Die engagierte Filmcrew von "Oury Jalloh". Das Projekt wurde gefördert durch die Aktion "Mut gegen rechte Gewalt" des Magazin stern und der Amadeu Antonio Stiftung.
2008 konnte die Amadeu Antonio Stiftung 66 erfolgreiche Projekte und Initiativen zur Stärkung einer demokratischen Kultur unterstützen.
Im Jahr 2008 hat die Stiftung mit einer Gesamtsumme von 197.659 Euro Projekte und Initiativen unterschiedlichster Art gefördert - immer mit dem Ziel, vor Ort die Demokratie zu fördern und gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus einzutreten.
Im Bereich „Für eine demokratische Kultur und gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus“ förderte die Amadeu Antonio Stiftung 28 Initiativen und Projekte aus dem gesamten Bundesgebiet. Integrationsprojekte sind ein zentrales Anliegen der Stiftung. So hat sie unter anderem eine Ausstellung des Kultur- und Sportvereins „Roter Stern Leipzig ’99“ gefördert, die sich der Integration von Migranten im Fußballsport widmet, sowie einen Rapworkshop zum Thema Gewalt, Rassismus und Religion für junge Migrantinnen im Berliner Stadtteil Neukölln.
Rechtsextremismus und Rassismus stellen ernst zu nehmende Gefahren für die Gesellschaft dar, doch das Problem wird mancherorts kaum wahrgenommen. Auch unter Jugendlichen gibt es in diesem Bereich noch erheblichen Informationsbedarf. Deswegen fördert die Stiftung gezielt Bildungsprojekte für Jugendliche. Zum Beispiel im Rahmen einer Workshop-Reihe, die vom Weimarer Verein „Bildungskollektiv Biko“ angeboten wurde: Jugendliche recherchierten zu rechtsextremen Strukturen in ihrer Region und informierten sich über zivilgesellschaftliche Initiativen vor Ort.
Um die gegenwärtigen Gesellschaftsprobleme - wie zum Beispiel Rechtsextremismus - zu verstehen, sollten sich Jugendliche wie Erwachsene kritisch mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Aus diesem Grund ist der Amadeu Antonio Stiftung die Unterstützung von Geschichtsprojekten ein wichtiges Anliegen. Für das Projekt „Abgefahren“ entwickelte die elfte Klasse der Martin-Buber-Oberschule in Zusammenarbeit mit dem Verein „Jugendgeschichtswerkstatt Spandau“ eine Ausstellung. In einem „Bus der Erinnerung“ präsentierten sie ihre Recherchen zur Reichspogromnacht und zur Situation der Jüdischen Gemeinde in Berlin-Spandau.
Früher war Matthias Adrian in der rechtsextremen Szene aktiv. Heute arbeitet der Neonazi-Aussteiger für das Projekt EXIT, das im Rahmen der stern-Aktion "Mut gegen rechte Gewalt" gefördert wird.
stern-Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“
Für die Arbeit im Bereich der Ausstiegsprozesse aus der rechtsextremen Szene förderte die Stiftung im Rahmen der stern-Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“ das Aussteigerprogramm EXIT. Das von Ex-Kriminaloberrat Bernd Wagner gegründete Projekt konnte bislang mehr als 300 Aussteiger erfolgreich betreuen, die „Rückfallquote“ liegt bei weniger als 5 Prozent. Das Projekt arbeitet bundesweit nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" und bietet Aussteigewilligen aus der rechtsextremen Szene die Möglichkeit, neue Perspektiven außerhalb ihres bisherigen Milieus zu entwickeln. Dabei vermittelt EXIT Kontakte, berät und gewährt psychologische und praktische Hilfen. Dieser Prozess ist arbeits- und zeitintensiv, denn kein Ausstieg vollzieht sich von heute auf morgen. Auch Eltern potenzieller Ausstiegswilliger sowie Lehrer oder Sozialarbeiter können sich beraten lassen. Dazu gibt es seit 2007 eine eigene EXIT-Elternhilfe.
Zusätzlich zu EXIT wurden 2008 im Rahmen der stern-Aktion 10 weitere Initiativen und Projekte unterstützt, z.B. ein Theaterstück mit Flüchtlingskindern im Asylheim Leipzig-Grünau. Das Stück gab den Kindern die Möglichkeit, ihre Lebensumstände zu schildern und die Öffentlichkeit auf ihre Situation zu lenken. Ein kontroverses Thema behandelt das Filmprojekt des Berliner Vereins EPIZ: der Film portraitiert den afrikanisch-stämmigen Migranten Mouctar Bah, der für die Aufklärung des Todes des Asylbewerbers Oury Jalloh kämpft. Ziel des Films ist es, die alltägliche Missachtung von Menschenrechten gegenüber Migranten zu thematisieren.
Opferfonds CURA
Der Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung hilft seit 1992 Opfern rechtsextremer Gewalt schnell und unbürokratisch. Der Fonds hat im vergangenen Jahr mit 11.309 Euro 16 Einzelpersonen bzw. Organisationen unterstützt. Hervorzuheben sind die Opfer der Brandanschläge in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Neonazis haben dort gezielt versucht, die wirtschaftliche Existenz von Imbissbesitzern mit Migrationshintergrund zu vernichten. Durch den Opferfonds CURA konnte beispielsweise Herrn Celik aus Cottbus geholfen werden. Die finanzielle Existenz des aus der Türkei stammenden Mannes war stark gefährdet, nachdem fünf Neonazis im Dezember 2007 seinen Imbissstand in Brand gesetzt hatten. Nach einer gezielten Spendenaktion der Stiftung konnten für drei Familien in Brandenburg und Sachsen-Anhalt fast 4.000 Euro gesammelt werden.
Living Equality
Im Rahmen des Programms „Living Equality“ unterstützte die Amadeu Antonio Stiftung mit 78.400 Euro sechs lokale Akteure, die sich für die Stärkung der Gleichwertigkeit aller Menschen im Alltag einsetzen. Ein beispielhafter Ansatz ist die Förderung einer Lehrer/innenfortbildung des Berliner Vereins Ufuq, die sich mit dem Thema Antisemitismus als Vorraussetzung für pädagogische Interventionen auseinandersetzt. Mit der Diskriminierung von gesellschaftlichen Randgruppen (wie z.B. Punks, Homosexuelle) beschäftigte sich die Ausstellung „Pfui! Wie sieht das denn aus“ des Vereins „Bon Courage“ aus dem sächsischen Borna.
Lola für Lulu
Fünf Projekte wurden im Rahmen „Lola für Lulu – Frauen für Demokratie im Landkreis Ludwigslust“ mit 6.210 Euro gefördert. Unterstützung fand zum Beispiel ein innovatives Literatur- und Theaterprojekt für Frauen mit und ohne Migrationshintergrund. Ziel ist es, durch Literatur, Theater, Gesang und Diskussionen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten verschiedener Kulturen aufzuzeigen und somit rassistische Tendenzen im Alltag der Menschen gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Die 66 erfolgreich geförderten Projekten, Initiativen und Personen zeigen deutlich: 2008 ist viel passiert – dank Ihnen und Ihrer Spende. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank für Ihre große Unterstützung!
Maria Bause
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