Scrennshot von www.erinnernsuedniedersachsen.de
Am 27. Januar präsentiert die KZ-Gedenkstätte Moringen gemeinsam mit
der Amadeu Antonio Stiftung ein neues Internetangebot zur lokalen Geschichte und Erinnerungskultur in der Region: die „Topografie der Erinnerung in Südniedersachsen“: www.erinnernsuedniedersachsen.de.
Der 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und steht symbolisch für eine wachsame Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen. An diesem Tag des „Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ wird die Website von Julia Braun und Dr. Dietmar Sedlaczek (KZ-Gedenkstätte Moringen) sowie Dr. Andrés Nader (Amadeu Antonio Stiftung) und Dr. Hilko Linnemann (Kreisvolkshochschule Holzminden) erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Internetportal ist Bestandteil eines gleichnamigen Projektes, das an der KZ-Gedenkstätte Moringen angesiedelt ist und von der Amadeu Antonio Stiftung im Rahmen ihres Schwerpunktprojektes „Antisemitismus in Ost und West. Lokale Geschichte sichtbar machen“ gefördert wurde.
Erinnern in Südniedersachsen
Unter der Region Südniedersachsen werden die vier südlichsten Landkreise Niedersachsens verstanden: Göttingen, Holzminden, Northeim und Osterode. Eine Ausweitung auf den Landkreis Goslar ist angedacht. Wer beschäftigt sich wo in der Region mit welchen Themen? Wo finde ich Informationen zu meinem Ort? Besteht Interesse an einer Zusammen- oder Mitarbeit? Wo besteht Bedarf an historischer Aufarbeitung? Gibt es eine Projektidee, aber nicht die Zeit und Mittel, sie zu realisieren? Wie gewinne ich eine Schule für ein Kooperationsvorhaben? Und wie können Initiativen umgekehrt helfen, ein Thema für ein Unterrichtsprojekt vorzubereiten oder mitzugestalten? Wie sieht generell die „Zukunft der Erinnerung“ aus?
In einer großflächigen und ländlich geprägten Region wie Südniedersachsen gestaltet sich ein Austausch zu solchen Fragen schwierig. Dies war für die KZ-Gedenkstätte Moringen die Motivation, ein eben solches regionales Vernetzungs- und Dokumentationsprojekt zu initiieren. Ziel dessen ist es, das breite bürgerschaftliche Engagement zu stärken, die zahlreichen Initiativen miteinander zu vernetzen und darüber hinaus die Sichtbarkeit ihrer vielfältigen Aktivitäten und Angebote in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Zugleich sollte eine Dokumentation erstellt werden, die über die Orte der Region informiert.
Topografie der Erinnerung in Südniedersachsen
Ein zentrales Ergebnis des Projektes ist das Internetportal www.erinnernsuedniedersachsen.de. In übersichtlicher und leicht zugänglicher Form dokumentiert die Webseite eine Topografie der Erinnerung für die Orte der Region. Eine solche Topografie besteht aus einer geschichtlichen wie auch aus einer gegenwärtigen Dimension – lokale Geschichte und Erinnerungskultur. Je nach lokalhistorischem Kontext und dem Stand der Aufarbeitung in der Literatur finden sich zu den einzelnen Orten Informationen zu sozialpolitischen Hintergründen, zu Widerstand und Verfolgung, NS-Zwangsarbeit, Konzentrationslagern, SS-Baubrigaden, so genannten Todesmärschen, Displaced Persons, der Geschichte der lokalen Erinnerungskultur sowie zu lokalen Gedenkorten und Initiativen / Ansprechpartnern. „Weiße Flecken“ zeigen auf, wo zu bestimmten Themen und zu einzelnen Orten noch Forschungsbedarf besteht. Bei Bedarf oder auf entsprechende Hinweise hin kann die Website jederzeit aktualisiert werden.
Die übergeordnete Rubrik „Erinnern in der Region“ fasst die einzelnen lokalen Gedenk- und Erinnerungsformen für die Region Südniedersachsen zusammen. Sie stellt zum einen die einzelnen Initiativen und ihre Aktivitäten wie Rundgänge und Gedenkveranstaltungen vor; zum anderen werden die Gedenk- und Erinnerungsorte selber vorgestellt und historisch-politisch kontextualisiert. Auch Ausstellungen, Literatur und andere thematisch relevante mediale Angebote wie Theaterstücke werden auf der Website vorgestellt.
Veranstaltungskalender
Daneben bietet das Internetportal nähere Informationen zum Netzwerk und zu den einzelnen Gedenk- und Erinnerungsinitiativen. In kurzen Texten stellen die Initiativen sich und ihre Arbeit vor. Ein Kalender informiert über ihre aktuellen Veranstaltungen. Er wird durch einen Newsletter ergänzt, den interessierte Besucherinnen und Besucherabonnieren können. Den Netzwerkmitgliedern stehen zudem ein internes Forum und eine Datenbank zur Verfügung, um sich über bestimmte Themen und zu einzelnen Orten auszutauschen.
Erinnerungskonferenzen
Bereits im März 2009 fand darüber hinaus in Moringen eine Auftaktkonferenz der regionalen Initiativen statt. Mittlerweile finden die Treffen in jährlichem Turnus in unterschiedlichen Orten der Region Südniedersachsen statt. Ziel ist es, auf diese Weise auch die Geschichte und die Erinnerungsinitiative des jeweiligen Ortes näher kennen zu lernen. Gastgeberin ist die jeweilige Initiative vor Ort. Zusammen mit der Website sind diese jährlichen Konferenzen ein zentrales Ergebnis und wichtiger Bestandteil des Vernetzungsprojektes „Topografie der Erinnerung in Südniedersachsen“.
Wir hoffen, mit dem Projekt auch langfristig zu einer engeren Vernetzung in der Region beizutragen, und freuen uns auf weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter!
Von Julia Braun
für die KZ-Gedenkstätte Moringen
Donnerstag, 27. Januar, Moringen
Präsentation von www.erinnernsuedniedersachsen.de, 11.30 Uhr in der KZ-Gedenkstätte Moringen, Lange Straße 58