Chronik antisemitischer Vorfälle 2002

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Chronik antisemitischer Vorfälle 2002

© Ralf Fischer

 

Die vorliegende Chronik wurde in der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH nach Pressemeldungen bzw. Informationen von Projekten und Initiativen erstellt. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.



Berlin-Pankow
Am 11. Januar besprühen Unbekannte mehrere Wände und Stromverteilerkästen in der Stadt mit antisemitischen Parolen. Auf einer Hausfassade im Stadtteil Niederschönhausen steht mit roter Leuchtfarbe: "Juden raus aus Pankow".
(Berliner Zeitung, 23.1.02)

Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern)
Der Jüdische Friedhof wird am 30. Januar geschändet. Dabei werden alle 31 Grabsteine umgeworfen, ca. 75 Prozent davon zerschlagen sowie ein Davidstern herausgeschnitten.
(LOBBI M-V e.V.)

Dresden (Sachsen)
In der Nacht vor dem 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, schänden Unbekannte den Heidefriedhof. Sie beschmieren fünf Gedenk-Stelen mit roter Farbe und hinterlassen antisemitische Parolen, so zum vermeintlichen "israelischen Faschismus" oder der Drohung "Tod den jüdischen Mördern". Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof erklärt Dresdens Oberbürgermeister, es handele sich bei dem Anschlag um einen "dummen Jungenstreich".
(antifa Dresden, 27.1.02)

Rostock (Mecklenburg-Vorpommern)
In der Rostocker Südstadt werden am 28. Januar antisemitische Hetzsprüche an Häuserwänden bemerkt.
(LOBBI M-V e.V., 28.1.02)

Berlin-Tiergarten
Das jüdische Mahnmal auf der Putlitzbrücke wird Ende Januar mit einem 30x30 cm großen Hakenkreuz beschmiert.
(ND, 1.2.02)

Berlin-Mitte
Eine Gruppe betrunkener Jugendlicher in Bomberjacken, weiß geschnürten Stiefeln und mit dem Aufdruck „Kameradschaft Potsdam“ auf einigen Pullovern pöbelt Mitte Februar nachts in der gut besetzten S-Bahn mit antisemitischen Sprüchen die Fahrgäste an. Als sie schließlich zwei junge Frauen bedrängen, geht ein junger Student dazwischen und wird selbst attackiert, wobei ihn eine Bierflasche am Kopf trifft und verletzt. Er wird im Krankenhaus behandelt.
(Tagesspiegel, 15.2.02)

Wöbbelin/Raben-Steinfeld/Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern)
Unbekannte schänden am 25. Februar zwei Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus sowie den jüdischen Friedhof in Boizenburg. An allen drei Orten findet die Polizei abgetrennte Schweineköpfe. Zudem beschädigen die Täter in Wöbbelin eine Gedenktafel und beschmieren sie mit Hakenkreuzen. In Boizenburg besudeln die Täter das Eingangstor sowie einen Grabstein mit Nazisymbolen.
(Schweriner Volkszeitung, 26.2.02)

Rostock (Mecklenburg-Vorpommern)
Der jüdische Friedhof in Rostock wird in der Nacht zum 7. März geschändet. Auf vier Jugendliche aus der rechten Szene Rostocks konzentrieren sich die anschließenden Ermittlungen von Polizei und Staatsschutz. Den 16- bis 19-Jährigen wird zur Last gelegt, u. a. sieben Gräber auf dem neuen jüdischen Friedhof (Westfriedhof) geschändet und antisemitische Parolen an die Fassade der Kunsthalle geschmiert zu haben. (Schweriner Volkszeitung, 19.3.02)

Berlin-Mitte
Unbekannte Täter beschmieren am 13. März eine jüdische Gedenktafel am Hansa-Ufer mit einem Hakenkreuz. Der Staatsschutz ermittelt.
(Berliner Zeitung, 14.03.02)

