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Engagiert für kulturelle Vielfalt in der Oberlausitz: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der "Hillerschen Villa" in Zittau (Foto: Hillersche Villa).

Die "Hillersche Villa" im Dreiländereck macht ihren Standort zum Programm


Im Begegnungszentrum in Zittau wird der generationenübergreifende Dialog gepflegt. Nicht nur dafür wurde die "Hillersche Villa" für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2009 nominiert. Jurymitglied Erhard Weimann, Staatssekretär und Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund, stellt das Engagement der "Villa" vor.



Das soziokulturelle Zentrum "Hillersche Villa" in Zittau steht seit fast 20 Jahren für gelebte demokratische Kultur in der Oberlausitz. Aus dem Widerstand gegen das SED-Regime heraus entstanden, haben sich die Vereine "Multikulturelles Zentrum" in Zittau und "Begegnungszentrum im Dreieck" in Großhennersdorf mittlerweile zu einem regional bedeutsamen soziokulturellen Zentrum entwickelt. Thomas Pilz, Geschäftsführer der Hillerschen Villa, verrät stolz, dass im Jahr rund 40.000 Besucherinnen und Besucher die Angebote nutzen: "Die Palette ist breit gefächert: Wir bieten vielfältige Musik-, Kunst- und Theaterkurse an, der Verein betreibt ein Café, sogar ein eigenes Kino." Menschen jeder Altersklasse könnten etwas Passendes für sich finden. Das heißt aber nicht, dass Ältere und Junge jeweils unter sich bleiben – der Verein bevorzugt generationsübergreifende Projekte.

Das Kulturzentrum im Dreiländereck Tschechien-Sachsen-Polen macht seinen Standort zum Programm. Hier werden im Projekt "Lanterna Futuri" (Blick in die Zukunft) in Zusammenarbeit mit zwölf Schulen in Polen, Tschechien und Deutschland zahlreiche Workshops angeboten, bei denen Jugendliche interkulturelle Kompetenzen oder Teamfähigkeit lernen und erweitern können. In sieben Bereichen, wie beispielsweise Film, Malerei oder Theater, bearbeiten die Schülerinnen und Schüler ein gemeinsam erarbeitetes Thema, das mit "Freiheit ´89" in diesem Jahr ganz unter dem 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls steht. "Die Schüler lernen sich auf diese Art und Weise in ihrer Verschiedenheit kennen, denn gerade dieses Ereignis betrifft alle drei Länder gleichermaßen, wird aber in jedem unterschiedlich wahrgenommen", erklärt Thomas Pilz.

Besonders beeindruckend für mich ist der starke Bezug zum Dreiländereck, der nicht nur in den Schulworkshops, sondern auch in Projekten zur Geschichtsaufarbeitung erkennbar ist. So bietet die Villa zum Beispiel Führungen auf jüdischen Friedhöfen und Lehrveranstaltungen an, bei denen sich Jugendliche und Erwachsene im generationenübergreifenden Dialog mit der jüdischen Geschichte in Zittau auseinandersetzen. Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ist gerade in einer Grenzregion wie der Oberlausitz von großer Bedeutung.

Thomas Pilz selbst ist seit der Vereinsgründung mit dabei. Als Oppositioneller in der DDR hat er für sich endlich die politischen, sozialen und kulturellen Aspekte gefunden, mit denen er sich zusammen mit seinen Mitstreitern identifizieren kann. Er will den Menschen zeigen, welches Potential an Engagement sie freisetzten können und wie sie damit die Gesellschaft mitgestalten können. "Das ist das Wichtigste: eine demokratische Zivilgesellschaft schaffen. Das ist ein immer währender Prozess, der immer wieder neu erlernt und gelebt werden muss."

Erhard Weimann


Der Beitrag erschien erstmals am 28.10.2009 in der Sächsischen Zeitung.

Mehr Informationen über den Sächsischen Förderpreis für Demokratie unter:
www.demokratiepreis-sachsen.de

 

Die "Hillersche Villa" im Dreiländereck

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