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Erinnern und Handeln - Dresden 13. Februar 2010, Foto: Eric Stritter

Ein großer Erfolg - doch nur ein erster Schritt


2010 ist es endlich gelungen: der jährlich stattfindende größte Neonaziaufmarsch Europas konnte verhindert werden. Jeweils 10.000 Menschen protestierten in der Dresdner Neu- und Altstadt. Das ist ein großer Erfolg. Doch das Problem ist damit noch nicht gelöst.

Sie waren viel weniger als erwartet. 6.400 Alt- und Neonazis saßen fest am Neustädter Bahnhof in Dresden. Jeweils 10.000 Menschen protestierten in Neu- und Altstadt gegen den jährlichen Neonaziaufmarsch zum Jahrestag der alliierten Bombardierung Dresdens. Das Konzept des Bündnisses "Dresden - Nazifrei" ist aufgegangen - alle möglichen Demonstrationsrouten der Neonazis waren blockiert. Die Friedensprozession in der Dresdner Altstadt unterstrich darüber hinaus, wie wichtig eine genaue inhaltliche Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit ist. Mit 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Menschenkette vom Altmarkt bis zur Synagoge wurde ein großer Erfolg erzielt. "Seit dem rassistischen Mord an der Muslimin Marwa El-Sherbini 2009 reagiert Dresden deutlich sensibler auf den starken Rechtsextremismus in der Landeshauptstadt", sagt Timo Reinfrank von der Amadeu Antonio Stiftung.

Vielfalt der Proteste

"Deutlich ist auch geworden, dass ohne den starken zivilgesellschaftlichen Protest die angestrebten Verbote der Landesregierung nichts gegen die rechtsextremen Aufmärsche hätten ausrichten können", so Reinfrank. Das eigentlich für den 13. Februar konzipierte und noch im Januar schnell verabschiedete Versammlungsgesetz in Sachsen konnte den Neonazis nichts entgegensetzen. Relevanter und notwendiger war der breite gesellschaftliche Protest. Und gerade seine Vielfalt hat es ermöglicht eine so große Zahl an Menschen auf die Straße zu bewegen, um sich gegen Neonazis zu positionieren.

Es ist noch nicht vorbei

Die Abgrenzung von denen, die offen den Holocaust relativieren oder gar leugnen, ist ein erster wichtiger Schritt. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer. Wie konnte es zum Beispiel dazu kommen, dass Neonazis sich genau an dem Bahnhof in der Dresdner Neustadt sammeln konnten, wo während des Zweiten Weltkriegs Deportationen stattfanden? Ein sensibler Umgang mit Geschichte sieht anders aus. Obendrein ist der Mythos Dresdens als reine Kulturstadt während des Dritten Reiches, die sich nichts zu schulden kommen lassen hat, noch längst nicht aus der Welt geschafft. Im März 1933 brannten auch in Dresden Bücher, die als "volksfeindlich" eingestuft wurden. Die Tagebücher Victor Klemperers zeugen vom Antisemitismus in Dresden. Aufarbeitung der Vergangenheit endet nicht mit der Abgrenzung von offen den Holocaust leugnenden Neonazis, sondern verlangt, sich mit den eigenen Verstrickungen auseinander zu setzen. Wer war während des Nationalsozialismus schon bloß Zivilistin oder Zivilist? Eine kritische Demonstration am Vorabend zum 13. Februar 2010 unterstrich, das Geschichtsrevisionismus ein weit verbreitetes Problem ist. Daraus folgt nicht, Neonazis rechts liegen zu lassen. Gegen sie massenhaft zu protestieren ist ein wichtiger aber nur ein erster Schritt. Noch bleibt viel zu tun.

Von Nora Winter


 

Dresden 2010: ein erster großer Erfolg

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