Ise Bosch, Dreilinden gGmbH
„Wir alle sind gegen rechte Gewalt - die Amadeu Antonio Stiftung fördert diejenigen, die etwas dagegen tun, an vielen Orten und mit langem Atem. Sie geht dabei keine vorschnellen Kompromisse ein.“
Björn Harras, Schauspieler
„In den Medien hört man täglich, wie Menschen Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung werden. Weil Ermutigung und Aufklärung die besten Mittel gegen Intoleranz sind, unterstütze ich die Amadeu Antonio Stiftung.“
Peter Maffay, Musiker
„Es herrscht noch immer zu viel Unkenntnis gegenüber anderen Kulturen, aus der Feindseligkeit entsteht. Wir müssen lernen, über diesen Tellerrand hinaus zu sehen und kapieren, dass wir voneinander abhängig sind."
Cem Özdemir, Gründungskurator der Amadeu Antonio Stiftung
„Menschen, die gegen Rechts-extremismus, Rassismus und Antisemitismus angehen, stärken unsere demokratische Zivilgesell-schaft. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt sie und leistet damit wertvolle Arbeit."

Das gerade erschienene Handbuch "Schools for Society: Learning Democracy in Europe" bietet Stiftungen und Akteuren aus der Zivilgesellschaft einen umfassenden Einblick in die vielfältige Landschaft der Demokratiebildung an europäischen Schulen.
Das englischsprachige Handbuch von Susanne Frank und Ted Huddleston richtet sich an europäische Stiftungen, Akteure der Zivilgesellschaft und Multiplikatoren im Schulumfeld. Ziel des Buches ist es, theoretische Ansätze und praktische Umsetzungsmöglichkeiten im Bereich der Demokratiebildung zu erweitern, neue Ideen vorzustellen und die europaweite Vernetzung entsprechender Projekte voranzubringen. "Demokratieentwicklung fällt nicht vom Himmel", heißt es in Dr. Pia Gerbers Vorwort der neuen, vom Alliance Publishing Trust, dem Network of European Foundations (NEF) und der Initiative for Learning Democracy in Europe (ILDE) herausgegebenen Publikation, die in Zusammenarbeit mit dem Europarat entstand. "Sie muss gelernt und in sie muss ständig investiert werden", so Gerber. Diese Verantwortung könne nicht ausschließlich auf den Schultern von Lehrkräften und Schuldirektoren abgeladen werden. Hinzu kommt die große Diskrepanz zwischen politischen Absichterklärungen nationaler Regierungen und europäischer Institutionen auf der einen und praktischer Demokratiearbeit in Schulen auf der anderen Seite. Wie in anderen Bereichen wird auch hier von offizieller Seite viel Neues angekündigt, was dann häufig in der Praxis nur unzureichend umgesetzt wird.
An dieser Stelle kommen die Stiftungen ins Spiel: Ihnen kommt die wichtige Aufgabe zu, ihr Know-how und ihre Unterstützung zur Verfügung zu stellen, damit Schulen und Kindergärten Orte werden, an denen Demokratie praktisch vermittelt wird. Denn wo, wenn nicht dort, können junge Menschen am besten die Werte der Demokratie lernen? Die Frage ist nur, wie diese Werte im Einzelnen vermittelt werden, und darauf gibt es innerhalb Europas viele unterschiedliche Antworten.
Demokratische Republik Schule
Der praktische Teil des Buches "Schools for Society" gibt einen spannenden und anregenden Einblick in Demokratieprojekte an Schulen zahlreicher europäischer Länder. Da ist zum Beispiel das Spoleczne-Gymnasium nr 20 in Warschau, das in Zusammenarbeit mit der Evens Foundation ein Projekt entwickelt hat, mit dessen Hilfe die Schule in eine "demokratische Republik" verwandelt wird: Alle Beteiligten, also Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Mitarbeiter, sind gleichberechtigte Bürger dieser Republik. Jährlich finden Wahlen zur neuen Schulregierung statt, werden ein neuer Premierminister und ein Parlament gewählt. Die Regierung versucht, die Interessen aller zu repräsentieren. Gelebte Demokratie im Schulalltag statt einer kurzen Abhandlung der Frage: "Wie fülle ich den Wahlzettel richtig aus?" im Sozialkundeunterricht – für diesen äußerst praktischen Ansatz gewann die Schule sogar einen Preis.
Auch im Bereich der Integrationsarbeit gibt es effektive Ansätze, die nachahmenswert sind. Damit Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund nicht auf der Strecke bleiben, haben sich zwei Berufsschulen in Genua mit der Fondazione per la Scuola della Compagnia di San Paolo zusammengetan. Das Projekt, das in Italien unter dem Namen OASI (Orientamento Assistito Studenti Immigrati) bekannt ist, unterstützt mit Hilfe der "Peer-Tutoring-Methode" Schüler mit Migrationshintergrund bei der Bewältigung des oft schwierigen Schulalltags und verhindert, dass sie die Schule aufgrund von Sprach- und Integrationsproblemen vorzeitig abbrechen.
Das Handbuch stellt auch einige interessante Projekte aus Deutschland vor. Mit dem Thema Kinderrechte beschäftigte sich beispielsweise ein Projekt, das unter Anleitung der Amadeu Antonio Stiftung an der Löwenzahn-Grundschule im Berliner Stadtteil Neukölln durchgeführt wurde. Anhand der Kinderrechtskonvention überlegten Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam, wie die konkreten Interessen und Belange der Kinder in den Schulregeln einen angemessenen Platz finden können.
Schule als stadtübergreifender Multiplikator
Abgesehen von weiteren Umsetzungsbeispielen aus Frankreich, Großbritannien, Finnland und zahlreichen anderen Ländern bietet "Schools for Society" einen Theorieteil mit wissenschaftlichen und politischen Perspektiven auf die wichtigsten Herausforderungen für Demokratie im heutigen Europa und entsprechenden Schlussfolgerungen für das Feld der Demokratiebildung. Zudem wird der spannenden Frage nachgegangen, inwiefern Schule mit ihren Projekten auch Vorbildfunktion für die Kommune haben und als stadtübergreifender Multiplikator agieren kann.
Jan Schwab
Susanne Frank / Ted Huddleston (2009): "Schools for Society: Learning Democracy in Europe. A handbook of ideas for action", Alliance Publishing Trust, London. ISBN 978 0 9558804 2 1
Link zum Kinderrechteprojekt der Amadeu Antonio Stiftung:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/die-stiftung-aktiv/kinder-und-menschenrechte
Das Handbuch zum Download:
www.nefic.org/docs/projects/ilde%20handbook.pdf (PDF-Dokument)
Amadeu Antonio Stiftung
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