Seit drei Jahren tourt nun die Wanderausstellung „‚Das hat's bei uns nicht gegeben!‘ – Antisemitismus in der DDR“. Wie waren die Reaktionen auf die Ausstellung über den Antisemitismus auf „der richtigen Seite“ der Mauer?
Als wir die Ausstellung „‚Das hat's bei uns nicht gegeben!‘ – Antisemitismus in der DDR“ überarbeiteten, stießen wir auf weitere, seltsame Dokumente. Aus den Stasiakten tauchten Briefentwürfe mit bösartigen, antisemitischen Beschimpfungen auf. Adressiert waren sie an Juden im Westen. Oben auf den sauber getippten Briefen stand ordentlich und mit Unterstrich "Entwurf". Ich habe mir vorgestellt, wie ein Mitarbeiter des MfS in seinem Büro sitzend einen dieser wüsten, hasserfüllten Drohbriefe schreibt, ihn hinterher liest, womöglich nicht zufrieden ist, ihn aus der Schreibmaschine reißt, um einen neuen, noch böseren zu tippen. Am Ende sollte es dann von all den zerknüllten Versuchen jener werden, den wir in der Ausstellung zeigen. Auch in dem jetzt vorliegenden Buch zur Ausstellung kann man das Schreiben sehen.
Auf lokale Alt- und Neonazis verlassen?
Diese Briefentwürfe entstanden 1961. Sie gehörten zu einer Kampagne, die belegen sollte, wie schlimm und lebendig der Antisemitismus in der BRD sei. Das MfS wollte sich offenbar nicht auf die lokalen Alt- und Neonazis verlassen und verfasste deshalb in ihrem Namen lieber selbst Briefe. Ob sie jemals gesendet wurden und angekommen sind, ist noch unklar, doch das Bild von dem eifrig tippenden Genossen, einem deutschen Beamten aus der DDR zwischen Knäueln aus Papier, geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
Von Anetta Kahane, den vollständigen Artikel finden Sie in der Berliner Zeitung.