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Pfarrer Harald Lamprecht ist einer der Mitwirkenden bei der AG Kirche gegen Rechtsextremismus (Foto: S. Rafael)

Rechtsextremismus – mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar


Die "AG Kirche gegen Rechtsextremismus" setzt sich für die Stärkung demokratischer Werte innerhalb der Kirche ein. Dafür wurde sie für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2009 nominiert. Sebastian Feydt, Jurymitglied und Frauenkirchenpfarrer, stellt die Arbeitsgemeinschaft vor.






Es sind Äußerungen wie "Die tun wenigstens was für die Jugend" oder "Die nehmen sich der sozialen Ängste der Menschen an", die die Mitstreiter der AG Kirche gegen Rechtsextremismus umtreiben. Denn wie klein ist der Schritt vom Feststellen einer Entwicklung hin zur Duldung, gar Anerkennung eines pseudo-sozialen Engagements rechtsextremer Gruppierungen!

Die verbreitete Annahme, dass sich die sächsischen evangelischen Kirchengemeinden ohnehin mit dem Problem Rechtsextremismus auseinandersetzen, bewahrheitete sich bei genauerer Betrachtung nicht. Aus der klaren Überzeugung heraus, dass Fremdenfeindlichkeit, Gewaltbereitschaft und Demokratieabwertung mit dem christlichen Glauben jedoch unvereinbar sind, rief eine Gruppe um Pfarrer Karl-Heinz Maischner die Initiative ins Leben. Seit vier Jahren setzt sie sich nunmehr für die Stärkung demokratischer Werte ein und klärt evangelische Kirchengemeinden über die Gefahren der rechtsextremen Ideologie auf.

Einer der Mitwirkenden ist Pfarrer Harald Lamprecht. Kurz nach der Gründung der Initiative hinzugestoßen, setzt er sich mit ganzer Kraft für deren Ziele ein. Der Gleichgültigkeit, die ihm immer wieder begegnet, setzt er Leidenschaft entgegen: "Jeder Bürger", so Lamprecht, "muss sich im Alltag die Frage stellen, wie viel ziviler Ungehorsam nötig und möglich ist, um die Rechtsextremen in ihre Schranken zu weisen. Schließlich geht es um nichts Geringeres als um die Verteidigung der Demokratie." Dabei müsse es sich aber immer um gewaltlosen Protest handeln.

Umzusetzen versucht die AG Kirche gegen Rechtsextremismus ihre Ziele auf ganz unterschiedlichen Ebenen: Gemeindeglieder sollen genauso erreicht werden wie kirchenleitende Gremien, z.B. Kirchvorstände oder Synoden. Mit Workshops, Gesprächsangeboten, Fortbildungen, Dokumentationen, Broschüren und Faltblättern stößt sie Gesprächsprozesse an und ruft zu aktivem Auftreten gegen rassistisches Gedankengut und brutale Gewalt auf. Damit hat die Arbeitsgemeinschaft eine längst überfällige Diskussion innerhalb der Kirche in Gang gesetzt.

Eines der sichtbarsten Ergebnisse dieses Engagements ist das von der gesamten Sächsischen Landeskirche getragene "Aktionsjahr für Demokratie – gegen Rechtsextremismus". Es ist dem beherzten Einsatz der Initiative zu verdanken, dass die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens – zu der u.a. der Landesbischof, der Präsident des Landeskirchenamtes und der Präsident der Landessynode gehören – das Eintreten gegen Rechtsextremismus zum Arbeitsschwerpunkt aller sächsischen Gemeinden ausgerufen hat. In bisher einmaliger Weise bezog die Landeskirche Stellung – mit einer eindringlichen Handreichung "Nächstenliebe verlangt Klarheit" und eher unkonventionellen Mitteln wie einem passenden Brillenputztuch.

Sebastian Feydt


Der Beitrag erschien erstmals in der Sächsischen Zeitung.

Mehr Informationen über den Sächsischen Förderpreis für Demokratie unter:
www.demokratiepreis-sachsen.de



 

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