Vernetzungstreffen der flüchtlingspolitischen Initiativen in Brandenburg

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Vernetzungstreffen der flüchtlingspolitischen Initiativen in Brandenburg

 

Am Wochenende 19./20. November trafen sich im kleinen Örtchen Hirschluch über 80 Brandenburger_innen auf Einladung des Flüchtlingsrates zum 2. Vernetzungstreffen der flüchtlingspolitischen Initiativen des Bundeslandes. 2015 hatte das Treffen als „Asylgipfel von unten“ das erste Mal stattgefunden. In diesem Jahr nahmen an dem Treffen überwiegend Geflüchtete teil, einige von ihnen sind bereits in Selbstorganisationen aktiv. Für den Flüchtlingsrat war ein zentrales Anliegen, die Vernetzung der Asylsuchenden sowohl mit dem Rat als auch untereinander zu stärken. Weiterhin stand zur Diskussion, wie die Zusammenarbeit zwischen Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten intensiviert werden kann.

von der Redaktion

„Für uns als Amadeu Antonio Stiftung ist dieser Punkt besonders interessant: Wie können wir gemeinsam eine inklusive Gesellschaft gestalten? Besonders in Brandenburg, einem Bundesland, in dem wir einen Anstieg der rassistischen Gewalt einerseits, aber auch eine gesellschaftliche Öffnung für Asylsuchende andererseits beobachten“, erklärt dazu Laura Piotrowski, die das Vernetzungstreffen für die Stiftung besucht und begleitet hat. Sie leitet das Projekt „Vom Willkommen zur Integration“, das mittels Fortbildungen die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit qualifiziert, aber auch eine stärkere Vernetzung der entstandenen Willkommensstrukturen mit den Selbstorganisationen von Geflüchteten fördern will. „Das Treffen in Hirschluch war sehr intensiv. Am ersten Tag diskutierten die Anwesenden die zahlreichen Probleme von Asylsuchenden in Brandenburg, die von täglichen Rassismuserfahrungen über unmenschliche Unterbringungsbedingungen in den Gemeinschaftsunterkünften zu Hindernissen bei der Arbeitsaufnahme und rechtswidrigen Abschiebungen reichen“, so Piotrowski weiter. Deshalb war es umso wichtiger, dass sich auch Organisationen der Zivilgesellschaft, wie die Opferperspektive Brandenburg, die Bürgerstiftung Barnim-Uckermark oder die Asylverfahrensberatung, in Hirschluch präsentierten, um ihre Informations- und Beratungsmöglichkeiten bekannt zu machen.

In der Bürgerstiftung arbeitet Thomas Mboya Ochieng für die Beratung und Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, gleichzeitig berät er auch deutsche Freiwillige, die Geflüchtete unterstützen wollen. Ochieng hat selbst eine Fluchtgeschichte, die Erfahrungen sind ihm Motivation und Expertise zugleich für seine Arbeit. „Aber ich muss es immer wieder betonen, Flüchtling zu sein ist eine Situation, kein Titel. Ich ermutige geflüchtete Menschen, ihr Leben aktiv in die Hand zu nehmen, um nicht in dieser Rolle zu verharren, aber auch, den deutschen Unterstützern zu vertrauen und mit ihrer Unterstützung mehr zu erreichen.“

Am zweiten Tag standen Selbstorganisation, Information und Kooperation im Mittelpunkt, um die angesprochenen und teils schon langjährig bekannten Probleme gemeinsam anzugehen. Angereist waren Vertreter_innen von älteren Selbstorganisationen, wie Women in Exile, Flüchtlingsinitiative in Brandenburg, Refugees Emancipation  und Jugendliche ohne Grenzen, aber mit Mosaiksteine e.V. auch ein neuer Verein, den syrische Flüchtlinge aus Potsdam und Umgebung gegründet haben. Alle Vertreter_innen stellten sich vor, warben für die Mitarbeit und weitere gemeinsame Aktionen wurden geplant. Deutlich wurde, dass diese Arbeit finanzieller Ressourcen bedarf, um sie weiter tragen zu können. Die Diskussion war jedoch auch von emotionalen Momenten geprägt, als deutsche Unterstützer_innen von ihrem Kampf gegen die Windmühlen der Bürokratie berichteten: „Wir müssen gemeinsam für mehr Rechte eintreten, auch um zu zeigen, dass sehr viele Deutsche den Asylsuchenden freundlich gegenüber stehen!“ oder geflohene Akademiker berichteten, wie sie im gleichen Kampf von der Ausländerbehörde immer wieder Weiterqualifikation oder eine Arbeitsgenehmigung verweigert bekommen. Trotzdem entstanden auf dem Treffen viele neue Kontakte und als das Treffen am Nachmittag endete, verließen viele Hirschluch mit neuer Energie und neuem Mut.

Der Flüchtlingsrat Brandenburg will im kommenden Jahr die Vernetzung mit den Selbstorganisationen der Geflüchteten vorantreiben und die Institution des Rates für Geflüchtete stärker öffnen. Das Treffen in Hirschluch legt einen Grundstein dafür. Auch die Amadeu Antonio Stiftung wird diese Bestrebungen weiter ermutigen, beraten und fördern.

 

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