In einer Fortbildungsreihe werden Filme vorgestellt, die sich mit dem Thema jüdisches Leben in Deutschland heute auseinandersetzen. Lehrerinnen und Multiplikatoren können anhand dieser Filme mit Kindern und Jugendlichen über das Thema ins Gespräch kommen und helfen antisemitische Vorurteile und Einstellungen abzubauen.
Die Kenntnisse besonders Jugendlicher zum Thema Judentum sind gespalten. So wird in der Schule zwar ausführlich über die Geschichte des Nationalsozialismus und auch die mittelalterliche Verfolgung jüdischer Menschen gesprochen, jüdischer Alltag und jüdisches Selbstverständnis sind jedoch nur in Ausnahmefällen Unterrichtsthema. Über Jüdinnen und Juden wird zumeist als Opfer von Verfolgung berichtet; jüdisches Leben jenseits von Verfolgung und Vernichtung, jüdischer Alltag und deutsch-jüdische Geschichte ist leider nur selten Inhalt von schulischen Veranstaltungen. So ist es nicht verwunderlich, dass kaum Kenntnisse über das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland heute vorhanden sind. Hinzu kommt, dass Unsicherheiten den Umgang mit jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern – wenn er denn stattfindet – bestimmen, die sich auf Mechanismen wie Verdrängung und Schuldabwehr zurückführen lassen. Das einseitige Wissen über jüdisches Leben, aber auch die Unsicherheiten im und der Mangel an Begegnungen können Anknüpfungspunkte für die Reproduktion antisemitischer Bilder und Stereotype bilden.
Broschüre und Fortbildungsreihe
Um dieses zu verhindern und ein breiteres Wissen über Judentum und jüdischen Alltag besonders im heutigen Deutschland zu vermitteln, hat die Amadeu Antonio Stiftung in Kooperation mit dem Leo Baeck Programm im letzten Jahr eine Broschüre zum Thema Jüdisches Leben in Deutschland heute herausgebracht. In der Broschüre "Sehen. Deuten. Handeln." werden aktuelle Filme aus den Bereichen Spielfilm, Dokumentarfilm und Projektfilm vorgestellt, anhand derer über jüdischen Alltag gesprochen werden kann. Zudem wird eine Methode vorgestellt mithilfe welcher Lehrerinnen und Multiplikatoren mit Jugendlichen und Kindern zu den Filmen arbeiten können. Ergänzend gibt es eine thematische Einführung über jüdisches Leben nach 1945 in Deutschland. Basierend auf dieser Broschüre findet eine Fortbildungsreihe für Lehrer sowie Multiplikatorinnen statt, die für den Umgang mit den Filmen und der vorgeschlagenen Methode vorbereiten soll.
„Auf jüdischem Parkett“
Als Auftakt dieser Fortbildungsreihe wird am 15. April 2010 ab 17.30 Uhr die Dokumentation „Auf jüdischem Parkett“ in den Räumen der Amadeu Antonio Stiftung gezeigt. In diesem Film begleiten die Regisseurinnen Arielle Artsztein und Esther Slevogt ein Jahr lang das jüdische Gemeindehaus in Berlin. Es werden religiöse und kulturelle Veranstaltungen dokumentiert und verschiedene Gemeindemitglieder und Beschäftigte des Gemeindehauses kommen zu Wort und sprechen über das Jüdischsein, Konflikte innerhalb der Gemeinde und die Wiederbelebung der jüdischen Gemeinde in den Nachkriegsjahren. Der Film erzählt aus einer innerjüdischen Perspektive über den Alltag im Gemeindehaus, aber auch über das Verständnis von Familie und die Bedeutung des Gedenkens an die Shoah. Zudem wird es neben der Filmvorführung eine thematische Einführung und eine anschließende Diskussion über die in der Broschüre vorgestellte Arbeitsmethode geben. Auch für einen kleinen Imbiss ist gesorgt.
Am 6. Mai wird dann der Spielfilm „Max Minsky und ich“ im Anne Frank Zentrum gezeigt. Eine dritte Filmvorführung findet am 25. Mai in den Räumen des AJC Office Berlin statt. Hier wird es „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ zu sehen geben. Die Teilnahme ist nach vorheriger Anmeldung (bitte mit Vor- und Nachnamen sowie Institution oder Privatadresse) frei:
„Auf jüdischem Parkett“
15. April Anmeldung unter: berit.lusebrink@amadeu-antonio-stiftung.de
„Max Minsky und ich“
6. Mai Anmeldung unter: quandt@annefrank.de
„Ein ganz gewöhnlicher Jude“
25. Mai Anmeldung unter: thomah@ajc.org
Von Almut Degener