Berlin-Charlottenburg
Am Abend des 16. März wird eine selbstgebastelte Rohrbombe auf den jüdischen Friedhof am Scholzplatz geworfen. Die sieben Fenster der Trauerhalle werden bei der Explosion zerstört. Es ist der zweite Anschlag auf den Friedhof, auf dem bereits im Dezember 1997 das Grab von Heinz Galinski durch einen Sprengstoffanschlag zerstört wurde.
(Tagesspiegel, 18.3.02)

Berlin-Charlottenburg
Am Ostersonntag, den 31. März, werden abends am Kurfürstendamm zwei junge amerikanische Juden Opfer eines antisemitischen Angriffs. Es wird vermutet, dass die sieben oder acht jungen Täter arabischer Herkunft sind. Als die als orthodoxe Juden erkennbaren jungen Männer die Synagoge in der Joachimstaler Straße verließen, wurden sie von mehreren Jugendlichen angepöbelt und schließlich geschlagen, getreten und zu Boden gestoßen. Passanten greifen nicht ein. Die Täter lassen schließlich von ihrem Opfer ab und flüchten.
(Berliner Zeitung, 3.4.02)

Berlin-Tiergarten
In der Nacht zum 2. April beschmieren Unbekannte das jüdische Mahnmal an der Moabiter Putlitzbrücke mit einem Hakenkreuz. Das Mahnmal erinnert an die Deportationen während der NS-Zeit.
(Berliner Zeitung, 3.4.02)

Berlin-Kreuzberg
Im April taucht auf Deutsch und Türkisch ein mehrseitiges antisemitisches Flugblatt der islamistischen Hizb ut-Tahrir auf. Darin heißt es einleitend: „Die Juden sind ein Volk der Lügen, ein Volk des Verrats, das Abkommen und Verträge bricht. Sie ersinnen Unwahrheiten und verdrehen den Wortsinn. Sie verletzen ungerechterweise die Rechte anderer, töten Propheten und Unschuldige und sind die größten Feinde der Gläubigen....“ Überschrieben ist dieses Flugblatt mit einem Auszug aus der Koran-Sure Al-Baqara: „Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben.“ (ZDK)

Drebach (Sachsen)
Das einzige jüdische Grab auf dem Friedhof in Drebach (Mittlerer Erzgebirgskreis) wird von Unbekannten geschändet. Dabei wird der Grabstein umgeworfen und die Bepflanzung herausgerissen. Die Kriminalpolizei ermittelt.
(Freie Presse Chemnitz, Polizeibericht 10.4.02)

Berlin-Mitte
10.000 Demonstranten, darunter zahlreiche linke Gruppen, versammeln sich am 13. April zur Demonstration für Palästina auf dem Alexanderplatz. Auf unzähligen Spruchbändern wird Israel als "nationalsozialistischer Staat" verunglimpft und mit dem "Dritten Reich" verglichen. Nach einem missglückten Sturm auf die amerikanische und die britische Botschaft grölen die aufgeputschten arabischen Jugendlichen zum Abschluss auf dem Potsdamer Platz "Sharon schwule Sau!", "Juden raus" und "Sieg Heil" mit ausgestrecktem Arm. Sie tragen Abbildungen mit einem Davidstern, in dessen Mitte ein Teufelskopf zu sehen ist. Deutsche Skinheads sympathisieren und grüßen mit "Heil Hitler“.
(ZDK, 13.4.02)

Berlin-Neukölln
Zwei jüdische Frauen im Alter von 21 und 58 Jahren werden am 14. April am Berliner U-Bahnhof Neukölln Opfer eines antisemitischen Angriffs. Eine der beiden Frauen trägt eine Halskette mit einem Davidstern. Einer der Täter reißt ihr den Schmuck vom Hals und schlägt ihr ins Gesicht. Auch ihre 58-jährige Mutter, die der Tochter zu Hilfe eilen will, wird ins Gesicht geschlagen. Beide Frauen erleiden Prellungen und müssen im Krankenhaus behandelt werden. Die Täter flüchten. Sie werden als "südländisch aussehend" beschrieben und sollen etwa 20 Jahre alt sein.
(taz, 16.4.02)

