonio Stiftung plädiert daher dafür, einen geschlechterreflektierenden Blick als Querschnittsaufgabe in der Arbeit gegen Rechtsextremismus zu implementieren. Auf der Homepage finden Sie Informationen zum Thema, Erfahrungen aus der Praxis und Hinweise für Literatur und Film.
 
Fachstelle „Gender und Rechtsextremismus“

 
Traditionelle Geschlechterrollen, Vorstellungen vom „richtigen Mann“ und das Bild „der deutschen Mutter“ prägen den Rechtsextremismus. Wenn Mädchen oder Jungen in die rechte Szene einsteigen, so orientieren sie sich oft an diesen Bilder. Bisher beschäftigen sich jedoch nur wenige Projekte mit diesen Fragen oder arbeiten geschlechterreflektierend. Die Amadeu Antonio Stiftung  hat deshalb eine Fachstelle zum Thema „Gender und Rechtsextremismus“ eingerichtet. Hier wird eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis hergestellt, Projekte gegen Rechtsextremismus finden Unterstützung, WissenschaftlerInnen einen Ort des Austauschs und PolitikerInnen können beraten werden. Gefördert wird die Fachstelle durch die Dreilinden gGmbH, die bereits das Modellprojekt „Lola für Lulu“ auf den Weg gebracht hat und fördert. Hier wurden erste Antworten auf die Frage entwickelt, wie eine Förderung von Mädchen und Frauen mit einer Arbeit für demokratische Kultur und gegen Rechtsextremismus verknüpft werden kann.  
 
Einseitige Wahrnehmung

 
Rechtsextremismus wird bislang oft als „männliches Phänomen“ wahrgenommen. Weit verbreitet ist das Bild vom glatzköpfigen, gewaltbereiten Mann. Dabei wird übersehen, dass sich die Szene ausdifferenziert hat und sowohl Männer als auch Frauen mittlerweile verschiedene Rollen und Positionen übernehmen. Häufig bleibt unerkannt, dass Frauen ebenso Trägerinnen rechter Ideologie sein können und sich aktiv beteiligen oder der bieder daherkommende Nachbar in rechtsextremen Gruppierungen zuhause ist. Bleiben rechtsextreme Frauen und Männer mit ihren Aktivitäten jedoch unerkannt, so ist dies eine Gefahr für unser demokratisches Miteinander. Traditionelle Vorstellungen darüber, was eine „richtige Frau“ und einen „richtigen Mann“ ausmache, sind jedoch nicht nur in der rechten Szene stark verbreitet. Deutlich wird dies beispielsweise in der breiten Zustimmung zu Buchveröffentlichungen wie „Das Eva-Prinzip“ oder „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Auf diese undemokratischen Positionen und ihre Anschlußflächen für rechte Ideologie will die Fachstelle aufmerksam machen.

Was will die Fachstelle?

 
Darüber hinaus ist es das Ziel der Fachstelle, eine geschlechterreflektierte Perspektive in der Praxis zu etablieren, um neue Handlungsmöglichkeiten in der zivilgesellschaftlichen und pädagogischen Arbeit zu eröffnen. Dafür muss das Thema bekannt gemacht werden: In der Wissenschaft, der sozialpädagogischen Praxis und der breiten Öffentlichkeit, sowie im Stiftungswesen und der staatlichen Förderung. Die Fachstelle möchte hier Diskussionen initiieren.

Austausch von Theorie und Praxis

 
Zwar gibt es zumindest in der Jugendarbeit einige Ansätze, die eine geschlechterreflektierende Perspektive einnehmen, in anderen Bereichen, wie der generationenübergreifenden, zivilgesellschaftlichen Arbeit, fehlen solche Ansätze noch. Hier muss neue Praxis entwickelt, erprobt und etabliert werden. Zum Beispiel müssen PädagogInnen im frühkindlichen Bereich, die mit sich mit rechtsextremen Familien konfrontiert sehen, fortgebildet werden. Es fehlt auch an einem gendersensiblen Ansatz in der Arbeit mit AussteigerInnen, der es beispielsweise Frauen mit Kindern erleichtert, die Szene zu verlassen. „Es ist wichtig einen Ort zu haben, an dem nicht nur geredet sondern auch gehandelt wird, sagt Heike Radvan, Leiterin der Fachstelle. „An uns wenden sich SozialarbeiterInnen, ErieherInnen und KommunalvertreterInnen, die wissen wollen, ob z.B. Boxtrainings für Jungen als Prävention gegen Rechtsextremismus geeignet sind, oder wie man mit Frauen und Mädchen in der Naziszene umgehen sollte. Besonders die engagierten Mütter aus der Naziszene sind ein Problem, wenn sie in Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder in Krabbelgruppen an Einfluss gewinnen, darauf müssen wir reagieren, kompetent und mit praktischen Vorschlägen.“
 
Dabei kann die Praxis nicht nur durch aktuelle Forschungsergebnisse lernen, sondern auch neue Forschung auf den Weg bringen, in dem sie bestehende Probleme, Phänomene und Bedarfe benennt. Es soll eine Diskussion in und zwischen Theorie und Praxis entstehen, was unter genderreflektierter Rechtsextremismusprävention verstanden wird, wie ein Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis von statten gehen kann und welche Qualitätskriterien für die pädagogische Arbeit in diesem Feld anzulegen sind.
 
Am 30. Januar findet in den Räumen der Amadeu Antonio Stiftung ein Fachgespräch statt, in dem geklärt werden soll, was unter geschlechterreflektierender Arbeit zu verstehen ist und welche Qualitätskriterien zu entwickeln sind.
 
Details unter: www.gender-und-rechtsextremismus.de und www.lola-fuer-lulu.de.

 

Von Heike Radvan

 

Kontakt

Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

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Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

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