Ise Bosch, Dreilinden gGmbH
„Wir alle sind gegen rechte Gewalt - die Amadeu Antonio Stiftung fördert diejenigen, die etwas dagegen tun, an vielen Orten und mit langem Atem. Sie geht dabei keine vorschnellen Kompromisse ein.“
Björn Harras, Schauspieler
„In den Medien hört man täglich, wie Menschen Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung werden. Weil Ermutigung und Aufklärung die besten Mittel gegen Intoleranz sind, unterstütze ich die Amadeu Antonio Stiftung.“
Peter Maffay, Musiker
„Es herrscht noch immer zu viel Unkenntnis gegenüber anderen Kulturen, aus der Feindseligkeit entsteht. Wir müssen lernen, über diesen Tellerrand hinaus zu sehen und kapieren, dass wir voneinander abhängig sind."
Cem Özdemir, Gründungskurator der Amadeu Antonio Stiftung
„Menschen, die gegen Rechts-extremismus, Rassismus und Antisemitismus angehen, stärken unsere demokratische Zivilgesell-schaft. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt sie und leistet damit wertvolle Arbeit."

Jugendliche aus Rostock und Gützkow beschäftigen sich seit einem halben Jahr mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Diskriminierung, Mobbing und Gewalt war Thema eines Wochenendseminars in Waren, das viele Denkanstöße gegeben hat.
Beim Thema Diskriminierung hat fast jede etwas zu erzählen – aus der Perspektive der Betroffenen und der Täter. Da geht es um Lehrerinnen, die einen in der Grundschule vor der Klasse gedemütigt haben, Mädchen, die von Männern belästigt wurden, Cybermobbing, das Mädchen in der Klasse, das niemand leiden konnte. Und jeder hat schon mal abgewogen, einzuschreiten, wenn man Zeuge von Diskriminierung wurde. Das sind Erfahrungen, über die sich Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren aus Mecklenburg Vorpommern offen austauschten. Und schnell ist man sich einig: „Eingreifen und nicht einfach Wegsehen!“; Aufklärung wird gefordert. Soweit die Theorie.
„Zuerst bei sich selbst gucken“
Wie schwierig es ist, die Theorie in die Praxis umzusetzen, durchleben die Jugendlichen in einem Rollenspiel. Zwölf Personen sitzen in einem Boot. Ein kleiner Papierschnipsel weist jedem eine Rolle zu. Vertreten sind ein Soldat, der gerade aus Afghanistan zurückgekehrte, eine alleinerziehende Mutter, eine 16-jährige Schulabbrecherin, ein 32 jähriger Muslim, eine Prostituierte mit HIV usw. Das Boot wird untergehen. Ein Floß kann nur vier Menschen retten. Ein Dilemma und doch muss entschieden werden: Wer darf auf das Floß? Wer hat es verdient, wer ist nützlich, für wen entscheidet die Moral? Die Schülerinnen und Schüler beginnen abzuwägen. Kranke, Behinderte und Alte haben quasi keine Chance. Eine ganze Reihe von Diskriminierungsmerkmalen – Merkmale, die gerade noch als Ideologie der Ungleichwertigkeit erkannt wurden, spiegeln sich beklemmend in diesem Aushandlungsprozess wieder. Und am Ende bleibt die Frage: schätzen wir wirklich jeden Menschen gleich? Sich mit seinen eigenen Vorurteilen zu beschäftigen, erfordert viel Mut. Ein Teilnehmer resümiert kritisch: „Meine wichtigste Erkenntnis ist, dass Diskriminierung tief, tief in jedem von uns steckt, dass jeder einmal gemobbt hat und es nicht einfach ist und viel Willen erfordert nicht zu mobben.“
„Selbst aktiv werden“ – von der Theorie in die Praxis
Das Wochenendseminar zu Diskriminierung, Mobbing und Gewalt ist ein Teil einer ganzen Seminarreihe, die die Jugendlichen durchlaufen und damit einen Pass als Coach für interkulturelle Jugendarbeit erwerben. Die provokanten Gedankenanstöße hat das Berliner Team von Reach Out ausgelöst, die dieses Seminar gestalteten und sehr begeistert von dem Reflexionsniveau und der Kreativität der Gruppe sind. In vorangegangenen Seminaren wurden Elemente gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in den Blick genommen. Rassismus und Antisemitismus, Sexismus und Homophobie waren Themen. Jetzt sitzen die Teilnehmenden des Programms in den Startlöchern, um selbst aktiv zu werden. Nach den Sommerferien geht es los mit der Planung eigener lokaler Projekte, die auf die Stärkung der Gleichwertigkeits- und Menschenrechtsorientierung abzielen. Und dabei ist alles möglich: ein Filmprojekt, eine Veranstaltungsreihe zu Rassismus an der Schule, eine Umfrage im eigenen Stadtteil – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Für die Umsetzung der eigenen Ideen bekommen die Schülerinnen und Schüler viel Unterstützung. Lisa Kleinevoss von der RAA Mecklenburg Vorpommern hält engen Kontakt, und einen regelmäßigen Austausch mit den anderen Projektgruppen wird es auch geben. Wir dürfen also gespannt sein.
Koordiniert wird das Projekt von der Amadeu Antonio Stiftung. Damit setzt sie die Arbeit des Praxis Netzwerkes „Living Equality“ fort, Wege der Intervention gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichekit zu erproben. Möglich gemacht hat das Projekt die Förderung des XENOS Programms und die Freudenberg Stiftung. Wer sich für das Projekt interessiert, vielleicht selbst aus Brandenburg oder Mecklenburg Vorpommern kommt und noch mitmachen möchte, sollte sich bald melden – denn noch könnt Ihr einsteigen. Mehr Informationen sind zu erhalten über die RAA Brandenburg, die RAA Mecklenburg Vorpommern oder direkt über die Amadeu Antonio Stiftung.
Von Tina Tisch
Esther Wolf , Lokale Koordination Mecklenburg Vorpommern
Telefon 0151 16883073
esther.wolf(at)raa-mv.de
Harald Podzuweit, Lokale Koordination Brandenburg
Telefon 0151 592155
h.podzuweit(at)raa-brandenburg.de
Henrike Herrmann, Amadeu Antonio Stiftung
Telefon 030 24088613
henrike.herrmann(at)amadeu-antonio-stiftung.de
Impressionen vom Workshop
Amadeu Antonio Stiftung
Linienstr. 139
10115 Berlin
Tel.: ++49 (0)30. 240 886 10
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