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"Was können wir konkret verbessern, um Gleichwertigkeit und Anerkennung im Schulalltag zu fördern?": Projektteilnehmer aus dem Bergischen Land beim Audit-Workshop in Berlin, März 2008

Bergisches Land: Für ein Klima der gegenseitigen Anerkennung


Mehrere Schulen in Nordrhein-Westfalen, die den Titel „Schulen ohne Rassismus“ tragen, wollen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Gemeinsames Ziel von Schülern und Lehrkräften: ein Klima der gegenseitigen Anerkennung etablieren und damit das demokratische Zusammenleben im Schulalltag fördern.






Im Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen gibt es mehrere „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“ (SoR – SmC), die sich für Gleichwertigkeit, Integration und Vielfalt sowie gegen Ausgrenzung und Diskriminierung engagieren. Trotz längerer Erfahrungen mit diesen Themen besteht in den „SoR-SmC“-Schulen nach wie vor ein großer Bedarf an praxisorientierten Methoden. Diese sollen Gleichwertigkeit und Anerkennung mehr ins Blickfeld rücken, um im Schulalltag ein demokratisches Zusammenleben und neue Integrationschancen zu gewährleisten.

Dabei sollte es das Ziel sein, in den Schulen eine Kultur der Anerkennung sowie einen Ort für eine konstruktive Auseinandersetzung mit Vielfalt zu etablieren. Um dieses Ziel zu erreichen, bot die Durchführung eines Anerkennungsaudits mit einer begleitenden Ausbildung von schulinternen Gleichwertigkeitscoaches für die teilnehmenden Schulen einen ganz neuen pädagogischen Ansatz.

In den Schulen wurden Jugendliche und Mitglieder des Kollegiums angesprochen, die das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ weiter voranbringen wollten. Im Vordergrund stand der offene Wunsch, die gegenwärtigen Konfliktlagen im sozialen (Schul-)Umfeld darzustellen, diese ernst zu nehmen und gemeinsam mit Lehrkräften und Schülern aus verschiedenen Schulformen tragfähige Lösungen zu erarbeiten.

So wurde die konkrete Situation vor Ort anhand spezifischer Leitsätze und Kriterien untersucht. Die Beteiligten bewerteten mit Hilfe des Anerkennungsaudits Stärken und Problemlagen und verabredeten, welche Entwicklungen zukünftig vollzogen werden sollten. Im Schuljahr 2007/08 nahmen schließlich 40 Lehrkräfte und Schüler aus allen Schulformen der Sekundarstufen I und II an einer Theorie- und Praxisfortbildung teil. Thema: „Vorbeugung und Überwindung Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im (Schul-)Alltag". Den Veranstaltungen folgten ein abschließender Präsentations- und Workshoptag mit 150 Teilnehmenden auf dem NRW-Landesschülertreffen für „SoR-SmC“-Schulen sowie eine Audit- und Umsetzungsphase in der eigenen Schule.

 

Vorbereitung des Audits in Nordrhein-Westfalen

Wesentliche Bausteine der Fortbildung waren:

- Reflexion des eigenen Menschenbilds und Verhaltens in zwischenmenschlichen Beziehungen
- Erfahren und Erlernen von praktischen Methoden und rhetorischen Techniken für eine nachhaltige Bestandsaufnahme und die Förderung einer Anerkennungskultur in der Schule (neben dem Auditverfahren selbst u.a. Moderations-, Motivations-, Konfliktlösungs- und Deeskalationstechniken zur Überwindung von Diskriminierungs-, Bedrohungs- und Gewaltsituationen)
- Bestandsaufnahme der Kultur des Umgangs im Miteinander in der eigenen Schule
- Entwicklung von Präventions- und Interventionsmöglichkeiten
- Entwurf eines Aktionsplans für die Schule hin zu einer Kultur der Anerkennung


Lisa-Kiara Franke, Klasse 7 d des Ganztagsgymnasium Johannes Rau in Wuppertal: „Meine Ausbildung zum Gleichwertigkeitscoach“

