Film Real Life

Naomi, Amina und Jonathan (v.l.)

Woher kommst du?


Aus Deutschland natürlich! Mit dem Film „Real Life: Deutschland“ über ein Theaterprojekt afrodeutscher Jugendlicher endete die Ausstellung „Homestory Deutschland“.


„Woher kommst du?“ „Aus Deutschland.“
„Nee, ich meine, wo bist du geboren?“ „In Deutschland.“
„Nee, ich meine, was ist deine Heimat?“

Mit solchen oder ähnlich nervigen Dialogen müssen sich Afrodeutsche ständig herumschlagen. Blöde Kommentare sind jedoch bei weitem nicht die einzigen diskriminierenden Erfahrungen, die sie im Alltag machen. Auch Naomi, Amina und Jonathan, drei Jugendliche aus Berlin, hatten schon viele negative Erlebnisse. Die zwei Mädchen erzählen, dass sie sich sogar eine Zeit lang weigerten, HipHop zu hören. Nicht, weil es ihnen nicht gefällt, sondern um nicht ständig „in diese Schublade gesteckt zu werden“. Sich als Individuum akzeptiert zu fühlen ist nicht leicht, wenn man immer „irgendwie anders“ behandelt wird.

Empowerment durch Theater


Naomi, Amina und Jonathan können heute besser mit doofen Sprüchen umgehen und betrachten vieles mit Humor. Sie haben an dem Empowerment-Projekt „YoungStar Theater – Schwarze Jugendliche im Mittelpunkt“ teilgenommen. Auf die Beine gestellt haben dies die ebenfalls afrodeutschen Sebastian Fleary, Patricia Göthe und Sharon Otoo. Heraus gekommen ist ein Theaterstück, das Alltagsszenen aus dem Erlebten der Jugendlichen zeigt und in verschiedenen Städten insgesamt 15 Mal aufgeführt wurde. Es ist ein Stück, dass sowohl den Jugendlichen selbst als auch dem afrodeutschen Publikum Kraft gibt und das weiße Publikum zum denken anregt. Der Film „Real Life: Deutschland“, der am Donnerstag gezeigt wurde, dokumentiert das Projekt. Ein Filmbesucher, der auch bei einer Aufführungen des Stücks war, sagt, dass er sich selbst „in den Szenen wiedergefunden“ habe.

„Nicht integrationsfördernd“

Leicht war es nicht, das Projekt wie geplant durchzuführen. Die Teilnehmenden kamen aus ganz Deutschland und trafen sich über mehrere Monate immer wieder zu Proben. Besonders schwer war es, die Finanzierung hinzubekommen. Dutzende Anträge wurden geschrieben und mit verschiedenen Begründungen abgelehnt. Darunter auch die, dass es doch nicht integrationsfördernd sei, ein Projekt nur mit Schwarzen – ohne weiße –Jugendliche zu machen. Als besonders positiv empfanden Naomi, Amina und Jonathan die lokale Unterstützung der afrodeutschen Communitys in den Aufführungsstätten: „Ohne Community hätt’s nicht geklappt“, resümiert Amina. Für die Zukunft wünschen sich die drei, dass das Projekt noch einmal mit einer neuen Generation Jugendlicher durchgeführt wird.

Selbstverständlich Deutsch sein

Dass Schwarze genauso selbstverständlich Deutsche sind wie Weiße und (auch gut gemeinte) Andersbehandlung einfach nur nervt, bleibt als Botschaft von Theater und Film zurück. Damit passte dieser sehr gut ins Begleitprogramm der Ausstellung „Homestory Deutschland“ in der Nelson Mandela Schule Berlin, die Biographien Schwarzer Deutscher zeigte und nun zu Ende ging.

Von Lisa Doppler

 

Stiftungsbilanz 2010
 

Woher kommst du?

Hauptnavigation

Spenden Sie jetzt!

 
 

Logo: Twitter   Logo: Facebook   Logo: Myspace   Logo: YouTube    Flattr this

 

Newsletter

Newsletter
Dran bleiben! Mit unserem Newsletter...