Antisemitische Vorfälle 2004



Januar

Nickenich (Rheinland-Pfalz)
Jüdischer Friedhof geschändet
Zwischen dem 11. und 17. Januar haben unbekannte Täter auf dem jüdischen Friedhof in Nickenich zehn Grabsteine umgeworfen, aus zwei Steinen Bruchstücke herausgeschlagen, auf vier weitere Grabsteine mit schwarzer Farbe die Worte "Satan", "Judas", Pentagramme und die Zahl "666" aufgesprüht und ein Grab einen halben Meter tief ausgehoben. Die Polizei in Koblenz hat eine Belohnung von 2500 Euro für Hinweise auf die Täter ausgesetzt.
(Bonner General-Anzeiger, 22.01.2004)

Berlin
Ausstellung zerstört
In Berlin-Mitte haben am Montagabend, den 19.01.2004, unbekannte Täter eine Ausstellung über Jüdisches Leben beschädigt, die in einem Wohnhausflur in der Brunnenstraße hing. Ausstellungstafeln wurden von den Wänden gerissen. Die Kriminalpolizei ist überzeugt, dass es sich um eine Tat aus politischen Motiven handelt.
(Berliner Morgenpost, 20.01.2004)

Weiden (Bayern)
Schmierereien in der Damentoilette
In Weiden (Bayern) wurden Bänke sowie Fliesen und Trennwände der Damentoilette am Zentralen Omnibusbahnhof mit antisemitischen Parolen und Hakenkreuzen beschmiert. (Oberpfalznet, 29.01.2004)

Berlin
Mahnmal für Außenlager des KZs Sachsenhausen geschändet
Vom Mahnmal auf dem Gelände des ehemaligen Außenlagers des KZ Sachsenhausen in Berlin-Steglitz sind Gedenkkränze gestohlen worden, die erst am Nachmittag des gleichen Tages niedergelegt wurden. Die Polizei fand Reste der Kränze unweit des Mahnmals auf der Böschung des Teltowkanals. (ddp/e110.de, 29.01.2004)



Februar

Gotha (Thueringen)
14 Grabsteine umgeworfen
Auf dem jüdischen Friedhof in Gotha sind am Wochenende von Unbekannten 16 Gräber geschändet worden. Auf 14 dieser Gräber wurden die Grabsteine umgeworfen. Zwei der Grabsteine wurden beschädigt.
(e110.de, 2.2.2004)

Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein)
Gedenkstätten geschändet
In Kaltenkirchen haben mutmaßlich Rechtsextreme die Kriegsgräber-Gedenkstätte und die KZ-Gedenkstätte Moorkaten geschändet. Alle Gedenksteine und Informationstafeln wurden so mit gelber Farbe beschmiert, dass jegliche Information, wer dort ruht, unkenntlich gemacht wurde. Außerdem malten die Täter Hakenkreuze und SS-Runen ins Gras.
(Hamburger Abendblatt, 17.02.2004)

Berlin
Gedenkstein mit Hakenkreuzen beschmiert
Im Berliner Stadtteil Steglitz-Zehlendorf haben Unbekannte am 16. Februar einen Gedenkstein für die Opfer des Holocaust mit vier Hakenkreuzen beschmiert.
(Jungle World, 25.02.2004)

Berlin
Gedenkstein für KZ-Opfer geschändet
Wie am 21. Februar entdeckt wurde, haben Unbekannte einen Gedenkstein für KZ-Opfer geschändet, indem sie den Stein in Berlin-Lichterfelde mit Hakenkreuzen beschmierten.
(ddp/e110.de, 22.02.20)

Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
"Jude" auf Verlagsauto gesprüht
Am Wochenende vor Rosenmontag (20. /21. Februar) wurde in Wuppertal der Dienstwagen und die Hoftür eines Verlages mit antisemitischen Parolen besprüht - offenbar, weil in einer Zeitschrift des Verlages über regionalhistorische Themen ein Artikel über die Widerstandsgruppe der "Edelweißpiraten" erschienen ist. In gelber Farbe sprühten der oder die Täter das Wort "Jude" auf die Motorhaube des Dienstwagens. Alle vier Autoreifen wurden zerstochen, ein Kratzer rund um den Wagen gezogen. An die Hoftür sprühten der oder die Täter ein "J!"
(die tageszeitung, 26.02.04)

