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Vollversammlung in der Uni Greifswald, Foto: Luisa Wetzel (CC)

Vollversammlung in der Uni Greifswald, Foto: Luisa Wetzel (CC)

"Wir müssen eine moralische Entscheidung treffen"


Die Initiative „Uni ohne Arndt“ setzt sich für die Umbenennung der Universität Greifswald ein. Namenspatron ist bisher Ernst Moritz Arndt – viele antisemitische und rassistische Schriften hat er verfasst. Jetzt beginnt die Urabstimmung zur Namensänderung.
 

Von Nora Winter
 
 

„Ernst Moritz Arndt bleibt ein fataler Patron“, sagt die Geschichtsstudentin Agathe Brenner. Die Universität Greifswald trägt bis heute den Namen „Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald“. Im Mai 1933 wurde Arndt auf Bescheid von Hermann Göring Namenspate der Universität Greifswald. Durch antisemitische, rassistische und völkisch nationalistische Schriften geriet er in die Kritik von Studierenden und Lehrenden. „…so ergeht das unwiderrufliche Gesetz, dass unter keinem Vorwande und mit keiner Ausnahme fremde Juden je in Deutschland aufgenommen werden dürfen, und wenn sie beweisen können, dass sie Millionenschätze bringen“, schrieb Arndt 1814 unter dem Titel „Blick aus der Zeit auf die Zeit“.
 

Mehr als 1400 Unterschriften
 

Die studentische Initiative „Uni ohne Arndt“ engagiert sich für die Umbenennung der Universität. „Ein Namenspatron sollte vor allem ein Vorbild für die Studierenden sein“, schreibt die Initiative in ihrer Broschüre zur Kampagne. Um ihre Meinung zu verdeutlichen kamen im Juni 2009 1200 Studierende zusammen und einigten sich darauf, dass die Gremien der studentischen Selbstverwaltung auf die Nennung des Namenpatrons verzichten. Ebenso beschlossen sie eine Urabstimmung über den Namen der Universität. Um eine Urabstimmung durchführen zu können, sind Unterschriften von min. 10% der Studierenden notwenig. Diese Zahl wurde bei weitem übertroffen. Mehr als 1300 Studierende gaben ihre Unterschrift. Des Weiteren sprachen sich etwa 100 Lehrende sowie Bürgerinnen und Bürger der Stadt für eine Urabstimmung aus. „Es ist toll, dass sich durch die ganze Debatte so viele Studierende und auch Bürgerinnen und Bürger mit der Frage auseinandersetzen, wofür Arndt eigentlich steht und welche Bedeutung ein Namenspatron heute noch hat“, sagt Anne Klatt, Mitglied der Initiative.
 

12.300 Studierende sind aufgerufen
 

Letztendlich entscheidet der Senat der Universität über die Umbenennung und eine Urabstimmung ist für ihn nicht bindend. Doch eine deutliche Positionierung der Studierenden kann der Senat nicht einfach ignorieren. „Uni ohne Arndt“ hofft auf eine Ablehnung des Namens von mindestens 60%. Die Abstimmung läuft noch die ganze Woche parallel zu den Wahlen der studentischen Selbstverwaltung. 12.300 Studierende sind aufgerufen sich zu beteiligen. „Wir müssen eine moralische Entscheidung treffen – auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen“, sagt Sebastian Jabbusch, Pressesprecher der Initiative. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützte die Initiative bei einer Podiumsdiskussion im Sommer und freut sich über den Erfolg bei ihrem demokratischen Engagement.
 

Antisemitischer Namenspatron - Artikel auf mut-gegen-rechte-gewalt.de
Webseite der Initiative "Uni ohne Arndt"

 

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