Am 9. November 2011 wird der Sächsische Förderpreis für Demokratie zum nunmehr fünften Mal verliehen. Ausgeschrieben wird der Preis von der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung und der Sebastian Cobler Stiftung. Eine Bewerbung ist bis zum 16. September möglich.
Dazu erklärt Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung: „Die rassistisch motivierten Morde an Kamal Kilade im vergangenen Oktober und an Marwa El-Sherbini im Juli 2009 verdeutlichen das erschreckende Maß rassistischer Gewalt in Sachsen. Es ist dringend erforderlich, sich aktiv gegen Rassismus und Neonazis einzusetzen und die Zivilgesellschaft und demokratische Kultur in Sachsen zu stärken. Mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie möchten wir diejenigen würdigen und unterstützen, die dies Tag für Tag leisten.“
Demokratie braucht Vertrauen
Die Unterzeichnung einer „Demokratieerklärung“, wie sie seit vergangenem Jahr von der sächsischen Landesregierung gefordert wird, wird aufgrund von Veränderungen innerhalb des Veranstalterkreises nicht mehr nötig sein. „Die sogenannte Demokratieerklärung ist ein Misstrauensbeweis gegenüber zivilgesellschaftlich Engagierten und schwächt das gemeinsame Engagement gegen Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit. Die auslobenden Stiftungen sind sich einig, dass die zivilgesellschaftlich engagierten Organisationen nicht zu Erklärungen gezwungen werden dürfen, die sie zum Ausspähen ihrer Kooperationspartner verpflichten“, sagt Dorothee Freudenberg, Kuratoriumsmitglied der Freudenberg Stiftung. Erstmals ist neben der Amadeu Antonio Stiftung und der Freudenberg Stiftung die im Bereich der Bürgerrechte tätige Sebastian Cobler Stiftung am Sächsischen Förderpreis beteiligt. „Wir freuen uns, dass unser Beitrag dazu dient, den Preis weiterhin frei vergeben zu können. Eine ‚Demokratieerklärung’ halte ich für schädlich und kontraproduktiv. Sie entbehrt auch nicht einer gewissen Lächerlichkeit“, erklärt Helga Dierichs, Stifterin und stellvertretende Vorsitzende der Sebastian Cobler Stiftung.
Zur Bewerbung aufgefordert sind Vereine, Schulen, Kommunen, Bündnisse und Initiativen, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus oder Rechtsextremismus und für Menschenrechte und eine Stärkung der demokratischen Kultur einsetzen. Eine Jury mit Vertretern der auslobenden Stiftungen und weiteren Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Medien und Wissenschaft wird die Einsendungen sichten und aus allen Bewerbungen zehn Projekte ermitteln, die mit zwei Hauptpreisen in Höhe von jeweils 5.000 Euro und acht Anerkennungspreisen in Höhe von jeweils 1.000 Euro ausgezeichnet werden.
Die Bewerbungen sind bis zum 16. September einzureichen an:
Amadeu Antonio Stiftung
Stichwort: Förderpreis
Linienstr. 139
10115 Berlin
Kontakt:
André Koch-Engelmann, Amadeu Antonio Stiftung
Tel.: 030-24 08 86 10
andre.koch@amadeu-antonio-stiftung.de
Informationen im Internet: www.demokratiepreis-sachsen.de
Die den Preis auslobenden Stiftungen sind:
Amadeu Antonio Stiftung
Seit ihrer Gründung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Hierfür unterstützt sie lokale Initiativen und Projekte in den Bereichen Jugend und Schule, Opferschutz und Opferhilfe, alternative Jugendkultur und Kommunale Netzwerke. Wichtigste Aufgabe der Stiftung ist es, die Projekte über eine finanzielle Unterstützung hinaus zu ermutigen, ihre Eigeninitiative vor Ort zu stärken und sie zu vernetzen.
Freudenberg Stiftung
Die Freudenberg Stiftung wurde 1984 gegründet. Mitglieder der Familie Freudenberg übertrugen Vermögensanteile an der ausschließlich in Familienbesitz befindlichen Firma Freudenberg auf eine gemeinnützige Stiftung. Ihre Erträge werden satzungsgemäß zur Förderung von Wissenschaft, Erziehung und Bildung sowie zur Stärkung des friedlichen Zusammenlebens in der Gesellschaft eingesetzt. Sie vergibt jährlich 2,2 Millionen Euro. Die Schwerpunkte der Stiftungsarbeit sind Integrationsgesellschaft, Übergang zwischen Schule und Beruf, Demokratische Kultur in Schule und Gemeinde, die Entwicklung lokaler Modelle in ausgewählten Orten und Stadtteilen mit dem Programm ein Quadratkilometer Bildung sowie Arbeit für psychisch kranke Menschen.
Sebastian Cobler Stiftung
Die nach dem Strafverteidiger und Publizisten Dr. Sebastian Cobler benannte Stiftung sieht ihre wichtigste Aufgabe darin, die im Grundgesetz sowie in der Europäischen Verfassung und der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerten Bürgerrechte zu verteidigen und durchzusetzen. Eine der wichtigsten damit verbundenen Aufgaben ist die Verpflichtung, das Recht aller Bürgerinnen und Bürger, selbst über die Verwendung der eigenen Daten zu entscheiden, gegen alle Bestrebungen einer tendenziell grenzenlosen Verarbeitung ihrer Daten zu verteidigen. Seit ihrer Gründung 2005 setzt die Stiftung sich für politisch, rassisch, religiös Verfolgte, Flüchtlinge und Behinderte ein. Die Stiftung fördert Initiativen und Projekte, die sich im Sinne einer demokratischen Zivilgesellschaft für Toleranz, Bildung, interkulturelle Verständigung und Gewaltprävention engagieren. Die Stiftung arbeitet überregional und möchte mit der Unterstützung des Sächsischen Förderpreises für Demokratie die Entwicklung einer demokratischen Kultur in Sachsen fördern und die Bürgerinnen und Bürger zu mehr Zivilcourage ermutigen.