Peerleader der RAA Sachsen überlegen neue Projekte (Foto: RAA Sachsen)
Gelebte Demokratie - was heißt das eigentlich? Das Projekt "Peer Leadership", das der RAA Sachsen e.V. in mehreren Schulen anbietet, beschäftigt sich mit dieser Frage und bildet Jugendliche zu Demokratie-Coaches aus. Dafür wurde es für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie nominiert. Jurymitglied und Schauspielerin Jennifer Ulrich ("Die Welle") stellt das Projekt vor.
Für viele Schülerinnen und Schüler ist "Demokratie" oft erst einmal eine ziemlich abstrakte Sache. Was kann das heißen, sich "für Demokratie" zu engagieren? Die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Sachsen e.V. arbeiten seit 2002 mit einem Konzept, das Jugendlichen hilft, sich für ihre eigenen Interessen und die von Minderheiten einzusetzen. Es heißt "Peer Leadership Training" und fußt auf der Idee, dass Jugendliche sich lieber von anderen Jugendlichen, den "Peer Leadern", als von Erwachsenen überzeugen lassen. Deshalb geht es darum, engagierte Teenager fit zu machen, um ihre Klassenkameraden für demokratische Vielfalt zu begeistern.
Für den aktuellen Peer Leader-Jahrgang in Dresden heißt das konkret, dass an einem Gymnasium die Peer Leader mit allen achten Klassen ein "Kooperationsspiel" organisiert haben. Weil sich keine der Aufgaben alleine lösen lässt, wird Teamwork gefördert und Zusammenhalt erlebt. An einer Mittelschule sahen die Teilnehmenden mangelnde Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern – und begegneten ihr mit einem Schulfaschingsfest für alle. An einer weiteren Mittelschule initiierten die Peer Leader eine schulweite Diskussion über die Schulhofgestaltung – mit dem Ergebnis, dass im nächsten Frühjahr die Bagger rollen sollen, um den jetzigen Betonplatz in einen Sport- und Erholungsraum zu verwandeln.
"Das sind Aktionen, mit denen die Schüler große Aufmerksamkeit bei den Mitschülern erregen", sagt Andrea Büttner, die das Peer Leadership Training der RAA Sachsen leitet. "Die merken: Da engagieren sich welche und das hat Vorteile für uns alle." Eine gute Voraussetzung für die inhaltliche Arbeit, die folgt. Die Jugendlichen werden zweieinhalb Jahre lang begleitet und lernen in Workshops Methoden zur Mitbestimmung und Konfliktlösung, aber auch viel über Themen wie Rechtsextremismus und interkulturelle Kompetenz.
"Peer Leadership" ist ein Projekt, in dem Schüler selbst die Initiative ergreifen. Jugendliche wissen immer noch am besten, wofür sich Menschen ihrer Altersgruppe interessieren und wie sie zum Nachdenken gebracht werden können. Aktuell wird das Training in Dresden an einem Gymnasium und zwei Mittelschulen angeboten. Erstmals können diesmal bereits 12- statt bisher 16-Jährige teilnehmen. "Gerade in den Mittelschulen fehlt es sonst an Zeit, die Früchte der Arbeit zu ernten", sagt Andrea Büttner. Die Schulen sind begeistert, wenn von den Peer Leadern schwierige Themen wie Rechtsextremsimus bearbeitet werden. Am meisten profitieren aber die Schüler, so Büttner: "Die haben so viele Ideen, wenn sie erst einmal entdeckt haben, was sie alles bewegen können". Ein wirklich sinnvolles, fördernswertes Projekt, das nicht nach einer Woche aus den Köpfen verschwunden ist, sondern nachhaltig wirkt.
Jennifer Ulrich
Der Beitrag erschien erstmals am 2.11.2009 in der Sächsischen Zeitung.
Mehr Informationen über den Sächsischen Förderpreis für Demokratie unter:
www.demokratiepreis-sachsen.de