Grabow (Mecklenburg-Vorpommern)
Jüdischer Friedhof geschändet
Unbekannte haben auf dem jüdischen Friedhof in Grabow die Gedenktafel mit Farbe beschmiert. (ddp, 26.02.2004)

Bochum (Nordrhein-Westfalen)
Wagen eines Rabbiners von Rechtsextremen demoliert
In der Nacht zu Freitag, dem 27. Februar, haben Unbekannte den Wagen eines Bochumer Rabbiners demoliert. Alle vier Reifen wurden zerstochen, auf allen Türen und der Motorhaube wurden Hakenkreuze in den Lack geritzt.
(e110.de / ddp, 28.02.2004)

Berlin
Hetzplakate am Holocaust-Mahnmal
Die rechtsextreme NPD hat um die Baustelle des Holocaust-Mahnmals in Berlin-Mitte rund 40 Hetzplakate angebracht, die das Denkmal als "Sühne-Erlebnispark" verunglimpfen.
(Neues Deutschalnd, 09.02.2004)



Maerz

Neuruppin, Fehrbellin (Brandenburg)
Denkmal in Neuruppin und Gedenkstein in Fehrbellin geschändet
Am Wochenende (6./7. März) ist in Neuruppin ein Denkmal für das jüdische Volk und in Fehrbellin ein jüdischer Gedenkstein beschmiert worden. Die unbekannten Täter sprühten SS-Runen und antisemitische Sprüche, laut Polizeiangaben u.a. "Arbeit macht frei" und "Jedem das Seine".
(ddp / e110.de, 08.03.2004)

Berlin
Mahnmal beschmiert
In Berlin-Mitte wurde das jüdische Mahnmal im Siegmunds Hof mit Buchstaben in weißer Farbe beschmiert. Laut Polizeiangaben sei ein politischer Hintergrund nicht erkennbar. Entdeckt wurde die Schändung am 20. März.
(Berliner Morgenpost, 22.03.2004)

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen (Brandenburg)
Rasenbrand in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen
Am Dienstagabend kam es auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg (Brandenburg) zu einem Rasenbrand. 150 Quadratmeter Trockenrasen standen in Flammen. Die benachbarten Baracken wurden durch das Feuer nicht beschädigt. Zeugen gaben an, zuvor zwei Jugendliche beim Zündeln beobachtet haben. Nun sollen die Aufzeichnungen der Videoüberwachung zur Aufklärung der Brandursache und zur Identifierzung der Täter beitragen.
(rbb-online, 24.03.2004)

Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein)
Randale auf Gedenk- und Gräberstätte
Am 28. März schänden unbekannte Täter die Kaltenkirchener KZ-Gedenkstätte Springhirsch und die Gräberstätte Moorkaten. Die Täter zerschlagen mit einem Holzknüppel die Fensterscheiben des Dokumentenhauses in der KZ-Gedenkstätte. Ein Eisengitter hindet sie aber daran, einzusteigen. Vermutlich dieselben Täter reißen auf der Gräberstätte Moorkaten Bänke um und zerstören Pflanzen.
(Jungle World, 14.04.2004)

Walldorf (Thueringen)
Friedhof verwüstet
Auf dem jüdischen Friedhof im südthüringischen Walldorf sind am 29. März 91 der 200 Grabstellen verwüstet worden.
(taz, 31.03.2004)

Straßfurt (Sachsen-Anhalt)
Kurhaus mit antisemitischen Parolen beschmiert
Unbekannte haben am 15. März 2004 an das Kurhaus von Straßfurt die Parole "Töted die Juden" (Fehler im Original), einen Davidsstern und die Aufforderung "kill" gesprüht.
(Mobile Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Sachsen-Anhalt)



April

Berlin
Hakenkreuz auf Mahnmal der jüdischen Gemeinde
In Berlin beschmierten unbekannte Täter ein Mahnmal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mit einem Hakenkreuz und SS-Runen. Die Tat wurde am Ostersamstag entdeckt.
(rhein-main.net / dpa, 12.04.2004)

Bausendorf (Rheinland-Pfalz)
Friedhofsschändung mit Nazi-Symbolen
In Bausendorf (Rheinland-Pfalz) wurden auf dem jüdische Friedhof fünf Grabsteine mit nationalsozialistischen Symbolen und Parolen in roter Farbe beschmiert. Ein Spaziergänger entdeckte die Schändung.
(e110.de, 18.04.2004)

Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mahnmal für Zwangsarbeiter beschädigt
Am 13. April 2004 wurde ein Mahnmal für jüdische Zwangsarbeiter auf dem Westfriedhof in Köln beschädigt.
(Jungle World, 28.04.2004)

Dessau (Sachsen-Anhalt)
Drohung an Ehefrau des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Dessau
Am 20. April 2004 ritzten Unbekannte einen Davidstern in die Leuchtreklame der Gynäkologie-Praxis, die von der Ehefrau des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Dessau betrieben wird.

(Mobile Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Sachsen-Anhalt)



Mai

Leipzig (Sachsen)
Auto von engagiertem Pfarrer beschmiert
Der Pfarrer der Thomaskirche, Christian Wolff, berichtete, sein Auto sei in der Nacht zum 1. Mai mit einem Hakenkreuz und einem anderen Nazisymbol beschmiert worden. Wolff hatte sich öffentlich engagiert für den Bau eines jüdischen Begegnungszentrums eingesetzt, den einige Anwohner zu verhindern versucht hatten.
(Neues Deutschland, 03.05.2004)

Halle (Sachsen-Anhalt)
"Stolpersteine" herausgerissen
In der Nacht zum 7. Mai rissen Unbekannte acht "Stolpersteine" aus Gehwegen in Halle. Die vom Künstler Gunter Demnig gestalteten Metallplatten erinnern vor Wohnhäusern an Jüdinnen und Juden, die aus diesen zur NS-Zeit deportiert worden waren. Die Hallenser Stolpersteine waren erst am Tag zuvor gesetzt worden. Die Polizei schließt einen politischen Hintergrund der Tat nicht aus.
(Mitteldeutsche Zeitung, 07.05.2004)

Berlin
Gedenktafel beschmiert
In Berlin-Spandau ist die jüdische Gedenktafel in der Kammerstraße mit antisemitischen und volksverhetzenden Parolen beschmiert worden. Die Tat wurde am Montag, den 17. Mai, von einem Mitarbeiter des Bezirksamtes entdeckt.
(yahoo-nachrichten, 18.05.2004)

Grünefeld (Brandenburg)
"Judenklub" statt "Jugendklub"
In Grünefeld (Brandenburg) sind in der Nacht zum 19.05.2004 Wände und Fenster des Jugendklubs und ein Bushäuschen beschmiert worden. Gesprüht wurde die Drohung "Der Klub wird zerlegt". Außerdem machten die unbekannten Täter aus dem "Jugendklub" einen "Judenklub".
(Märkische Allgemeine Zeitung, 21.05.2004)

Pinnow (Mecklenburg-Vorpommern)
Gedenksteine mit Nazisymbolen beschmiert
Zwischen Pinnow und Schwerin sind erneut Gedenksteine an den Todesmarsch von KZ-Häftlingen mit Nazisymbolen beschmiert worden.
(Lobbi e.V., West, 24.05.2004)

Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Antisemitische Wirtschaftsnachrichten
Die Publikation "Der Freie Berater" verkauft sich als Informationsdienst für wirtschaftliche Anlagen. Im Angebot hat das Blättchen Antisemitismus. Es hat sich "den Juden" zum Angriffsziel erkoren. "Des Weiteren muss es in dieser Nation möglich sein, den Juden zu kritisieren wie den Moslem oder den Christen und ihn auch öffentlich zu verurteilen". Als Beleg werden Zitate aus Henry Fords antisemitischer Schrift "Der Internationale Jude" und aus den "Protokollen der Weisen von Zion zitiert". Kein Wunder: Zumindest einer der Herausgeber ist als Aktivist der Neuen Rechten bekannt.
(Neues Deutschland, 25.05.2004)



Juni

Berlin
Jüdischer Tourist ins Gesicht geschlagen
Berlin-Tourist Yeshayahu S. (50), derzeit in Baltimore (USA) lebender Israeli jüdischen Glaubens, läuft am 03. Juni durch die Sonnenallee in Berlin-Neukölln, als ihn zwei arabisch aussehende Männer auf die Kippa auf seinem Kopf ansprechen. In Deutsch und Englisch fragen sie: "Bist Du Jude?" Sie selbst geben sich als Palästinenser aus. Nachdem S. sich weigert, mit ihnen über Politik zu diskutieren, schlägt ihm einer der beiden Männer die Kippa vom Kopf. Als S. sie aufhebt, prügelt der Mann auf ihn ein. Yeshayahu S. kommt mit Schwellungen über dem rechten Auge ins Krankenhaus.
(Berliner Kurier, 04.06.2004; Berliner Zeitung, 04.06.2004)

