Region in Aktion

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Region in Aktion - Kommunikation im ländlichen Raum

© Amadeu Antonio Stiftung

 

Das Projekt fördert mit den Mitteln der kulturellen Bildung und darstellenden Kunst die Kommunikation, macht darüber Zivilgesellschaft sichtbar und stärkt so die demokratische Kultur in Zossen und Vorpommern.
Wir arbeiten mit interessierten, aktiven Menschen, Initiativen und Vereinen in den Regionen zusammen und freuen uns auch über Ihre Anregungen und Ideen!


Damerow hat wieder ein Café. Der Dorfchronist aus dem kleinen Ort in Vorpommern hat sich für einen Treffpunkt im Ort eingesetzt. Als er in den Bus einsteigt, in dem Vorpommeraner, Besucherinnen und Besucher sowie internationale Künstlerinnen und Künstler sitzen, schallt ihm Applaus entgegen. In den Augen der Reisenden ist er ein Held, einer, der einem kleinen verschlafenen Dorf wieder Leben eingehaucht hat.

Um regionale Heldinnen und Helden kennenzulernen hat die Amadeu Antonio Stiftung gemeinsam mit schloss bröllin e.V. aus Vorpommern, Zossen zeigt Gesicht aus Brandenburg und The Working Party aus Berlin das Projekt Region in Aktion – Kommunikation im ländlichen Raum initiiert, dessen Höhepunkt Anfang September mit einer außergewöhnliche Busreise und anschließendem Festessen stattfand.

Auf der Reise stellten lokale Vereine und Initiativen ihre Angebote vor und schufen vielfältige Begegnungen. Immer wieder hielten die Busse, damit die Reisenden Tanz und Theater auf Feldern und Plätzen erleben konnten. Dabei entstanden nachdenkliche, aber auch witzige Bilder: Vor dem Kulturhaus Kino Brüssow kehrte gerade eine Frau Pferdeäpfel von der Straße, während die Reisenden wenige Meter von ihr und mit Blick auf sie eine schauspielerische Annäherung an das Thema Kino-Helden verfolgten. Die Tour verband Theater und die Vorstellung der Initiativen. Auf unterhaltsame und kreative Weise wurde auf der Reise die Herausforderung gemeistert, Kommunikation zwischen den weit verstreuten zivilgesellschaftlichen Initiativen herzustellen und sie den Menschen in der Region vorzustellen. Zusammen mit den schauspielerischen Darbietungen und einer Audio- Collage mit Interviews von Menschen aus der Region zum Thema Helden entstand so ein Gesamtkunstwerk und Auseinandersetzung mit Heldenmythen und demokratischen Alltagshelden.
Der Abend wurde mit einem Erntedankfest der besonderen Art eingeleitet. Kaspar und Susanne, Aktionskünstler aus Stuttgart, sind über die Dörfer gefahren, haben Gärtnerinnen und Gärtner kennengelernt und aus ihrem Gemüse zwei Töpfe voller Suppe für 200 Gäste gekocht. Viele Gärtnerinnen und Gärtner sind zum Abendessen gekommen, einige waren schon auf der Busfahrt dabei. Ein Ehepaar, das Zucchini und Kartoffeln gespendet hat, zerschnitt feierlich das Band und eröffnete das Festessen.

In Vorpommern ist der demographische Wandel deutlich spürbar. Auch wenn der Trend zur Urbanisierung ein weltweites Phänomen ist, fällt es in kleinen Dörfern besonders auf wenn junge Menschen fehlen. In dieser Situation unterliegen öffentliche Strukturen einem starken Anpassungsdruck. Dies äußert sich beispielsweise so, dass Menschen gar bis zu 50km fahren müssen, wenn sie ihren Bürgermeister, Pfarrer oder Schulleiter persönlich sprechen möchten. In dieser Situation, die sehr großen Einfluss auf die alltägliche Kommunikation hat, tummeln sich mitunter auch rechtsextreme Ideologen, die mit scheinbar einfachen Lösungen für komplexe gesellschaftliche Probleme hausieren gehen. Bei manchen Bewohnerinnen und Bewohnern der Region können sie sich so als die einzigen „Kümmerer“ in der Region inszenieren und stellen eine wesentliche Gefährdung der demokratischen Kultur im Gemeinwesen dar.

Durch das Projekt Region in Aktion werden Personen, Vereine und Initiativen gestärkt, die diese Entwicklungen nicht unwidersprochen hinnehmen. Mit den Mitteln der darstellenden Kunst und kulturellen Bildung werden neue Formen gegenseitiger Wahrnehmung und Anerkennungskultur geschaffen. Dadurch kann eine Bühne für zivilgesellschaftliche Initiativen entstehen, die sich für eine demokratische Kultur in der Region einsetzen.

Die Suche nach lokalen Heldinnen und Helden fand in mehreren Schritten statt. Im ersten Teil wurden gemeinsam mit Akteuren aus der Region eine Sozialraumanalyse und aktivierende Befragung durchgeführt. Anschließend fanden auf Schloss Bröllin, einer internationalen Kunst- und Begegnungsstätte, von Künstlerinnen und Künstlern geleitete Workshops statt, deren Ergebnisse auf der Bustour einem breitem Publikum präsentiert wurden. Erstaunliche Geschichten wurden zutage gefördert und das Thema „Held/innen“ vielschichtig bearbeitet und ein so liebevoller Blick auf die Region präsentiert. Auch die Busfahrer von der kreislichen Verkehrsgesellschaft zeigten sich begeistert von der ungewöhnlichen Tour. „Wir wussten gar nicht, dass es das alles gibt!“


Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen des Programms "Zusammenhalt durch Teilhabe".

 

Kontakt

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Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

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Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

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