Dresden (Sachsen)
Am 17. April findet eine vom AusländerInnenrat Dresden angemeldete Kundgebung auf der Prager Straße unter dem Motto "Für einen gerechten Frieden im Nahen Osten" statt. Auf Plakaten und in Redebeiträgen wird u. a. allein Israel für die Gewalt im Nahen Osten verantwortlich gemacht. Personen, die mit einem Transparent "Gegen die antisemitische Hetze: Solidarität mit Israel" an der Kundgebung teilnehmen wollen, werden von der Polizei abgedrängt, nachdem der Versammlungsleiter erklärt hatte, sie seien nicht erwünscht. Auch der Dresdner Neonazi-Kader Ronny Thomas kann unbehelligt an der Veranstaltung teilnehmen.
(Antifa Dresden, Dresdener Neueste Nachrichten, 18.4.03)

Berlin-Pankow
In einem Innenhof wird Mitte April die Parole "Scharon ist ein Schwein, tötet die Juden!" angebracht.
(Jungle World, 24.4.02)

Berlin-Kreuzberg
Am 28. April wird auf die jüdische Synagoge am Fraenkelufer ein Brandanschlag verübt. Sicherheitskräfte können den Brandsatz rechtzeitig löschen. Die Täter sind unbekannt. Der Staatsschutz nimmt die Ermittlungen auf. Die Synagoge in Kreuzberg war in der Vergangenheit häufig Ziel von Anschlägen. Seit dem 11. September wurde der Polizeischutz für die jüdische Einrichtung mehrfach erhöht. Anwohner sind daher überrascht, dass es den Tätern trotz der Bewachung gelingen konnte, einen Brandsatz auf das Gebäude zu werfen.
(Tagesspiegel, 29.4.2002)

Dresden (Sachsen)
Am 1. Mai ziehen 200 Neonazis aus freien Kameradschaften in einem unangemeldeten Demonstrationszug gezielt an der Synagoge vorbei. (Bündnis gegen Antisemitismus Dresen, 1.5.02)

Berlin-Mitte
Am 10. Mai wird die Verwüstung eines leer stehenden Gebäudes der Israelitischen-Synagogen-Gemeinde Adass Jisroel in der Torstraße bekannt. Bei dem Einbruch in das ehemalige Krankenheim sind von Unbekannten systematisch Anlagen, Mobiliar, Türen und Scheiben zerstört worden.
(ND, 13.5.02)

Berlin-Wedding
Eine 47-jährige Jüdin wird am 19. Maiauf offener Straße mehrfach antisemitisch beschimpft und beleidigt. Die Polizei nimmt drei libanesische Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren fest. Die Frau war durch eine traditionelle Tasche für den Gebetsschal und auf Grund ihrer Kopfbedeckung als Jüdin erkennbar.
(Berliner Zeitung, 22.5.02)

Berlin-Tiergarten
Ein betrunkener Mann reißt am 28. Mai am Mahnmal in der Levetzowstraße neun Abdeckplatten heraus. Er wird festgenommen.
(ND, 29.5.02)

Berlin-Mitte
31. Mai, Technische Universität Berlin, Hauptgebäude. Vortragsveranstaltung der Hizb ut-Tahrir zum Nahostkonflikt: „Blutiges Palästina – Das heilige Land unter Aggression“. Referent Shaker Assem, repräsentatives Mitglied der Hizb ut-Tahrir, rechtfertigt die palästinensischen Selbstmordanschläge und verkündet die „vollständige Befreiung Palästinas, ohne einen Fußbreit übrig zu lassen“ als „göttliche Pflicht vor Allah“, die von jedem Muslim erfüllt werden müsse.
(ZDK, 31.5.02)

Görlitz (Sachsen)
Am 22. Juni findet ein Aufmarsch der ultra-revanchistischen IWG (Interessengemeinschaft für die Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands)durch die Görlitzer Südstadt statt, an dem auch 80 Neonazis, vor allem aus der lokalen Kameradschaftsszene, teilnehmen. Sie skandieren ungestört rechtsextreme, antiamerikanische und antisemitische Parolen. (Antifa Görlitz, 23.6.02)

Strasburg (Mecklenburg-Vorpommern)
In dem Ort bei Ueckermünde stoßen Unbekannte am 29./30. Juni elf Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof um.
(LOBBI M-V e.V.)

