"Wir sollten nicht nur auf die kahl geschorenen Neonazis in Bomberjacken schauen. Die Frage ist doch, wo Ausgrenzung, Vorurteile und Hass herkommen und erlernt werden": Timo Reinfrank, Projektkoordinator der Amadeu Antonio Stiftung
Durch die Hilfe vieler engagierter Menschen konnte die Amadeu Antonio Stiftung bisher 340 Initiativen und Projekte mit über 2,7 Millionen Euro unterstützen. Ein Interview mit dem Koordinator der Amadeu Antonio Stiftung, Timo Reinfrank, zur Projektförderung.
Welche Projekte fördert die Stiftung?
Den Kern der Stiftungsarbeit bildet die Unterstützung lokaler, meist kleinerer Initiativen, um vor Ort aufzuklären, Leute zum Engagement gegen Neonazis zu bewegen, sie zu vernetzen oder eine nicht-rechte Jugendkultur zu fördern, die sich rechtsextremen Tendenzen entgegen stellt. Wichtig sind auch der Schutz und die Stärkung von Opfern rechter Gewalt. Es geht der Stiftung darum, eine demokratische Alltagskultur zu stärken und auch die Zusammenarbeit mit kommunalen Partnern zu suchen, schließlich wollen wir lokale Veränderungen durchsetzen.
Wie fördert die Stiftung?
Zum einen natürlich finanziell, meistens unter 2.500 Euro. Zum anderen versucht die Stiftung, Projekte und Initiativen in ihrer Arbeit zu ermutigen. Praktisch bedeutet dies: die Partner vor Ort zu treffen, um zu ermitteln, wie die Stiftung helfen kann: die Partner mit anderen Projekten vernetzen, Kontakte zu Medien herstellen, um die Initiative und ihre Vorhaben publik zu machen, und gemeinsam eine langfristige Strategie entwickeln.
Welche Hürden gibt es bei der Förderung?
Voraussetzung für die Förderung ist vor allem eine gute Idee und die Fähigkeit, lokale Veränderungen und Sensibilisierungen zu ermöglichen. Bei der Förderung hat sich gezeigt, dass die Höhe der Fördersumme nicht immer der entscheidende Faktor ist, der einem Projekt zum Erfolg verhilft.
Was wünschen Sie sich von den Projekten?
Nicht nur auf die kahl geschorenen Neonazis in Bomberjacken zu schauen. Die Frage ist doch, wo Ausgrenzung, Vorurteile und Hass herkommen und erlernt werden. Das ist sicherlich ein komplexes Thema und eine kleine Initiative kann natürlich nicht die ganze Welt verändern. Aber lokale Veränderungen sind der Anfang.
Das Gespräch führte Björn Schulz
Das Originalinterview ist erschienen in der Zeitung "Ermutigen - 10 Jahre Amadeu Antonio Stiftung" (PDF-Dokument, 1.9 MB).