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Wochenende der Kult(o)uren


Von Mecklenburg-Vorpommern nach Berlin-Kreuzberg. Ein Wochenende lang tourten Jugendliche aus dem Bundesland an der Ostsee durch Berlin. Klischeevorstellungen hielten der direkten Erfahrung nicht stand. Einiges hat sich bewegt.


„In Kreuzberg gibt es nur billiges Obst“. „Und gewaltbereite Jugendliche mit Migrationshintergrund“. „Antisemitismus gab es nur früher und überhaupt hat das alles gar nichts mit den Jugendlichen zu tun“. Solche oder so ähnliche Bilder schwirrten in den Köpfen über Berlin-Kreuzberg umher. Bei dem „Wochenende der Kult(o)ren“ in Berlin wurden diese Klischees aufgebrochen. Nicht durch Vorträge und trockene Seminare, sondern ganz greifbar durch direktes Erleben. Zehn Jugendliche, zehn Sichtweisen und unglaublich viele Eindrücke – so kann man das „Wochenende der Kult(o)uren“ zusammenfassen. Vier Mädchen und sechs Jungen haben sich vom platten Land in Mecklenburg-Vorpommern auf den Weg nach Berlin gemacht um Anderes zu sehen und um eigene Vorstellungen und klischeehaftes Denken zu überprüfen.

Kreuzberg bei eisiger Kälte

Die Mädchen und Jungen aus Ludwigslust wurden von Nadja, einer jungen Kreuzbergerin durch ihr Kreuzberg geführt und lauschten bei eisiger Kälte den Erzählungen von der interkulturellen Bereicherung, die in diesem Stadtviertel durch die vielen verschieden Menschen aus unterschiedlichen Ländern entsteht. Nadja selbst ist liiert mit einem Türken, hat sich als Jugendliche schon für die türkische Sprache interessiert und kann so ganz anders von ihren Erfahrungen erzählen als es vielleicht die Medien in im mecklenburgischen Ludwigslust tun. Keiner von den Jugendlichen hat jemals in einem türkischen Männercafé gesessen, geschweige denn davon gehört. Herzlich sind die Jugendlichen in Berlin dort empfangen worden und es wurde deutlich, dass gemeinsames Leben unterschiedlicher Kulturen mit Akzeptanz beginnt und mit der Größe seinen Gegenüber stehen lassen zu können. „Man muss sich auf gewisse Dinge einlassen, um sie besser kennen zu lernen und auch um sie zu verstehen“, beschreibt es Sara, eine Teilnehmerin des Wochenendes.

Bewegung in den Köpfen

Sicherlich gab es Einiges, was sich an diesem Wochenende bewegt hat in den Köpfen der Jugendlichen. „Es war ziemlich beeindruckend, besonders, da ich als jemand, der keiner Religion angehört, nicht allzu viel über den Islam und das Judentum wusste“, berichtet Marcus. Es stellte sich auch die Frage, warum schulischer Geschichtsunterricht so wenig interessiert und berührt. Einige Stunden verbrachten die Jugendlichen im Jüdischen Museum Berlin und nach einer Führung über jüdisches Leben und jüdische Traditionen waren sie alle in dem Ausstellungsteil zu finden, der den Holocaust dokumentiert. Das Schweigen nach dem Museum wirkte den ganzen Tag nach.

Die Stimme erheben

Diese Mädchen und Jungen sind „Peer Leader“. Sie haben in ihren schulischen und außerschulischen Kreisen eine Stimme, die von anderen gehört wird. Die Hoffnung ist groß, dass sie diese auch erheben, wenn es irgendwo zu menschenfeindlichen, antisemitischen, fremdenfeindlichen Aussagen kommt. Das Projekt der Amadeu Antonio Stiftung "Lola für Lulu" bildet Schülerinnen und Schüler aus mehreren Gymnasien und Regionalschulen im gesamten Landkreis zu "Peer Leadern" aus. Das Ziel: Jugendliche werden unter Beachtung der Ansätze einer geschlechtersensiblen Jugendarbeit für Rechtsextremismus sensibilisiert und für die Entwicklung eigener Projekte motiviert und unterstützt. Das „Wochenende der Kult(o)uren“ war dafür ein wichtiges Erlebnis.

Von Anne-Rose Wergin


Peer-Leader-Training von Lola für Lulu
 

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