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"Ghetto ist immer woanders"

 
 
Im Märkischen Viertel

Im Märkischen Viertel

Abseits der Berlinale hatte im Februar der Film “Ghetto ist immer woanders” im Jugendhaus Fuchsbau Premiere. Er ist im Rahmen der von der Amadeu Antonio Stiftung organisierten Filmwerkstatt gegen Diskriminierung in Berlin-Reinickendorf entstanden und fragt nach der Funktion von Feindbildern in der Stadt.






“Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause, mein Block/ Meine Gedanken, mein Herz, mein Leben, meine Welt reichen vom 1. bis zum 16. Stock”, heißt es in Sidos Song “Mein Block”, der das Märkische Viertel 2006 bundesweit bekannt machte. Der Film “Ghetto ist immer woanders” beginnt mit diesen Zeilen. Sie werden nicht von Sido gerappt, sondern von Jugendlichen vorgelesen, die im Anschluss daran fragen: Ist es so, wie Sido da singt? Ist das Märkische Viertel ein Ghetto?

In Sidos Text ist das Märkische Viertel bevölkert von Männern, die im Gefängnis waren und Frauen, die sich prostituieren, alle nehmen Drogen und sind irgendwie gefährlich, irgendwie anders, irgendwie unheimlich. Das Märkische Viertel hat es in den letzten Jahren immer mal wieder in die Schlagzeilen geschafft, und wer die Berichterstattung ein bisschen verfolgt hat oder eben Sidos Texte kennt, der mag den Eindruck bekommen, man könne kaum einen Fuß in den Berliner Bezirk setzen, ohne dass einem etwas zustößt.

„Ghetto ist immer woanders“ ist das Ergebnis der Auseinandersetzung einer Gruppe Jugendlicher mit den Themen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und der Frage, wie Diskriminierungsmuster funktionieren und reproduziert werden. Diesen Fragen wird vorsichtig auch im Film nachgegangen, in dem die Jugendlichen merken, dass das Bild vom Märkischen Viertel als Ghetto nicht mit der Wahrnehmung der dort lebenden Menschen übereinstimmt. Die Aussagen der Passanten, die die Jugendlichen im Film zum Leben „in MV“ interviewen, lassen die Nachwuchsfilmemacher fragen: Wem nützt es, wenn man ein Ghetto hat? Eines der Mädchen überlegt im Film, ob die Menschen so erzogen seien, dass „immer irgendjemand Schuld hat”. Und ein anderes ergänzt, dass die Schuld immer auf diejenigen geschoben wird, die „ein bisschen anders” sind. „Der Film verweist indirekt auf Erfahrungen mit Vorurteilen und Ausgrenzung, denen Menschen ausgesetzt sind, weil sie z.B. in einem Stadtteil wohnen, der einen bestimmten Ruf über die Grenzen Berlins hinaus hat“, kommentiert Andrés Nader von der Amadeu Antonio Stiftung.

Auf der Premierenfeier des Films, bei der auch die Rockband „Notbremse“, zwei Tanzgruppen und ein Hip-Hop-Duo auftraten, ist die Stimmung unter den Jugendlichen angespannt. Viele haben ihre Eltern und Freunde mitgebracht, die Stühle im Saal des ersten Obergeschosses im Fuchsbau sind alle belegt. Nach den jeweiligen Performances wird lange applaudiert, und besonders der Film wird begeistert aufgenommen. Die Jugendlichen stürzen sich im Anschluss erleichtert auf das aufgebaute Buffet mit selbst gebackenen Kuchen und belegten Broten. Sie sind stolz auf das, was sie geschafft haben. „Das Projekt hat Spaß gemacht“, sagt Andrés Nader, „ich denke, wir werden alle weiter zusammen arbeiten.“

Projektträger waren die Amadeu Antonio Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Fuchsbau, mit dem Trapez e.V. und der Gruppe "Alle in einem Boot". Die Förderung dieses Projektes kam vom Bundesprogramm „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ durch den Lokalen Aktionsplan in Reinickendorf.

Stella Hindemith



 

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