Berlin-Prenzlauer Berg
Vor der Synagoge in der Rykestraße grölt eine Gruppe von Männern antijüdische Parolen. Mitglieder der Jüdischen Gemeinde benachrichtigen die Polizei. Zwei der Täter werden festgenommen, die Übrigen können flüchten.
(Berliner Zeitung, 2.7.02)

Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern)
In der Nacht vom 5. zum 6. Juli beschmieren Neonazis Häuserwände und Stromkästen mit Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen. (LOBBI M-V e.V.)

Potzlow/Uckermark (Brandenburg)
Der 15-Jährige Marinus Schöberl wird am 12. Juli von drei Jugendlichen grausam ermordet. Marinus, der mit seiner Hip-Hop-Hose und seinen blond gefärbten Haaren dem Feindbild der drei rechtsextrem eingestellten Täter entspricht, soll zugeben, "dass er ein Jude ist". Er wird gezwungen, in die Kante eines steinernen Futtertroges zu beißen. Danach tritt ihm einer der drei mit den Springerstiefeln voller Wucht auf den Kopf. Die gleiche Szene hatte er in dem Film „American History X“ gesehen. Zweimal noch rammen die Täter einen Stein auf Marinus Schöberls Schädel. In einer Jauche-Grube wird er schließlich versenkt. Erst im November 2002 wird die Leiche des bis dahin vermissten Jungen gefunden. (Tagesspiegel, 19.11.02) Mehr auf mut-gegen-rechte-gewalt.de: Hintergrundreportage ; Chronik der Gerichtsverhandlung

Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern)
Am 4. August tauchen in der Kleinstadt Aufkleber mit antisemitischen Inhalten auf. Darauf werden Juden als Volkschädlinge beschimpft und Hakenkreuze abgebildet. (LOBBI M-V e.V.)

Leipzig (Sachsen)
200 Neonazis marschieren am 4. August unter Teilnahme des Kameradschaftsführers Christian Worch durch die Stadt. Auf dem Hin- und Rückweg zum Ostplatz skandieren sie verfassungsfeindliche und antisemitische Parolen: "BRD verrecke, Deutschland soll leben", "Massenmord in Palästina, Holocaust durch die Rabbiner". (Leipziger Volkszeitung, 5.8.02)

Below (Mecklenburg-Vorpommern)
In der Nacht zum 4. September wird auf die Gedenkstätte des Todesmarsches der KZ-Häftlinge, die sich im Belower Wald in der Nähe von Wittstock befindet, ein Brandanschlag verübt. Der Ausstellungsraum des Gebäudes brennt nahezu aus und mehrere einmalige Erinnerungsstücke an die Häftlinge werden zerstört. Auf eine Erinnerungsstele sprühen die Täter ein großes Hakenkreuz und zwei SS-Runen sowie antisemitische Parolen.
(Tagesspiegel, 6.9.02)

Grevesmühlen
Unbekannte schänden am 5. September einen jüdischen Gedenkstein. Sie sprühen mit roter Signalfarbe ein Hakenkreuz auf den Stein und sägen zwei Nadelbäume neben dem Stein ab.
(LOBBI M-V e.V.)

Bützow (Mecklenburg-Vorpommern)
Unbekannte schänden am 7. September den jüdischen Friedhof. Sie zerstören zehn Grabsteine mit einem Vorschlaghammer und besprühen die Grabsteine mit einem großen Hakenkreuz und SS-Runen. Einen Tag zuvor kündigte der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern an, den Schutz jüdischer Einrichtungen und Friedhöfe zu verstärken. Eine spezielle Ermittlungsgruppe zur Aufklärung der gehäuft auftretenden Schändungen jüdischer und antifaschistischer Gedenkstätten soll gebildet werden.
(Schweriner Volkszeitung, 9.9.02)

