Figurengruppe des Buchenwald-Denkmals, von Rudolf Klein, cc
Am 14. Mai startet die Amadeu Antonio Stiftung die Veranstaltungsreihe über die (Nicht-)Darstellung des Holocaust in Film und Literatur der DDR.
Am Freitag den 14. Mai startet die Amadeu Antonio Stiftung eine Veranstaltungsreihe, die sich mit einzelnen Aspekten der antifaschistischen Kultur der DDR auseinandersetzt. Die DDR sah sich als antifaschistischer Staat. Dies drückte sich in besonderer Weise auch in der Kultur aus. In wohl kaum einem anderen Staat wurden innerhalb kürzester Zeit so viele literarische und filmische Werke veröffentlicht, die sich dem antifaschistischen Genre verpflichtet sahen. Kritikerinnen und Kritiker innerhalb und außerhalb der DDR merkten aber immer wieder an, dass die Vernichtung der europäischen Juden in vielen dieser Werke kaum oder gar nicht behandelt wurde.
Wie wurde der Holocaust in der DDR dargestellt?
In der mehrteiligen Veranstaltungsreihe der Amadeu Antonio Stiftung, die in verschiedenen Städten stattfindet, wird dieser mutmaßlichen Auslassung in der antifaschistischen Kultur der DDR nachgegangen. Gab es diese Ausblendung und welche Gründe lassen sich für sie ausmachen? Wie wurde die nationalsozialistische Judenvernichtung in der DDR-Kultur über die Jahrzehnte dargestellt? Diese und andere Fragen werden in der Veranstaltungsreihe mit unterschiedlichen Referentinnen und Referenten rege diskutiert. „In den zahlreichen Diskussionsveranstaltungen im Rahmen der Ausstellung ‚Antisemitismus in der DDR’ haben wir immer wieder gemerkt, wie notwendig eine Auseinandersetzung mit dem Antifaschismus gerade in Film und Literatur ist“, erzählt Konstanze Ameer, die das Projekt leitet. „Viele Filme werden in Diskussionen als Beispiele für eine gelungene Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit angeführt. Doch bestimmte Aspekte tauchen oftmals kaum auf“, so Ameer weiter. So zeigt der für die Gedenkkultur der DDR wegweisende Film ‚Nackt unter Wölfen’ von Frank Beyer deutlich, dass das literarische und filmische Nachdenken über den Nationalsozialismus nicht dem Holocaust und den Taten der Deutschen selbst gewidmet war, sondern im Zeichen eines klassenkämpferischen Antifaschismus stand.
Volksfrontliteratur
In Bremen wird die Reihe mit einer Veranstaltung starten, in der es um die Zeit vor der DDR-Staatsgründung geht. Die Berliner Literaturhistorikerin Birgit Schmidt, stellt ihre Untersuchung zur sogenannten ‚Volksfrontliteratur’ und das hier präsentierte Judenbild vor. Mit der Volksfrontliteratur versuchten Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Umfeld der KPD, die nationalisierten Massen für sich zu gewinnen. Birgit Schmidt bezieht sich auf die Darstellungen von Jüdinnen und Juden in diesen Werken und versucht zu erklären, weshalb sich Kommunistinnen und Kommunisten – wenn überhaupt – erst sehr spät mit den von den Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten existenziell bedrohten Jüdinnen und Juden solidarisierten. Dargestellt wird im Vortrag zudem, wie die kommunistischen Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie die kulturelle Gründergeneration der DDR den aufkommenden Nationalsozialismus wahrnahmen, ihn im Exil erlebten und später in der DDR thematisierten. Die Ergebnisse stehen im Anschluss an den Vortrag zur Diskussion.
Von Konstanze Ameer
Auftaktveranstaltung:
„Die KPD/SED, die Volksfrontideologie und ihre Literatur."
Ein Vortrag von Birgit Schmidt mit anschließender Diskussion.
Dokumentations- und Begegnungsstätte "Rosenak-Haus", Kolpingstrasse 7, Bremen. Freitag, 14. Mai, Beginn 19.30 Uhr, Eintritt frei.