Vorstellung des Audit bei der Friedrich Ebert Stiftung - zusammen mit dem Lisum Berlin
Gleichwertigkeit kann man nicht allein auf kognitivem Weg erlernen. Effektiver ist es, das Thema für die Teilnehmenden erfahrbar und zu einer Freude werden zu lassen. Das neu entwickelte Gleichwertigkeitsaudit tut genau dies: Es ermöglicht Erfahrungen der Gleichwertigkeit mitten im Alltag von Schülerinnen und Schülern. Das Verfahren geht von den lokalen Gegebenheiten aus. Es bietet die Möglichkeit, die jeweilige Situation detailliert zu betrachten und zu verändern.
Das Wort Audit ist eine Ableitung aus dem lateinischen „Audire“. Es bedeutet „Hören“. Damit ist der wichtigste Teil eines Audit-Verfahrens bereits umschrieben: Eine Gruppe von Menschen redet über den Zustand einer Angelegenheit, die allen Beteiligten dieses Gespräches besonders wichtig ist. Man hört einander zu und handelt eine gemeinsame Einschätzung über den Stand der Dinge aus. Ein gesetzter Katalog von Kriterien erleichtert diese Aufgabe. Die Kriterien sind Prüfsteine, die veranschaulichen, was verändert werden muss, damit sich die betrachtete Situation insgesamt verbessert.
Anhand des Audit-Verfahrens kann man feststellen, welche Erfahrungen Kinder und Jugendliche in einer Schule, einem Jugendzentrum oder in einem Stadtteil mit Gleichwertigkeit machen. Die Situation vor Ort wird anhand von vorgegebenen Leitbildern und Kriterien betrachtet. Es wird danach gefragt, (a) wo bereits Fortschritte erzielt wurden und (b) wo es Veränderungen geben muss. Ein Audit-Verfahren kann also dazu beitragen, dass sich mehr Menschen an Entwicklungsprozessen beteiligen. Sie diskutieren gemeinsam darüber, welche Veränderungen notwendig sind und zu welchen unmittelbaren Zielen diese führen sollten.
Das Anerkennungsaudit wird aktuell im Rahmen eines vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Bundesprogramm XENOS geförderten Projekts unter dem Titel: „Gleichwertigkeit erleben – Kompetenzen für den Arbeitsmarkt fördern“ in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg implementiert. In Nordrhein-Westfalen wird das Projekt durch die Ford Foundation gefördert. Das Audit entsteht in Kooperation mit der RAA Berlin.
Wie setzen Schulen, Jugendeinrichtungen und Gemeinden das Anerkennungsaudit um? Beispiele aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen:
- Waren: Jugendliche in Papenberg möchten sich stärker am Schulleben beteiligen
- Bergisches Land: Für ein Klima der gegenseitigen Anerkennung
- Schwedt: Schulleitung stellt sich dem Anerkennungsaudit
- Bernau: Mehr Verständnis für Jugendliche aufbringen