Rede zur Ausstellungseröffnung

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Rede zur Ausstellungseröffnung

 


Am 21. August hat die Amadeu Antonio Stiftung ihre englischsprachige Ausstellung mit dem Titel „Germany after 1945: A society confronts antisemitism, racism and neo-nazism“ der Öffentlichkeit vorgestellt.




Im Folgenden dokumentieren wir die Eröffnungsrede von Anetta Kahane, Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung:

„Sehr geehrter Dr. Salm, liebe Frau Dr. Kaminsky, sehr geehrter Gesandter Nashron, sehr geehrter Mr. Dean, liebe Deidre Berger, liebe Freunde und Kolleg/innen, meine Damen und Herren,

Haben Sie vielen Dank, dass Sie heute hergekommen sind um mit uns die Ausstellung „Germany after 1945: A Society confronts Antisemitism, Racism, and Neo-Nazism“ zu eröffnen. Wir konnten sie Dank der Unterstützung der Stiftung EVZ, der Stiftung Aufarbeitung und der Freudenbergstiftung entwickeln. Ich danke für Ihre Geduld und den Mut, uns bei diesem Thema zur Seite zu stehen.

Denn wir haben hier ein sehr heikles Thema angefasst: Wir haben die schreckliche Realität eines rechtsextremen Alltags in Deutschland, die seit der Vereinigung 182 Menschenleben gekostet hat, in den historischen Kontext der deutschen Nachkriegsgeschichte gestellt. Denn nach dem Ende des Krieges und des Holocausts, waren Rassismus, Antisemitismus und nationalsozialistische Haltungen bei den Deutschen keineswegs verschwunden. Die Alliierten hatten dem Regime ein Ende gemacht, nicht aber der Gesinnung. Das würde ein langer Weg werden, darüber waren sich Alliierte wie Widerstandskämpfer einig. Und es wurde ein langer Weg, ein sehr langer. Er führte zur Teilung Europas und Deutschlands, zum Kalten Krieg mit seinen politischen wie menschlichen Verzerrungen, seinen Ideologien, dem Missbrauch von Leid, Sehnsucht und Hoffnung. Unter all dieser Last sollte nun in beiden deutschen Staaten die Geschichte „aufgearbeitet“ werden.

Sich der Geschichte zu stellen, zumal wenn sie mit großer Schuld verbunden ist, verlangt viel Mut und Souveränität, zwei Dinge, die im Kalten Krieg schwer zu finden waren heute aber die Basis sind, auf der wir arbeiten.

Die DDR erklärte sich selbst zum Resultat der Aufarbeitung. Mit ihrer Existenz als sozialistisches Land ohne Kapitalismus und Verbündeter der Sowjetunion – so das ideologische Selbstverständnis – hatte es sich mit dem „Faschismus“ von allein erledigt. Schuld war das internationale Finanzkapital an den über 60 Millionen Toten und der Imperialismus und Hitler mit seiner SS lediglich seine verbrecherische Marionette. Rassismus oder Antisemitismus galten als Manipulationsprodukte, um die Arbeiterklasse von ihrer historischen Mission abzuhalten. Mit anderen Worten: Das deutsche Volk war Opfer von Verführung, die Arbeiterklasse blieb unterdrückt und die Juden – was immer das sein sollte – galten als kleinerer Kollateralschaden im großen Kriegsgemetzel gegen die Sowjetunion. Die DDR  hatte nach ihrer Ansicht nichts aufzuarbeiten, denn alle Nazis waren im Westen und das Volk blieb Opfer.

Die Bundesrepublik hatte andere Verbündete. Die Besatzungsmacht USA hatte, - anders als die SU - im eigenen Lande keinen Krieg erlebt und trat als Aufbauhelfer auf. Die BRD in kurzer Zeit wieder wirtschaftlich fit zu machen, war eine kluge Strategie im Kalten Krieg und der Konfrontation mit der zerstörten SU.

Wirtschaftswunder und die dem Westen Deutschlands geschenkte Demokratie, brachten die Menschen voran. Doch die Aufarbeitung des NS wurde dabei lange verdrängt, hinausgeschoben, nicht gewollt. Einstige Nazis hatten Schlüsselpositionen in Politik, Wirtschaft und den Medien. Es gab Auseinandersetzungen, Proteste und Prozesse. Schwerfällig und langsam nur kam die öffentliche Debatte dazu voran. Dann nahm sie Fahrt auf und als sie auf einem guten Wege war, kam die Einheit.

 
Die vollständige Rede finden Sie hier. (PDF-Dokument, 64.2 KB)

 
Die Ausstellung kann noch bis zum 26. September im Foyer der Stiftung EVZ, Lindenstr. 20-25, 10969 Berlin, besucht werden. Gefördert wurde die Erarbeitung der Ausstellung durch die Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie die Freudenbergstiftung. 






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