Das von der deutschen Legion Condor zerstörte Guernica, Deutsches Bundesarchiv
Am 7. September findet eine von der Amadeu Antonio Stiftung unterstützte Tagung unter dem Titel „Spanische Deportierte in NS-Lagern. Geschichte und Erinnerung“ statt.
„Wie sieht eine europäische Erinnerungskultur aus?“, fragt Andrés Nader von der Amadeu Antonio Stiftung. Unter dem Titel „Spanische Deportierte in NS-Lagern. Geschichte und Erinnerung“ versucht sich eine Tagung am 7. und 8. September 2010 einer Antwort zu nähern. In einem breiten Programm werden die deutsch-spanischen Beziehungen während des Nationalsozialismus, die Deportation von oppositionellen Spaniern in deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager sowie mit aktuellem Bezug die neonazistische Strukturen im heutigen Spanien erläutert. Prof. Dr. Walter L. Bernecker eröffnet die Tagung mit einem Vortrag über Spanien und Deutschland in der Zeit de Nationalsozialismus. Bei einem Festvortrag am Abend spricht Prof. Dr. Faulenbach über „Erinnerungskulturen in Europa heute“.
Flucht nach Südfrankreich
Nach den vier Jahren des blutigen spanischen Bürgerkrieges überquerten hunderttausende Spanier auf der Flucht vor dem Faschismus die Grenze zu Frankreich. Denn 1939 setzten sich die faschistischen Putschisten unter Franco gegen die republikanischen und anarchistischen Gruppen durch. In diesem Jahr gab es mehrere hunderttausend Menschen, die in Südfrankreich Zuflucht suchten. Viele von ihnen wurden in Internierungslager gebracht. In den folgenden Monaten kehrten viele von ihnen zurück nach Spanien oder flüchteten in andere europäische Länder. Tausende von Männern schlossen sich den „Compagnies de travailleurs étrangers“ (Arbeitseinsatzgruppen für Ausländer) an, die größtenteils mit dem Bau von Festungswerken im Nordosten Frankreichs beauftragt waren.
1940 nach Mauthausen
Mit dem Vormarsch der Wehrmacht in Sedan wurde die französische Verteidigung Mai 1940 überrannt, so dass viele dieser geflohenen Spanier den Nationalsozialisten in die Hände fielen. Um die 40.000 Spanier kamen in deutsche Arbeits- und Kriegsgefangenenlager, viele von ihnen wurden in Konzentrationslager verschleppt. Die Franco-Regierung betrachtete diese Republikaner als "Rote" und somit nicht als Staatsangehörige. Schon 1937, also während des spanischen Bürgerkriegs, flog die deutsche „Legion Condor“ einen Luftangriff auf die baskische Stadt Guernica und ermordete so mehrere hundert Menschen und zerstörte die Stadt. Das nationalsozialistische Deutschland fand in der Franco-Diktatur einen Verbündeten; und unterstützte es schon zu Beginn bei seiner Durchsetzung sowie beeinflusste das staatliche System. So ermöglichte die Franco-Regierung die Deportation der oppositionellen Spanier in die Konzentrationslager, die mit einem Transport nach Mauthausen im August 1940 begann. Von den ca. 7.000 ins KZ Mordhausen Deportierten wurden über zwei Drittel ermordet.
Etwa 10.000 Menschen
Insgesamt wurden etwa 10.000 Spanier in die Konzentrationslager Mauthausen, Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen, Bergen-Belsen, Ravensbrück, Treblinka, Auschwitz oder Neuengamme verschleppt. Mehr als die Hälfte von ihnen überlebte die KZ-Haft nicht. Die Überlebenden waren im eigenen Land bis 1975 der Ablehnung und Verfolgung durch Francos Regierung ausgesetzt. 1977 wurden mit einer Generalamnestie alle möglichen „Gesetzesverstöße“ von Amtsträgern während der Franco-Diktatur strafffrei. Die juristische Verfolgung der Verbrechen ist bis heute heiß diskutiert. Die Opferzahlen sind umstritten. Die Erinnerungskultur ist eher eine Vergessenskultur.
Wie umgehen mit einer Geschichte, die stets komplexer wird?
Im Rahmen der Tagung wird die Geschichte der Deportation spanischer Bürger in die nationalsozialistischen Konzentrationslager in den internationalen geschichtlichen und historiografischen Kontext eingegliedert. Gleichzeitig will diese Tagung Debatte und Reflexion über den Aufbau von Demokratie in Europa seit der Zwischenkriegszeit bis heute anregen. Können die negativen Erfahrungen der Besatzung durch das NS-Regime während des Zweiten Weltkriegs und die anderen Staatsverbrechen des 20. Jahrhunderts in eine europäische Erinnerungskultur einfließen, die gemeinsam ohne Relativierung zu bearbeiten sind? Wie umgehen mit einer Geschichte, die stets komplexer wird und mehr und mehr.
Von Nora Winter
Die öffentliche Tagung findet im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung am 7. September u.a. mit dem Memorial Democràtic, der Katalanischen Regierung und der Stiftung Topographie des Terrors mit dem Titel: „Spanische Deportierte in NS-Lagern: Geschichte und Erinnerung“ statt.
Weitere Informationen und Anmeldung: memorialdemocratic.gencat.cat.
Tagung „Spanische Deportierte in NS-Lagern. Geschichte und Erinnerung“
Wann: 7. September 2010, ab 13 Uhr
Wo: Stiftung Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, Berlin
Download: Programm