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Spieler des Vereins "Roter Stern Leipzig" jubeln (Foto: Roter Stern Leipzig e.V.)

Lust auf Sport und keinen Bock auf Diskriminierung


Der "Rote Stern Leipzig" ist kein gewöhnlicher Fußballverein. Seine Mitglieder setzen sich gegen Diskriminierung auf dem Spielfeld und außerhalb ein. Dafür wurde der Rote Stern für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie nominiert. Sebastian Krumbiegel, Jurymitglied und "Prinzen"-Sänger, weiß mehr.





"Wir hatten keinen Bock mehr auf diese Diskriminierung", erzählt Adam Bednarsky, wenn er an seine frühere Zeit in diversen Fußballvereinen zurückdenkt. Der Leipziger wollte in der Freizeit eigentlich nur Sport treiben – ohne sich jeden Tag rassistische, frauenfeindliche oder homophobe Sprüche anhören zu müssen. Gar nicht so einfach, denn Diskriminierung ist im Fußballsport, insbesondere in den unteren Ligen, leider immer noch weit verbreitet und wird mancherorts gar als "normal" betrachtet. Und wer sich offen dagegen ausspricht, gilt am Ende als Spielverderber.

Damit wollten sich Bednarsky und einige seiner Freunde nicht mehr abfinden. 1999 gründeten sie den Fußballverein "Roter Stern Leipzig" – und der unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von herkömmlichen Clubs: Es gibt sowohl Männer- als auch Frauenteams, einmal pro Woche wird in gemischten Teams gespielt, rassistische, sexistische und schwulenfeindliche Sprüche werden nicht toleriert und Entscheidungen trifft der Verein nach dem Konsensprinzip. Hierarchische Strukturen? Fehlanzeige.

Ziemlich ungewöhnlich, oder? "Naja", sagt Adam Bednarsky, "in gewisser Weise natürlich schon. Aber wir kommen alle aus dem linksalternativen Spektrum, daher haben wir gesagt: Wenn wir uns schon engagieren, dann bitte mit flachen Hierarchien." So treffen sich alle Mitstreiter jeden Donnerstag, um aktuelle Themen zu diskutieren: Wie zum Beispiel umgehen mit sexistischen Äußerungen mancher männlicher Kollegen? Oder welche Vorbereitungen sind noch für die Teilnahme an der Mondiali Antirazzisti zu treffen?

Die Prinzipien, für die der "Rote Stern" steht, werden im Trainingsbetrieb rigoros umgesetzt. Besonders im Jugendtraining, so Bednarsky, müsse man Augen und vor allem Ohren stets offen halten, damit Diskriminierung keine Chance hat: "Gerade 12- oder 13-Jährige bringen häufig Schmähungen mit aufs Spielfeld. Da stellen wir als Trainer klar, dass bei uns Äußerungen wie 'Nigger' keinen Platz haben".

Der "Rote Stern" sieht sich nicht ausschließlich als Sportverein, sondern engagiert sich auch im kulturellen Bereich. Außerdem bestehen zahlreiche Kontakte zu Schulen und Jugendclubs im ländlichen Raum. Beeindruckend zum Beispiel, wie Bednarsky und seine Mitstreiter Turniere in Oschatz und im Muldentalkreis organisiert haben und in Colditz, wo die Stadt ein geplantes antirassistisches Fußballturnier untersagt hatte, die Leute vor Ort unterstützten.

Dass dieses Engagement durchaus gefährlich sein kann, hat der Nazi-Überfall vom 24. Oktober gezeigt: Während eines Auswärtsspiels beim FSV Brandis griffen ca. 50 Rechtsextreme Spieler, Verantwortliche und Fans des Roten Stern an; mehrere Personen wurden teils schwer verletzt. Umso wichtiger, dass der Verein durch die Nominierung für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie breite Unterstützung erhält!

Sebastian Krumbiegel


Der Artikel erschien erstmals in der Sächsischen Zeitung.

Mehr Informationen über den Sächsischen Förderpreis für Demokratie unter:
www.demokratiepreis-sachsen.de


 

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