Potsdam (Brandenburg)
Für den 14. September ruft der NPD-Landesverband Berlin/Brandenburg zu einer Demonstration vom Potsdamer Hauptbahnhof aus durch die Innenstadt auf unter dem Motto: "Schluss mit der Masseneinwanderung russischer Juden - Deutschland uns Deutschen!".
(Antifa Potsdam, 5.9.02)

Berlin-Kreuzberg
Das Jüdische Museum eröffnet Ende September eine Ausstellung unter dem Titel "Ich bin kein Antisemit". Gezeigt werden 50 von insgesamt 350 Briefen, die die "Jüdische Allgemeine Wochenzeitung" und jüdische Persönlichkeiten in diesem Jahr erhalten haben. "Ich bin kein Antisemit" steht dabei häufig am Beginn dieser Briefe. Das Spektrum reicht von "persönlichen Beleidigungen und unverhohlen antisemitischen Texten bis hin zu besonnenem Nachdenken über die Konsequenzen solcher Diskussionen für die demokratische Kultur.
(Berliner Zeitung, 30.9.02)

Berlin-Tiergarten
In der Nacht zum 11. Oktober wird das jüdische Denkmal in der Levetzowstraße mit einem Hakenkreuz beschmiert. Es gibt keine Spur von den Tätern. Die Polizei fotografiert und entfernt das Symbol.
(taz, 14.10.02)

Negast (Mecklenburg-Vorpommern)
Unbekannte schmieren in der Nacht zum 19. Oktober rund 40 rechtsextreme und antisemitische Parolen an Häuserwände und Schaufensterscheiben.
(Schweriner Volkszeitung, 22.10.02)

Berlin-Charlottenburg
Die panislamistische Gruppe Hizb ut-Tahrir lädt am 27. Oktober in die Mensa der Technischen Universität zu dem Vortrag „Der Irak – ein neuer Krieg und die Folgen“ ein. Unter den fast 400 Zuhörerinnen und Zuhörern sind neben überwiegend arabisch- und türkischstämmigen Gästen auch NDP-Anwalt Horst Mahler und NPD-Chef Udo Voigt. In der dreistündigen Veranstaltung wird zum Kampf für das islamische Kalifat aufgerufen gegendie USA und Israel. Die so genannten Marionettenregierungen in der islamischen Welt werden zum Hauptfeind erklärt.
(ZDK, 27.10.02)

Berlin-Spandau
Bei der Rückbenennung der Spandauer Kinkelstraße in Jüdenstraße am 1. November will der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Alexander Brenner, eine Rede halten, aber statt Beifall erntet er Buhrufe, Pfiffe und schließlich antisemitische Beschimpfungen von wütenden Demonstranten, die sich gegen die Umbenennung wehren. Nach den antisemitischen Zwischenrufen bricht Brenner seine Rede ab. Bereits seit 1985 hatten die Spandauer Liberalen diese Rückbenennung gefordert. 17 Jahre lang war im Bezirk darüber diskutiert worden, ob die 1938 von den Nationalsozialisten umbenannte Straße ihren alten Namen wiederbekommen soll. Die Jüdische Gemeinde hatte sich immer wieder für die Rückbenennung in Jüdenstraße ausgesprochen.
(Tagesspiegel, 5.11.02)

Ückermünde / Torgelow / Löcknitz (Mecklenburg-Vorpommern)
Am 11. November teilt die Polizeidirektion in Anklam mit, dass am Wochenende zuvor an mehreren Orten der Region antisemitische Spruchbänder entdeckt worden seien. So ist auf dem jüdischen Friedhof in Ueckermünde ein Transparent gefunden worden, das zum Kampf gegen die "jüdische Weltbolschewisierung" auffordert. Bei Torgelow hängt ein Transparent mit der Aufschrift: "Erwehrt Euch der jüdischen Weltpest!" Das jüdische Denkmal in Löcknitz wird mit der Parole geschändet: "Stoppt das Finanzjudentum!".
(Jungle World, 20.11.02)

