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Preiswürdig: Die Schülerinitiative gegen die NPD und andere Nazis. (Foto: PR)

Eine Schulhof-CD der anderen Art – für Demokratie und gegen Nazis


Drei Schüler starten mit ihrer CD "18 Songs gegen die NPD und andere Nazis" eine Gegenoffensive an Schulen in ganz Sachsen. Ihr mutiges Engagement wurde jetzt für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie nominiert. Jurymitglied und "Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel stellt die Initiative vor.



In Dresden haben sich drei Schüler zusammengefunden, die sich noch gut an die rechten Sprüche und Taten ihrer Altersgenossen erinnern können. Mit ihrer eigens produzierten CD "18 Songs gegen die NPD und andere Nazis" starten sie jetzt eine Gegenoffensive an Schulen in ganz Sachsen.

"Dass Neonazis und deren menschenverachtende Ideologie immer mehr in die Mitte der Gesellschaft vorrücken, ging uns ziemlich gegen den Strich", erklärt Pierre Gehrmann. Der ehemalige Schüler der Europäischen Wirtschafts- und Sprachenakademie (EWS) in Dresden hat deshalb gemeinsam mit zwei Mitschülern spontan die Initiative "Gegen die NPD und andere Nazis" ins Leben gerufen. Den Anfang machte ein Benefizkonzert im Club "Tante JU" Ende 2008 in Dresden, das die drei Schüler in Zusammenarbeit mit der Initiative "Kein Bock auf Nazis" organisierten.

Aber bei einem einzigen Konzert wollten es die jungen Wahl-Dresdner nicht belassen, sondern unbedingt noch mehr Leute für ihr Anliegen begeistern. So entstand schließlich die Idee, eine CD als Gegenentwurf zur rechtsextremen "Schulhof-CD" zu produzieren: mit vielen bunten Songs. Die Bands kommen größtenteils aus der Region in und um Dresden – der prominenteste Beitrag stammt von niemand Geringerem als Bela B. von den "Ärzten". 10.000 Exemplare werden derzeit kostenlos an Schulen in ganz Sachsen geliefert. Den Schülern ist es wichtig, dass ihr musikalisches und politisches Anliegen vor allem auch in ländlichen Regionen Gehör findet, wo Rechtsextremismus weiter verbreitet ist als in den Großstädten.

Pierre Gehrmann und seine Mitstreiter schätzen das weltoffene Klima an ihrer Schule. Leute mit Migrationshintergrund werden hier nicht ausgegrenzt. Das Anti-Nazi-Projekt fand zwar in dieser Großstadtschule seinen Anfang, die Initiatoren jedoch stammen ursprünglich alle aus kleinstädtisch und ländlich geprägten Regionen. Im Gegensatz zu den durchweg positiven Erlebnissen an einer international ausgerichteten Akademie wurden die drei jungen Leute in ihren Heimatorten häufig mit rechtsextremen Einstellungen konfrontiert. "Wir wollten deshalb unbedingt aktiv werden", sagt Pierre Gehrmann, der jetzt eine Ausbildung zum Eventmanager macht.

Mit viel Eigeninitiative und unterstützt durch den DGB, das Netzwerk für Demokratie und Courage und diverse Jugendclubs haben die drei Schüler für eine sachsenweite Verteilung ihrer musikalischen Botschaft gesorgt. Doch eine bloße Verteilaktion wäre den Initiatoren zu wenig. Daher bieten sie Aufklärungsprojekte im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts an und informieren die Schüler über rechtsextreme Codes und Symbole oder versuchen ihnen klarzumachen, warum es wichtig ist, zur Wahl zu gehen. Weil der Handlungsbedarf so groß ist, wollen die engagierten Schüler unbedingt weitermachen. Für Ende 2009 und Mitte 2010 sind zwei weitere Konzerte in Sachsen geplant. Ich wünsche dem Vorhaben viel Erfolg.

Sebastian Krumbiegel


Der Beitrag erschien erstmals am 26.10.2009 in der Sächsischen Zeitung. 

Mehr Informationen über den Sächsischen Förderpreis für Demokratie unter:
www.demokratiepreis-sachsen.de



 

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