„Gemeinsam mit zwei Klassenkameradinnen habe ich eine dreimonatige Ausbildung zum Gleichwertigkeitscoach gemacht. Gleichwertigkeitscoaches achten in der eigenen Schule darauf, wie die Schülerinnen und Schüler miteinander umgehen. Sie schlichten Streit, achten auf Gerechtigkeit und darauf, dass keiner ausgeschlossen wird: Alle werden toleriert, egal woher sie kommen! Anders als Streitschlichter haben Gleichwertigkeitscoaches einen festen Standpunkt, eine eigene Meinung. Sie gehen auf andere zu, wenn sie sehen, dass jemand ein Problem hat, und bieten ihre Hilfe an.

In den Ausbildungstreffen haben wir viel gelernt. Zum Beispiel, wie wir unsere Meinung vertreten können und uns nicht beeinflussen lassen. Wir können uns jetzt mit Hilfe von Rollenspielen besser in die Sichtweisen Anderer hineinversetzen und wissen, wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten können. Außerdem haben wir über die Rechte von Schülerinnen und Schülern und über Themen wie Mobbing oder Intoleranz auf Grund einer anderen Staatsangehörigkeit gesprochen.

Die Ausbildung war hilfreich und wir haben alle etwas für uns mitgenommen: Egal woher man kommt, ob aus der Türkei, aus Deutschland oder Spanien, ob vom Gymnasium, der Haupt- oder der Realschule - alle kennen dieselben Probleme und wollen eigentlich nur eines, nämlich in einer harmonischen Gemeinschaft leben, ohne Angst und Gewalt, ob körperlich oder verbal.“


Alex Lübeck, Lehrer an der Albert-Schweitzer-Realschule Solingen: „Ein
Erfahrungsbericht zum Anerkennungsaudit“


„An unserer Schule hat sich einiges getan. Weniger gut ist, dass wir mittlerweile personell unterbesetzt sind, wodurch sich die Arbeitsbedingungen strukturell verschlechtert haben. Dennoch bleiben wir ‚am Ball’ und sind froh darüber, dass wir im Schuljahr 2008/09 eine Gruppe von 15 Schülerinnen und Schülern haben. Die gute Nachricht: Die Hälfte der Gruppe wurde im letzten Schuljahr zu Gleichwertigkeitscoaches ausgebildet und ist immer noch mit genau so viel Einsatz und Engagement bei der Sache wie am Anfang. Die neu hinzu gekommenen Schüler lassen sich gerade von der guten Laune und dem Engagement anstecken.

Den ersten Teil des Audits haben wir mittlerweile mit jeweils einer Klasse der Jahrgänge 6 bis 10 durchgeführt. Die Coaches haben gemeinsam mit den Schülern den derzeitigen Zustand an unserer Schule anhand der Audit-Leitbilder geklärt. Anschließend wurde anhand eines Fragebogens ausgewertet: Wie ist es an unserer Schule um die einzelnen Leitbilder bestellt?

In einer ersten, überblicksartigen Auswertung kam heraus, dass die Leitbilder „Teilhabe an Entscheidungen“ und „Sich selbst aufwerten, indem andere abgewertet werden“ insgesamt am schlechtesten eingeschätzt wurden. Die Teilnehmenden nannten jedoch auch einige gute Anregungen zu konkreten Verbesserungsmöglichkeiten.

Unsere AG wird die Ergebnisse genauer auswerten, um sie dann in der Schule zu präsentieren. Anschließend entscheiden wir gemeinsam, in welchem Bereich wir an der Verbesserung der Situation weiterarbeiten möchten. Am Ende des Schuljahres werden wir das Audit wiederholen und die Ergebnisse vergleichen. Vielleicht wird das Audit-Projekt darüber hinaus auch fester Bestandteil einer schulinternen Evaluationskultur, die wir gerade mit dem Kollegium aufbauen.“



 

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