Essen (Nordrhein-Westfalen)
5 x 2 Meter großes "Juden raus"
Unbekannte Täter schmierten in Essen in orangener und grüner Farbe ein Hakenkreuz und die Parole "Juden raus" in der Größe von fünf mal zwei Metern (!) auf die Nierenhofer Straße.
(Pressestelle Polizei Essen, 16.06.2004)

Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern)
"Sharon ins KZ"
An der Reppiner Burg im Stadtteil Mueß in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) haben unbekannte Täter mit einem Farbmarker auf ein Geländer, eine Sitzbank, einen Papierkorb und eine Bank antisemitische und antiamerikanische Schmierereien geschrieben. Unter anderen stand dort "Juden raus", "Sharon ins KZ", "Amis raus" und "Ami go home". Mueß gilt als Treffpunkt für Rechtsextreme.
(mv-regio, 24.06.2004)

Bochum (Nordrhein-Westfalen)
"Juden raus" rufe auf Demo
Bei einer von der NPD organisierten Demonstration gegen den Neubau einer Synagoge in Bochum skandieren am 26. Juni Neonazis "Juden raus". Nach einer längeren Pause lassen sie "...aus Palästina" folgen.
(idgr.de, 09.07.2004)

Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen)
41 jüdische Gräber geschändet
In Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) wurde der alte jüdische Friedhof an der Esperantostraße von Rechtsextremen geschändet. 41 Grabsteine wurden mit Hakenkreuzen und Hassparolen beschmiert. Auf einen Grabstein schrieben die Täter "Der Jude muss sterben", Kindergräber beschmierten sie mit SS-Runen. Der Friedhof wurde vor zwei Jahren schon einmal geschändet.
(Express Düsseldorf, 28.06.2004)

Alsbach-Hähnlein (Hessen)
Jüdischer Friedhof geschändet
Unbekannte Täter haben im hessischen Alsbach-Hähnlein den jüdischen Friedhof geschändet. Die Täter werfen zwei Grabmale um und ritzen in sieben weitere Steine Hakenkreuze. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Störung der Totenruhe, Sachbeschädigung und Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen.
(ddp, 07.06.2004)

Pirna (Sachsen)
Antisemitische Schmierereien auf dem Sonnenstein
Am 21.06.2004 entdeckte die Polizei auf dem Sonnenstein in Pirna in silbergrauer Farbe gesprühte Hakenkreuze, Doppelsiegrunen und "Heil Hitler"-Symbole. Zum Teil erreichen die Schmierereien bis zu 1,20 Meter Größe. Sie waren auf Informationstafeln, einem Verteilerkasten der Telekom, einem Altkleidercontainer und auf Fahrbahnen angebracht. In einem Hauseingang schmierten die Täter zudem "Juden raus" an die Wand.
(Sächsische Zeitung, 22.06.2004)

Gardelegen (Sachsen-Anhalt)
Antisemitische Propaganda in der Innenstadt
In der Einkaufsstraße von Gardelegen sprühen am 27. Juni Neonazis an ca. 15 Häuser und Geschäfte mit einer Schablone die Parole „Wir sind wieder da“ und daneben das Bild eines Vermummten, der den Hitlergruß zeigt. An das ehemalige Gebetshaus der jüdischen Gemeinde – in dem sich heute ein Modegeschäft befindet, vor dem eine Gedenktafel an die ehemalige Funktion des Hauses erinnert – sprühen die unbekannten Täter ein Hakenkreuz. Die Stadt Gardelegen hat Anzeige erstattet, vermutet wird ein gezielte antisemitische Aktion von Neonazis. Am Abend des 26. Juni hatten Polizeibeamte an einer Kiesgrube im nahegelegenen Peckfitz eine Feier mit rund 70 Rechten aufgelöst.
(Mobile Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Sachsen-Anhalt)

Chronik antisemitischer Vorfälle 2004

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