Zum ersten Mal wurde der CIVIS Medienpreis in der Kategorie „Onlinemedien“ vergeben. „Netz gegen Nazis“ konnte sich gegen 98 hochkarätige Bewerber aus 24 europäischen Staaten durchsetzen.
Auf der feierlichen Preisverleihung am 22. April in Berlin nahm Simone Rafael als Redaktionsleiterin von „Netz gegen Nazis“ den mit 5.000 Euro dotierten Preis entgegen. Strahlend erklärte sie den Anwesenden, dass sie sich darüber freue, dass mit diesem Preis nicht nur die Bedeutung der Onlinemedien im Allgemeinen anerkannt wird, sondern vor allem auch die Wichtigkeit, über Rechtsextremismus zu berichten. Dies sei auch deshalb so wichtig, weil Nazis inzwischen sehr gut begriffen hätten, das Internet für ihre Belange zu nutzen.
Weit mehr als „nur“ Informationen
„Netz gegen Nazis“ bietet ausführliche Informationen über rechtsextremismusrelevante Themen wie Erscheinungsformen, Strukturen, Symbole, Ideologien, aber auch Gegenstrategien. Darüber hinaus zeichnet es sich als interaktives Forum aus, in dem Userinnen und User Fragen stellen, sich austauschen und vernetzen können. Damit trägt die Plattform auch zu einer demokratischen Debattenkultur und einem friedlichen und gleichwertigen Zusammenleben bei. Simone Rafael als Redakteurin und Joachim Wolf als Forumsmoderator und Journalist halten in unermüdlicher und engagierter Arbeit dieses Angebot aufrecht.
Viel Lob für „Netz gegen Nazis“
Der CIVIS Medienpreis zeichnet Medienangebote aus, die sich in besonderer Weise um Integration und kulturelle Vielfalt verdient machen. Michael Radix, Geschäftsführer der CIVIS Medienstiftung, erklärte, dass bei der Entscheidungsfindung nicht nur die thematische Relevanz und die journalistische Professionalität, sondern auch die grafische Darstellung und vor allem die barrierefreie und nutzerfreundliche Anwendbarkeit und die Möglichkeit der Partizipation von besonderer Bedeutung gewesen seien. Dies alles biete „Netz gegen Nazis“ auf vorbildliche Weise. Die Kuratoriumsvorsitzende der CIVIS Medienstiftung und Intendantin des WDR, Monika Piel, erklärte weiter, der Webauftritt von „Netz gegen Nazis“ sei „momentan das Beste, was zum Thema Integration im Internet existiert."
Dringend benötigter Einsatz
Die Bedeutsamkeit der Berichterstattung über Rechtsextremismus betonte insbesondere auch die Laudatorin und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Dr. Silvana Koch-Mehrin, indem sie darauf hinwies, dass in fast allen europäischen Staaten ein Erstarken des Rechtsextremismus zu beobachten sei. Und Prof. Dr. Andreas Zick, Konfliktforscher an der Universität Bielefeld und Mitglied der Jury warnte: „Rechtsextremismus wird unterschätzt – das merkt man auch, wenn man auf die Website von Netz gegen Nazis geht. Es ist auch die gesellschaftliche Mitte, die anfällig ist.“ Mit Sorge beobachte er, dass sich Journalisten zunehmend zurückzögen und die Medien dieses Thema meiden. An Simone Rafael gerichtet stellte er darum anerkennend fest: „Frau Rafael ist dort, wo oft kein Journalismus stattfindet!“
Die Amadeu Antonio Stiftung gratuliert der Redaktion von „Netz gegen Nazis“ ganz herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung!
Von Thomas Olsen
23.04.2010