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Instrumentalisierung von sexuellem Missbrauch verhindern


Anhänger von DVU und NPD haben im vergangenen Jahr in Brandenburg das Thema sexueller Missbrauch in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes gestellt. Mit einer Demonstration zogen sie medienwirksam durch Joachimsthal, dem Wohnort eines aus der Haft entlassenen Sexualstraftäters. Die Amadeu Antonio Stiftung legt aus diesem Anlass die Broschüre „Was Sie über sexuellen Missbrauch wissen sollten – Gedenkanstöße für einen wirksamen Kinderschutz jenseits polemischer Scheinlösungen“ vor.


Seit Anfang 2008 hat sich die Situation in Joachimsthal, einem kleinen verträumten Dorf in der Schorfheide, schlagartig verändert. Damals war ein verurteilter Sexualstraftäter zugezogen. Eine zuvor angeordnete nachträgliche Sicherheitsverwahrung scheiterte an juristischen Hürden. Der Fall erregte bundesweit Aufsehen. Auch die Anhänger von DVU und NPD nutzten das mediale Interesse.

Anhänger von DVU und NPD finden ihr Wahlkampfthema in Joachimsthal

Im August 2009 wurde nun auch die angeordnete polizeilichen Rund-um-die-Uhr Bewachung des Mannes aufgehoben. Erneut traten DVU und NPD in Erscheinung. Das Thema wurde zum Aufhänger ihres brandenburgischen Landtagswahlkampfes. Bei einer Demonstration durch den Ort forderten sie die „Todesstrafe für Kinderschänder“ und skandierten Parolen wie „Ein Stock, ein Stein, schlagt Werner K. den Schädel ein“. Der Erfolg ihrer Kampagne lässt sich nicht zuletzt an der Akzeptanz, auf der sie bei Teilen der Bevölkerung stießen und der zum Teil unkritischen Übernahme dieser Parolen in den Medien erkennen.

Lokale Akteure fühlten sich nicht gut informiert

Das Problem: die lokalen Akteure waren von der Situation zunächst überrascht. Erfahrungen aus ähnlich gelagerten Fällen zeigen, dass ein zögerliches Vorgehen die Wirkung der rechten Parolen verstärkt. Das Aufgreifen dieses emotionalen Themas ist Teil der „Normalisierungsstrategie“ der Rechtsextremen. Dabei bieten diese nur scheinbar Lösungen. Es geht ihnen nicht um den Schutz von Kindern, vielmehr ist es ihr erklärtes Ziel, die berechtigten Ängste zur Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie zu benutzen.

Informationsbroschüre zur Aufklärung

Die Amadeu Antonio Stiftung möchte die Hintergründe vor Ort beleuchten und über sexuellen Missbrauch, aber auch über die Instrumentalisierungsstrategien der Neonazis aufklären. Die Broschüre „Was Sie über sexuellen Missbrauch wissen sollten – Gedenkanstöße für einen wirksamen Kinderschutz jenseits polemischer Scheinlösungen“ wird in einer Auflage im ganzen Landkreis Barnim verteilt. Maßgeblich sind in die Broschüre bereits Erfahrungen von Shukura - Fachzentrum für Prävention sexuellen Missbrauchs und Kinderschutz eingeflossen, die bereits mit einem ähnlichen Informationsangebot zusammen mit dem Kulturbüro Sachsen in Leipzig arbeitet. Im Geleitwort zur Broschüre richtet der Barnimer Landrat Bodo Ihrke direkte Worte an die Anwohner: „Die Gesellschaft, wir alle, müssen uns mit den Opfern und ihren Angehörigen solidarisieren, schnell und sichtbar mit einer Stimme die Tat verurteilen und die Instrumentalisierung durch die rechtsextreme Szene verhindern.“

Regionale Initiativen

Finanziert wurde die Broschüre vom Lokalen Aktionsplan Barnim. „Uns war es wichtig, dass deutlich wird, dass lokale Initiativen vor Ort die Ängste der Menschen ernst nehmen und das Feld nicht den Neonazis überlassen“, so Elisabeth Schönrock, Koordinatoren des Lokalen Aktionsplan Barnims. Die Publikation wird an Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen, zivilgesellschaftliche Akteure und politisch Entscheidungsträger in der Region versandt. Erfolgversprechende Projekte, die zur Prävention beitragen, werden darin ebenfalls vorgestellt. So stehen die „Kinderrechte in der Kommune“ im Mittelpunkt einer gemeinsamen Initiative der Bürgerstiftung Barnim Uckermark und der Amadeu Antonio Stiftung. Das Puppenspiel und Präventionsprogramm „SpielGrenze – Training für starke Mädchen und starke Jungen“ ist ein Projekt des Dreist e.V. in Eberswalde erfolgreich umsetzt.

Von Christian Spiegelberg
 
 
 

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