Neuer Antisemitismusbericht der Bundesregierung darf nicht folgenlos bleiben!

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Pressemitteilung

Neuer Antisemitismusbericht der Bundesregierung darf nicht folgenlos bleiben!

 

Zum neuen Antisemitismusbericht der Bundesregierung erklärt die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane:

„Wir begrüßen, dass es eine neue Bestandsaufnahme des Antisemitismus in Deutschland gibt und hoffen inständig, dass es dieses Mal eine politische Reaktion darauf geben wird. Es ist gut, dass über Antisemitismus unter Muslimen offener als früher berichtet wird. Juden sind in ihrem Alltag ständig mit Antisemitismus konfrontiert. Und sie erleben, dass die Bedrohung nicht ernst genommen wird. Dass Juden ihre Identität lieber verbergen, ist ein beschämendes Zeugnis für den Zustand unserer demokratischen Gesellschaft.“

Vorfälle wie zuletzt der medial beachtete Fall antisemitischer Übergriffe an einer Schule in Berlin-Friedenau werden noch immer als Einzelfälle abgetan. Dabei ist der Antisemitismus fest etabliert, und zwar in allen Teilen der Gesellschaft, wie regelmäßige Erhebungen zu menschenfeindlichen Einstellungen bestätigen.

Besonders seit der neuen Welle israelfeindlicher Demonstrationen im Jahr 2014 zeigt sich in Deutschland ein ungehemmter Judenhass. Wie sich diese Ideologie äußert, zeigt die Chronik antisemitischer Vorfälle der Amadeu Antonio Stiftung: Sie dokumentiert körperliche Übergriffe, antisemitische Sprechchöre auf Demonstrationen, Angriffe auf Synagogen.

Antisemitische Zuschreibungen gegen Israel als jüdischen Staat sind die moderne Form des Antisemitismus, die Rechtsextreme über muslimische Milieus bis hin zur Linken eint.

„Unter dem Mantel der Israelkritik und des Kapitalismus-Bashings werden Juden zum Opfer von Hass und Gewalt. Trotzdem bleiben breiter gesellschaftlicher Protest und eine Solidarisierung mit den Betroffenen aus“, führt Kahane aus. „Menschen werden auf offener Straße angefeindet, wenn sie sich als Juden erkennbar zeigen. Es ist höchste Zeit, dass ihre Ängste ernst genommen werden und antisemitische Übergriffe entsprechend verurteilt und geahndet werden.“

Dazu bedarf es einer Unterstützung von Anlaufstellen, die antisemitische Vorfälle registrieren und Betroffene unterstützen. „Es reicht nicht, alle paar Jahre einen Lagebericht zum Antisemitismus in Deutschland vorzulegen, der in der Praxis weitgehend folgenlos bleibt“, kritisiert Kahane. „Um wirklich effektiv gegen Antisemitismus vorzugehen, braucht es ein Bekenntnis zum Schutz von Juden. Jetzt ist es an der Politik, Tatsachen zu schaffen und die Forderungen des Antisemitismusberichtes umzusetzen. Auch die Religionsgemeinschaften müssen ihren Teil leisten, ebenso wie es die Auseinandersetzung in Wissenschaft und Bildung braucht.“

 

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