Am 11.7. findet in Gera zum siebenten Mal das NPD-Fest „Rock für Deutschland“ statt. Dieses Jahr steht es unter dem Motto „Wir für Gera! Hier bleiben – Anpacken“. Die Parteiveranstaltung ist das zweitgrößte Nazifestival nach dem „Fest der Völker“ in Thüringen. Jährlich reisen hunderte Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet an. Die Partei hat sich alle Mühe gegeben prominente Redner und Bands zu versammeln. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt die Jugendlichen, die gegen das Neonazifest protestieren.
„Das kann und darf nicht Normalzustand sein“, sagt Sebastian Müller von der Initiative Kabelbruch. Diese Gruppe Jugendlicher hat sich vorgenommen, das jährliche NPD-Festival „Rock für Deutschland“ nicht zu akzeptieren. Das Festival ist seit 2003 zur Tradition in Gera geworden. „Rock für Deutschland“ zieht mehr und mehr Sympathisantinnen und Sympathisanten der Naziszene an und rangiert schon kurz hinter dem „Fest der Völker“. Diesmal heißt das Motto „Wir für Gera! Hier bleiben – Anpacken“. „Während 2003 noch nur 200 bzw. 2004 150 Personen teilnahmen, stieg deren Zahl in 2005 auf 700 bis 750 an“, schätzt der Verfassungsschutzbericht 2008 des Landes Thüringen die Zahl der Neonazis.
Den Kameraden zum Kreuzchen bewegen
Das NPD-Fest hat insbesondere junge Anhängerinnen und Anhänger im Blick. 2009 darf die Rolle des „Festivals“ im Kontext des Landtags- und Bundestagswahlkampf für die eigene Mobilisierung der NPD nicht unterschätzt werden. Die Kameradschaftsszene soll zur Wahl bewogen werden. Entsprechend hat sich die Partei in diesem Jahr besonders Mühe gegeben, hochrangige Namen aus der Szene zu versammeln. Es werden „Die Lunikoff Verschwörung“, „Sleipnir“, „Blitzkrieg“ und „Frontalkraft“ auf der Bühne spielen. „Die Lunikoff Verschwörung“ ist die Nachfolgerin der bekannten Naziband „Landser“.
NPD und thüringische Kameradschaftsszene
Besonders wird bei diesem Festival auf die Integration der außerparteilichen Szene geachtet. Neben Udo Voigt, dem Bundesvorsitzenden der NPD, wird natürlich auch die Thüringer Parteiprominenz Frank Schwerdt, der NPD-Landesvorsitzende in Thüringen, Patrick Wieschke, Geschäftsführer der thüringischen NPD, und Peter Nürnberger, Landesgeschäftsführer und Pressesprecher der NPD, ihre Ideologie zum Besten geben. Ebenso zugesagt hat Patrick Schröder aus Bayern.
Dabei steht Schwerdt für eine lange Parteiarbeit, die außerparteiliche Strömungen im Blick hat. Obwohl auch er früher mit der NPD haderte. Er versuchte die Verbindungen zwischen NPD und den sogenannten Freien Kräften und anders organisierten Nazis zu stärken. Beispielsweise war Schwerdt, heute NPD-Landesvorsitzender in Thüringen, der Gründer der „Arbeitsgemeinschaft nationaler Sozialisten innerhalb und außerhalb der NPD“ und ebenso Gründer des „Märkischen Heimatschutzes“ in Brandenburg. Zum jetzigen Landtagswahlkampf erfährt Schwerdts Internetseite auch Werbung vom „Freien Netz – Altenburg“, ein Internetportal zur Vernetzung von außerparteilichen Nazigruppen.
Nürnberger trat auch mehrmals auf Veranstaltungen des „Freien Netz – Altenburg“ auf. Patrick Wieschke, heute Geschäftsführer der NPD in Thüringen, gründete das „Nationale und Soziale Aktionsbündnis Westthüringen“, ein Zusammenschluss der Kameradschaften Eisenach, Unstrut-Hainich, Bad Liebenstein, des „Nationalen Widerstands Schmalkalden“ und des „Anti-Antifaschistischen Komitees Eisenach“, mit. Er selbst war auch Anführer der Kameradschaft Eisenach. Heute ist Schröder Kreisvorsitzender der NPD im Kreisverband Weiden/Oberpfalz.
NPD und die „Freien Nationalen Kräfte Thüringen“ treten gemeinsam als Veranstalterinnen von „Rock für Deutschland“ auf. Die thüringische NPD ist ursprünglich aus der Kameradschaftsszene entstanden. Das ehemalige Kameradschaftsmitglied Gordon Richter ist heute Kreisvorsitzender der NPD in Gera. Bei den Kommunalwahlen im Juni bekam die NPD 3,4% der Stimmen und 2 Sitze im Geraer Stadtrat, die Gordon Richter und Frank Jahn einnehmen.
Das Fest verhageln
„Im Sommer finden in Thüringen fast jeden Monat derartige Großveranstaltungen von Neonazis statt“, erklärt Timo Reinfrank, von der Amadeu Antonio Stiftung. „An Gera ist beispielhaft zu erkennen, wie fest Neonazistrukturen in Thüringen sind“, so Reinfrank. 2009 wird die Zahl von rund 750 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wohl um einiges übertroffen werden. „So zog die angekündigte Rechtsrockband ‚die Lunikoff Verschwörung’ beispielsweise 2005 über 2000 Anhängerinnen und Anhänger nach Pößneck“, sagt Anna Schneider, Pressesprecherin der Antifaschistischen Aktion Gera, die sich auch an den Gegenveranstaltungen beteiligt.
Treffpunkt ist am 11.7. um 10 Uhr auf der Veranstaltungsfläche vor dem Kultur- und Kongresszentrum in Gera, wo es eine Auftaktkundgebung und das „bunte Büffet“, organisiert vom Runden Tisch der Stadt Gera, geben wird. In der Trinitatiskirche in der Talstraße findet zeitgleich ein Friedensgebet statt. Um 12 Uhr startet dann eine Demonstration, zu der verschiedene Gruppen aufrufen.
Nora Winter