Schmücke (Thüringen)
In dem Ort nahe Oberhof halten am 17. November – dem Volkstrauertag – annähernd 70 Neonazis, zahlreiche von ihnen aus Nürnberg angereist, am Grabmal des unbekannten Soldaten eine Gedenkveranstaltung ab. Der Rechtsextremist Otmar Wallner warnt dabei vor "gewaltigen Dammbrüchen", die in einer Zeit "gegen die europäischen Völker losgetreten werden", in der "jene freimaurerischen und jüdisch-zionistischen Kräfte, die damals den Krieg zum Weltkrieg ausgeweitet haben, ... auf einen dritten Weltkrieg (zusteuern)“.
(Thüringer Verfassungsschutz, Nov. 2002)

Bochum (Nordrhein-Westfalen)
Unbekannte schänden eine Gedenktafel am Standort der ehemaligen jüdischen Synagoge mit einem großflächigen antisemitischen Schriftzug. (www.juden.de, 8.11.02)

Berlin-Moabit
Die jüdische Gedenktafel am Hansaufer wird beschmiert. Es handelt sich um eine Erinnerungstafel an den Rabbiner Menachem M. Schneerson. (Polizeipressedienst, 15.11.02)

Sömmerda (Thüringen)
In der Nacht zum 18. November beschmieren Unbekannte die Wände von zehn Gebäuden mit dem Davidstern und dem Wort "Jude". Dies geschieht u.a. am Wirtschaftseingang des Krankenhauses, an Garagen neben dem Ärztehaus, an einer Trafostation am Sportpark, bei OBI und an der Dresdner Bank. Obwohl die Schmierereien teilweise bereits gegen 6 Uhr durch Passanten festgestellt, gingen erst zwei Stunden später Meldungen bei der Polizei ein. (Thüringer Allgemeine, 20.11.02)

Berlin-Mitte
Am 9. Dezember besucht der israelische Präsident Mosche Katsav Berlin. 100 Anhänger der "Freien Kameradschaften" und der NPD demonstrieren in Mitte vom Bahnhof Friedrichstraße zum Schlossplatz gehend gegen den Staatsbesuch. Bei der Kundgebung skandieren sie "Hände weg von Palästina" und fordern die Berliner Bürger auf, gegen Waffenlieferungen an Israel zu protestieren. (taz, 11.12.02) Eine rechtsextreme Internetseite kommentiert den Staatsbesuch mit der Frage: "Ewig zahlen für den "Holocaust"?

Berlin-Reinickendorf
Während des Staatsbesuches des israelischen Präsidenten Mosche Katsav kommt es zu einem antijüdischen Zwischenfall. Unbekannte Täter werfen die Scheiben eines israelischen Geschäftes im Bezirk Reinickendorf ein. Da ein politischer Hintergrund vermutet wird, übernimmt der Staatsschutz die Ermittlungen. (taz, 11.12.03)

Angermünde (Brandenburg)
Unbekannte beschmieren am 18. Dezember das Büro des Vereins Pfeffer und Salz e. V. und das Auto eines Mitarbeiters mit rechtsextremen und antisemitischen Parolen. So wurde auf die Kühlerhaube mit schwarzer Farbe ein Davidstern und das Wort „Jude“ geschmiert. (aus der Chronik des Vereins, 18.12.03)

Leer (Niedersachsen)
Der Leeraner Stadtrat wählt Mitte Dezember den stellvertretenden CDU-Bürgermeister, Hendrik Hamer, wegen erklärten Antisemitismus ab. Der Einweihung einer Gedenkstätte, die an die Deportation und Ermordung der Juden Leers durch die Nationalsozialisten erinnern sollte, blieb der Bürgermeister demonstrativ mit der Begründung fern, er wolle einer „Industrialisierung des Holocausts“ nicht in die Hände arbeiten und finde, des Holocaust sei genügend gedacht worden. Hamer ist im Hauptberuf Lehrer. Schüler und Schülerinnen seiner Schule hatten die Eröffnungsfeier des Mahnmals gestaltet. (taz Bremen, 23.12.02)

 

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