Das brennende Auto, Foto: Lutz Richter
Am 18. Februar wurde das Auto von Lutz Richter, Mitglied des Alternativen Kultur- und Bildungszentrums Sächsische Schweiz und Kreisgeschäftsführer der LINKEN, angezündet. Nach dem verhinderten Aufmarsch in Dresden am 13. Februar gab es mehrere Übergriffe und Aktionen von Neonazis in Pirna. Der Opferfonds CURA unterstützt Lutz Richter.
"Als ich zum Auto kam, war der Brand soweit fortgeschritten, dass ein Löschen durch mich nicht mehr möglich war", sagt Lutz Richter, Kreisgeschäftsführer der LINKEN in der Säschsischen Schweiz/Osterzgebirge und Vereinsmitglied des AKuBiZ. Das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz setzt sich aktiv mit Rassismus und Antisemitismus auseinander. So werden Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und Jugendbegegnungen zum Thema organisiert. Am 18. Februar brannte das Auto von Richter vollständig aus. Eine Brandstiftung liegt auf der Hand: "Direkt über dem Hinterrad befindet sich der Tankdeckel. Am Hinterrad befand sich ein brennender Stoffballen", erzählt Richter. Ein Nachbar entdeckte den Brand und alarmierte die Feuerwehr.
Neonazis lassen Frust ab
Mit einer Menge Frust fuhren Neonazis am 13. Februar aus Dresden wieder nach Hause. Ihr jährlich größter Aufmarsch ist von tausenden von Menschen verhindert worden. Doch auf dem Heimweg reagierten sie sich ab. Noch am selben Abend fand in Pirna eine Neonazidemonstration mit 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Im thüringischen Gera gab es 180 Festnahmen - Neonazis zogen durch die Innenstadt und skandierten ihre üblichen Parolen. In Pirna wiederum griffen Neonazis das Büro der SPD an. Ein sich darin befindender Mitarbeiter konnte sich ins Hinterzimmer flüchten. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar wurde ein für den Kreistag Kandidierender der LINKEN in Pirna überfallen und musste in Krankenhaus behandelt werden. Die Brandstiftung an Richters Auto ordnet sich in diese Serie von Übergriffen ein. Ein bekannter Neonazi fotografierte am Vortag Richters Haus sowie Auto und machte sich Notizen vom Briefkasten.
Finanziell wie emotionale sehr belastend
„Ich möchte das gar nicht kommentieren“, sagte Thomas Dißelmeyer der Sächsischen Zeitung, Geschäftsführer der SPD/Grünen-Fraktion im Kreistag Dißelmeyer hat im betroffenen SPD-Büro seinen Sitz. „Aber es zeigt sich deutlich, dass wir uns mehr mit der NPD beschäftigen müssen“, erklärte er. Und wahrscheinlich nicht nur mit der NPD, sondern auch mit anderen Neonazistrukturen in der Sächsischen Schweiz. Am 2. März sind die Übergriffe der letzten Woche auf der Tagesordnung des Stadtrates Pirna. Nachdem die Feuerwehr das Auto von Richter gelöscht hatte war nicht mehr viel davon übrig. Der Schaden soll sich auf mehrere tausend Euro belaufen. Erst im Januar gab es Nachwuchs bei Familie Richter. Der Brandanschlag ist somit nicht nur finanziell, sondern auch emotional sehr belastend für die Familie. Der Opferfonds CURA unterstützt Lutz Richter in dieser schwierigen Situation. "Ich wollte mich jetzt eigentlich mehr um meine Freundin und meinen Sohn kümmern", so Richter.
Von Nora Winter