Für Ideologie ist es praktisch, nicht genau hinzusehen. Doch es geht um Empathie für Menschen und deren universelle Rechte. Ihre Einhaltung muss man prüfen. Messen mit zweierlei Maß ist kalt und rassistisch.
Zu den Vorteilen mancher Ideologien gehört es, dass sie einem das genaue Hinschauen ersparen. In diesem Sinne gibt es praktische und unpraktische Weltsichten. Unpraktisch sind solche, in denen Empathie für Menschen und deren Rechte universell sind: Sie verlangen zu prüfen, ob Frauen, Kinder oder Minderheiten vor Unterwerfung, Rassismus, Missbrauch, Ausbeutung oder Mord wirklich geschützt sind. Praktischer ist die Weltsicht des Antiimperialismus, wobei das Imperium immer USA heißt - und Israel natürlich. Zwar agieren auch Russland oder China imperial; Russland aber, so sagt der Antiimperialist, handele interessenorientiert, wie in Georgien, Tschetschenien oder Mittelasien. Im Kampf gegen den wahren Feind "US-Imperialismus" darf und soll man sich mit allen verbünden, ganz gleich wie reaktionär oder menschenverachtend diese Bündnispartner auch sein mögen. So erdachte es Lenin; so wird es heute durchgezogen. Antiimperialismus ist sehr populär geworden, weit über seinen linken Ursprung hinaus.
Kalt und rassistisch
Den Antiimperialisten interessiert nur seine eigene Idee, seine Projektion auf die Welt. Die Menschen, deren Rechte er oder sie zu verteidigen vorgibt, sind bestenfalls moralische Munition gegen den Feind. Verstoßen die Verbündeten dieses Antiimperialismus gegen jedes emanzipatorische Prinzip des Antiimperialisten selbst, wird das ausgeblendet. Wie gehen die Verbündeten mit "ihren eigenen Leuten" - Schwarzen, Asiaten, Türken - um? Respektieren die Partner "ihre" Minderheiten? Werden Frauen wie Menschen behandelt, Kinder vor Misshandlung geschützt? Kein Thema. Dieses Messen mit zweierlei Maß ist kalt und rassistisch.
Von Anetta Kahane, den vollständigen Artikel finden Sie in der Berliner Zeitung.