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Spanische Deportierte

Fotos for social change, Jakob Huber, c

Aufarbeitung von reinen Fakten kann nicht Ziel sein


In der „Topographie des Terrors“ fand am 7. September eine Tagung zum Thema „Spanische Deportierte in NS-Lagern: Geschichte und Erinnerung“. Das Programm am Eröffnungstag beinhaltete viele interessante Vorträge.


In einem breiten Programm wurden die deutsch-spanischen Beziehungen während des Nationalsozialismus, die Deportation von oppositionellen Spaniern in deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager, sowie mit aktuellem Bezug die neonazistischen Strukturen im heutigen Spanien erläutert.

Nach einer Eröffnung durch Dr. Thomas Lutz (Topographie des Terrors), Dr. Miquel Caminal (Memorial Democràtic, Generalitat de Catalunya) und dem Botschafter von Spanien, Dr. Rafael Dezcallar de Mazarredo, beschäftigten sich spanische und deutsche Historikerinnen und Historiker, sowie die Vorsitzende der „Amical Mauthausen“, mit der Deportation von Spaniern in die Konzentrationslager Mauthausen, Sachsenhausen und Buchenwald.

 
Spanische Deportierte

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Erinnerung an spanische Freiheitskämpfer muss weiter lebendig bleiben


Eingeleitet wurde dieser Themenblock durch Prof. Dr. Walter L. Bernecker von der Universität Erlangen-Nürnberg, Experte für neuere spanische Geschichte. In seinem Vortrag über Spanien und Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus, gab er einen Überblick über die Verhältnisse und Motivationen Deutschlands, Franco bei seinem Putsch zu unterstützen. So wurde beschrieben, wie es nach einer logistischen Unterstützung bei der Truppenbewegung zu einem militärischen Mitmischen der deutschen Luftflotte im spanischen Bürgerkrieg kam. Interessant ist außerdem der Aspekt, dass Franco nicht den einen Weltkrieg sah, sondern 3 verschiedene, in denen er sich auch einzeln positionierte. So nahm er die Konflikte in Zentraleuropa nur als Machtkämpfe wahr und positionierte sich „neutral“. Die Fronten in Osteuropa waren für Franco sinnvoll, um den Kommunismus zu bekämpfen. Daher positionierte er seine Truppen auf Seiten der faschistischen Achsenmächte. Den dritten Krieg stellten die Kämpfe in Fernost dar, in dem sich Franco, zumindest im Geiste, auf die Seite der Amerikaner schlug.

Im Anschluss folgten fünf Vorträge mit dem inhaltlichen Fokus auf die Situation der spanischen Deportierten in NS-Lager. Die Vorträge sprachen von der aktuellen Situation der Enkel und Urenkel der Deportierten. Diese wollen wissen, wer ihre Vorfahren waren und wie sie lebten, kämpften und starben. Die Vorträge zeigten deutlich, dass die reine Aufarbeitung von Fakten kein Ziel sein kann, sondern die Erinnerung an die spanischen Freiheitskämpfer dauerhaft lebendig gehalten werden muss. Nur so kann dem jahrzehntelangen Vergessen und schweigen, das auch nach dem Ende des Franquismus anhielt, entgegen gewirkt werden. Erst in den letzten Jahren entstehen in Spanien Studien und Gedenkorte über die Deportation.

 
Spanische Deportierte

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Rechtsextreme Gewalttaten in Spanien nehmen zu

Als „Zeiten- aber nicht Themenwechsel“ bezeichnete Dr. Andrés Nader den darauffolgenden Vortrag von Frauke Büttner vom Verein für demokratische Kultur in Berlin e.V., zur aktuellen Situation von Rechtsextremismus in Spanien. In der praktischen Arbeit hat die Amadeu Antonio Stiftung festgestellt, dass die „ehrliche und offene Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, mit den Verbrechen der eigenen Gesellschaft, einen positiven Unterschied in der Entwicklung demokratischer Einstellungen macht“. Nader begründete die Beteiligung der Stiftung an der Konferenz auch damit, dass „Rechtsextremismus und Rechtspopulismus sich nicht nur und nicht isoliert in Deutschland weiterentwickeln“. Das macht eine Beschäftigung mit dem Thema im europäische Kontext notwendig.

In ihrem Vortrag zeigte Büttner zwar, dass rechtsextreme Parteien in Spanien keine parlamentarische und nur eine geringe soziologische Relevanz besitzen, betonte aber auch, dass angesichts der hohen Anzahl an gewalttätigen Übergriffen, die Gefahr des spanischen Rechtsextremismus trotzdem sehr ernst zu nehmen ist. Um dem Rechtsextremismus entgegenzuwirken, empfahl Frauke Büttner länderübergreifend demokratische Handlungskonzepte zu erarbeiten. Hierfür kann der Austausch deutscher und spanischer Praktiken auf dem Kongress einen Startschuss geben. Ein ausführlicher Beitrag zu dem Vortrag kann auf netz-gegen-nazis.de nachgelesen werden.

Den abschließenden Festvortrag sprach Prof. Dr. Faulenbach von der Ruhr-Universität Bochum. Der deutsche Historiker sprach über „Erinnerungskulturen in Europa heute“ vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung Europas und der damit verbundenen Vielfalt von Erinnerungskulturen in Hinblick auf die Frage, wie Geschichtspolitik auf europäischer Ebene funktionieren kann.
Allem voran definierte er Erinnerung als Vergegenwärtigung eines Ausschnitts der Vergangenheit. Dr. Faulenbach wies unter anderem auf die Gefahr hin, dass bei dieser Vergegenwärtigung des vermeintlich „Erinnerungswürdigen“ anderes Vergangenes ausgeblendet wird. Er stellte die Frage auf, wie „vernünftig“ eine kollektive Gewichtung von dem ist, was erinnert werden sollte und was nicht. Im weiteren Verlauf ging Feuerbach auf die Erinnerungskultur der jeweiligen europäischen Staaten ein. Am Beispiel Spanien zeigte er, dass es durchaus Diskussionen zwischen verschiedenen Gruppen gebe, die die Aufarbeitung von Diktatur-Erfahrungen in den Mittelpunkt stellen.

Zum Abschluss dieses ersten Tagungstages lud die Vertretung der katalanischen Regierung in Deutschland zum netten Beisammensein und Buffet ein. Bei angenehmer Atmosphäre diskutierten die vielen deutschen und spanischen Besucher über eigene Erfahrungen und die inhaltlichen Aspekten in einzelnen Vorträgen.

Von Dana Fuchs, Martin Weyland und Jacqueline Aslan

 

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