Ein Fest ohne Nazis

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Ein Fest ohne Nazis

© Georg Hundt

Horst und Birgit Lohmeyer lassen sich nicht einschüchtern.

 

Seit Jahren eine feste Adresse im nicht-rechten Veranstaltungskalender Mecklenburg-Vorpommerns: Jamel rockt den Förster. Unter dem Motto „Spaß und Zivilcourage im Doppelpack“ wird ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Auch die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt das Veranstalterpaar Lohmeyer bei der Realisierung des Festivals.

Von Robert Lüdecke

Es gibt nur zehn Häuser in Jamel. In sieben davon wohnen bekennende Neonazis samt Familie. Bekannt wurde das Dorf in Mecklenburg-Vorpommern deshalb vor allem mit rechter Gewalt oder durch die Festnahme des bekennenden Neonazis Sven Krüger, der wegen Hehlerei und unerlaubtem Waffenbesitz ins Gefängnis musste. Krüger ist fest in der lokalen Kameradschaftsszene verankert und treibt die Ansiedlung von Gleichgesinnten voran. Viele aus der nicht-rechten Nachbarschaft haben Angst, sich zu positionieren. »Sie haben sogar Angst, uns im Supermarkt zu grüßen – damit sie keinen Ärger mit den Neonazis hier bekommen«, berichtet Birgit Lohmeyer.

Am Ortseingang begrüßte lange ein Findling mit der Aufschrift „Dorfgemeinschaft Jamel – Frei, Sozial, National“ Besucherinnen und Besucher. Gleich daneben steht ein Wegweiser, der unter anderem die Entfernungen nach Narvik, Wien/Ostmark und Königsberg, anzeigte. Wegweiser und Schild wurden im Februar 2011 auf Anweisung des Grevesmühlener Bürgermeisters entfernt. Weiter hinten im Dorf wird man auch auf ein Banner aufmerksam – „Willkommen in Jamel“ heißt es da. Unterlegt ist das Banner mit einer Lebensbaumrune vor einer aufgehenden Sonne. „Wir wussten, dass ein NPD-Politiker hier wohnt. Aber die anderen kamen alle nach“, sagt das Ehepaar Lohmeyer. Schweigen oder wegziehen, das kam für die beiden nicht in Frage

Um klarzumachen, dass Jamel nicht nur das »Nazinest« ist, haben sie 2007 auf ihrem Grundstück das Festival »Jamel rockt den Förster« ins Leben gerufen, das von der Amadeu Antonio Stiftung finanziell unterstützt wird. Das Festival steht für Demokratie und Toleranz und entspricht somit nicht den Vorstellungen der meisten Dorfbewohnerinnen und -bewohner. Aber es ist eine wichtige Alternative zum rechtsextremen Mainstreams und ein verlässlicher Treffpunkt für nicht-rechte Jugendliche. Seitdem hat sich das Fest als fester Termin etabliert, bei dem neben lokalen Bands auch prominente Musiker auftreten.

Informationen zum Zeitplan und Tickets können auf der Internetseite www.forstrock.de eingesehen und gekauft werden.

 

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