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Karoline Andrä und Puneh Arazm, zwei engagierte Medizinstudentinnen, die sich ehrenamtlich beim Verein Medinetz Dresden engagieren (Foto: S. Rafael)

Medizinische Versorgung ist ein Menschenrecht


Das ist das Credo des Medinetz Dresden e.V., der die medizinische Grundversorgung für illegal in Deutschland lebende Einwanderer organisiert. Für diese wichtige und mutige Arbeit wurde der Verein für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2009 nominiert. Ralf Suermann, Jurymitglied und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank, stellt das Medinetz vor.



Um einen Handyvertrag zu unterschreiben, bei der Post ein Paket abzuholen oder um in der Disko das Alter nachzuweisen, brauchen Menschen Ausweispapiere. Rund eine Million Einwanderer in Deutschland haben diese aber nicht. Sie leben in ständiger Angst vor Entdeckung und kämen nur in dringenden Notfällen auf die Idee, einen Arzt aufzusuchen. Das Risiko einer möglichen anschließenden Abschiebung erscheint bedrohlicher als ein schlecht verheilter Armbruch, anhaltende Schmerzen oder Entzündungen.

"Dabei ist eine angemessene medizinische Versorgung ein Menschenrecht", sagt Puneh Arazm. Die 25-jährige Medizinstudentin engagiert sich deshalb beim Medinetz Dresden. Zum Verein gehören rund 15 Studentinnen und Studenten, die eine medizinische Versorgung für Menschen ohne Papiere ermöglichen. Eine von Arazms Kolleginnen ist die 20-jährige Karoline Andrä. Sie appelliert an die Ethik ihres Berufsstands: "Ärztinnen und Ärzte haben eine besondere soziale Verantwortung, deshalb helfe ich hier."

Praktisch vermittelt das Medinetz Dresden die Hilfesuchenden an Ärzte und Krankenhäuser, die bereit sind, Personen ohne Papiere zu behandeln. Bei dem Aufbau des Versorgungsnetzes meldeten von 400 angeschriebenen Ärzten zunächst lediglich zwölf ihre Kooperationsbereitschaft an. "Strafbar macht sich damit niemand", sagt Puneh Arazm, "aber die Ärzte bleiben auf den Behandlungskosten sitzen". Deshalb werben die Mitglieder des Medinetz Dresden durch selbstorganisierte Veranstaltungen wie etwa Kleinkunstabende Spenden ein, um teurere Behandlungen wie etwa Geburten und Operationen zu ermöglichen.

In der Regel erfahren Betroffene durch Kontakte zu Initiativen, Flüchtlingsräten und Ausländerrat vom Medinetz. Die angehenden Ärztinnen und Ärzte vermitteln in der wöchentlichen Sprechstunde oder am Bereitschaftstelefon an einen geeigneten Facharzt. "Meist muss das sehr schnell gehen", berichtet Puneh, "oft kommen die Menschen erst, wenn es gar nicht mehr anders geht, weil sie so viel Angst haben." Wenn nötig, begleiten die Medinetz-Mitglieder die Patienten zum Arzt oder zur Hebamme.

Puneh Arazm engagiert sich seit drei Jahren für das Projekt. "Am meisten bewegen mich die Fälle, in denen wir nicht helfen können. Wenn die Menschen etwa durch die Situation psychisch so krank sind, dass sie nicht mehr in der Lage sind, Termine einzuhalten…" Sie sieht die schwierigen Situationen aber als Vorbereitung auf ihren beruflichen Alltag als Ärztin.

Oft entwickelt sich durch das Erlebte ein Engagement der Medinetz-Mitarbeiter über das rein Medizinische hinaus. "Das Bedürfnis wächst, die Gesamtbevölkerung über die Probleme der Menschen ohne Papiere aufzuklären", sagt Puneh Arazm. Diese Aufgabe hat sich das Medinetz Dresden für das kommende Jahr zusätzlich vorgenommen.

Ralf Suermann


Der Beitrag erschien erstmals am 4.11.2009 in der Sächsischen Zeitung.

Mehr Informationen über den Sächsischen Förderpreis für Demokratie unter:
www.demokratiepreis-sachsen.de




 

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