#ausnahmslos: Antisemitismus darf nicht übersehen werden

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
Kampagne #ausnahmslos:

Kampf für Gleichwertigkeit und Menschenrechte darf Antisemitismus nicht übersehen

#ausnahmslos Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos

© ausnahmslos.org

 

Nach den Ereignissen von Köln richtet sich die Kampagne #ausnahmslos: „Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos“. Diese Kampagne ist sehr begrüßenswert, weshalb auch Personen aus der Amadeu Antonio Stiftung zu den Erstunterzeichner_innen gehören. Allerdings scheint sich dieses #ausnahmslos nur auf sexualisierte Gewalt und Rassismus zu beschränken. Ein Blick auf einige Erstunterzeichner_innen zeigt, dass anscheinend eine Sensibilisierung beim Thema Antisemitismus bei den Initiator_innen der Kampagne nicht im ausreichenden Maße vorhanden ist. Erstunterzeichner_innen des #ausnahmslos -Aufruf sind entsprechend Personen, die Positionen vertreten wie „Nichts ist gruseliger als Zionismus“ (Nothing is creepier than Zionism. Challenge racism, Linda Sarsour), zum Boykott Israels aufrufen wie die Feministin Laurie Penny oder die Boycott, Divestment and Sanctions (BDS)-Kampagne unterstützen, die sich gegen die Existenz Israels richtet, wie die Bürgerrechtlerin Angela Davis (“support BDS, and Palestine will be free”).

Insbesondere seit der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus im südafrikanischen Durban im Jahr 2001 spielt der Antisemitismus in Teilen der weltweiten Antirassismus-Bewegung eine zunehmend große Rolle. Die an für sich sehr wichtige UN-Konferenz gegen Rassismus wandte sich fast alleinig gegen Israel. In einer Erklärung verurteilten rund 3.000 Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen Israel als einen „rassistischen Apartheidstaat“, der systematisch rassistische Verbrechen, Taten mit dem Ziel des Völkermordes und der ethnischen Säuberung, begehe. Bei der Konferenz kam es auch zu physischen Angriffe auf Jüdinnen und Juden, die teilweise verängstigt vorzeitig die Konferenz verließen. Spätestens seit dieser Konferenz gehört die Parole „Zionismus ist Rassismus“ und die antisemitischen Agitation gegen Israel im Namen eines vermeintlichen Antirassismus zum Standardrepertoir eines Teils einer sich antirassistisch verstehende politischen Bewegung. Gegen diese Positionierung gibt es auch in Teilen der Antira-Bewegung Widerstand, die die Notwendigkeit betonen Antirassismus und Antisemitismus zusammenzudenken.

Auch in Deutschland spielt diese Form des Antisemitismus eine wichtige Rolle. Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung stimmen etwas mehr als ein Viertel der befragten Deutschen folgender Aussage zu: »Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip nichts anderes, als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben.« Hiermit stellen also über 25% der Deutschen Israel auf eine Stufe mit Nazi-Deutschland. Laut dieser Studie nimmt die Zustimmung zu traditionellen Formen des Antisemitismus tendenziell ab. Neuere Formen von Antisemitismus gewinnen hingegen an Zustimmung. Antisemitismus funktioniert gerade dann, wenn es im Namen der Menschenrechte und eines Antirassismus geäußert wird. Antisemitismus wie ihn die Nazis lebten gibt es aktuell kaum noch – was bei vielen zum trügerischen Fehlschluss führt Antisemitismus sei kein gesellschaftliches Problem mehr.

#ausnahmslos sollte sich dementsprechend nicht nur gegen Rassismus und Sexismus, sondern gegen alle Formen der Diskriminierung von Menschen, also auch gegen Antisemitismus wenden. Gerade in Zeiten einer stärker werdenden rassistischen Mobilisierung ist es wichtig, dass die Sensibilisierung für die enge Verknüpfung von Rassismus und Antisemitismus Thema wird. Denn der Kampf für Gleichwertigkeit und Menschenrechte darf Antisemitismus nicht übersehen. Wer sich gegen Verallgemeinerung bei Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit und Rassismus verwahrt, darf Antisemitismus nicht einfach dulden oder in seinen modernen Formen sogar fördern.

Auch eine Haltung nach der die USA und Israel als Synonym für Kapitalismus/Imperialismus als das Böse schlechthin gesehen werden, beinhaltet antisemitische Stereotype, gegen die wir uns entschieden aussprechen.

Aktuell erleben wir, wie sich im Namen eines Kampfes gegen Antisemitismus rassistische Ressentiments gegen Flüchtlinge geschürt werden, aber halt auch wie im Namen des Antirassismus antisemitische Einstellungen verbreitet werden. Beidem gilt es sich zur Wehr zu setzen. In diesem Zusammenhang verweisen wir nochmal auf unsere Onlinekampagne „nichts-gegen-juden“, die sich mit den gängigsten antisemitischen Ressentiments auseinandersetzt. Online unter www.nichts-gegen-juden.de

Hier finden sich beispielsweise Antworten auf die antisemitische Position „Du findest, Israel hat kein Recht zu existieren?“ oder die Gleichsetzung von Israel mit Nazi-Deutschland

 

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