Wolfgang Thierse gegen Nazis
Am 1. Mai 2010 stellten sich 10.000 Gegendemonstrantrierende den Neonazis in den Weg. Auch Bundestagsvizepräsident und Schirmherr der Amadeu Antonio Stiftung Wolfgang Thierse setzte sich auf die Straße.
"Ich bin dafür, dass man seinen Protest zeigt", hatte Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und Schirmherr der Amadeu Antonio Stiftung vor der Neonazidemonstration am 1. Mai im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg gesagt. Dies machte er wahr, genauso wie 10.000 andere Demonstrantinnen und Demonstranten, die sich den 600 Neonazis in den Weg stellten.
Früh aufstehen
Schon ganz früh ging es los. Blockadepunkte wurden anvisiert. Doch der Bezirk war von den 7.000 Polizistinnen und Polizisten vollständig abgeriegelt. "Die Gegendemonstranten kommen ja noch nicht einmal in die Nähe," bemerkte Thierse. So versuchten immer wieder Gruppen von mehreren hundert Personen auf die geplante Demoroute der Neonazis zu kommen. An vielen Punkten wurden sie für ihre Hartnäckigkeit auch belohnt. 10.000 Menschen können eben nicht einfach so fern gehalten werden. Doch wo waren nun die Neonazis? Ihr Anreise verzögerte sich und so wurden es nur langsam mehr. Bis langsam auf 600 Personen anwuchsen, die sich am S-Bahnhof Bornholmer Straße sammelten. Ca. 260 von ihnen hatten versucht schon am Ku'Damm zu demonstrieren, wurden aber festgenommen. Mit drei Stunden Verzögerung liefen sie dann aber doch noch los, was Enttäuschung bei den vielen Gegendemonstrierenden hervorrief.
Verzögerung
Blockaden gab es viele - doch eben nicht am Anfang der geplanten Neonaziroute. Allerdings man hatte nicht mit Berliner Prominenten gerechnet: Wolfgang Thierse, Wolfgang Wieland von den GRÜNEN, der Bezirksbürgermeister von Pankow Matthias Köhne und der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening und andere haben vor dem Neonazizug lange Interviews gegeben und für die Presse posiert. Und sich dann einfach hingesetzt. "Wehe du setzt dich auf die Straße, dann geht's aber rund." hatte Innensenator Erhart Körting noch zu Thierse gesagt. Doch nach einigen Minuten wurden auch sie von der Polizei geräumt. Sanft, versteht sich.
Krach machen
Und so liefen sie doch noch. Aber nur ca. 800 Meter. Diese waren gesäumt von vielen Transparenten die Anwohnerinnen und Anwohner aus ihren Fenstern hingen. Dazu spielten sie laute Musik oder trommelten auf Töpfen und allem, was sich in einem Haushalt so finden lässt, um Krach zu machen. Dann erklärte die Polizei, dass sie die Sicherheit der Neonazis bei so vielen Gegendemonstrierenden nicht gewährleisten könne und schickte sie wieder nach Hause. 17.30 Uhr saßen sie wieder in S-Bahnen und Regionalzügen. Alles in allem war es nicht die Revanche, die sich die Neonazis für Dresden 2010 erhofft hatten. Auch die Zahlen, die im Vorfeld kursierten - man spekulierte über 3.000 - haben sich nicht erfüllt. Vielmehr haben es tausende Engagierte mit prominenter Unterstützung, untermalt durch Musik und Transparente von Anwohnerinnen und Anwohnern geschafft, den Neonaziaufzug als kläglich darzustellen.
Von Nora Winter
Stellungnahme der Amadeu Antonio Stiftung zu den Vorwürfen gegen Wolfgang Thierse (PDF-Dokument, 78.7 KB)
Impressionen aus dem Prenzlauer Berg