Chronik antisemitischer Vorfälle 2003

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Chronik antisemitischer Vorfälle 2003

 

Die vorliegende Chronik wurde in der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH nach Pressemeldungen bzw. Informationen von Projekten und Initiativen erstellt. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.



Januar

Berlin
Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde, Chaim Rozwaski, erhält am 16. Januar per Post einen anonymen Brief mit den Worten "Lüge wird Wahrheit – Holocaust II". In dem Kuvert befindet sich auch eine kleine Tüte mit einer schwarzen Substanz, vermutlich Asche. Der 67 Jahre alte Rabbiner ist empört: Er habe als Kind den Holocaust überlebt und müsse nun erleben, »wie sehr der Antisemitismus in Deutschland wieder gewachsen ist«. Der vor mehr als vier Jahren aus den USA nach Deutschland gekommene Rozwaski ist schon öfter angepöbelt worden. Rozwaski zog sich Ende 2001 auch den Hass der NPD zu. Der Vorsitzende der rechtsextremen Partei, Udo Voigt, drohte ihm mit einer Strafanzeige. Rozwaski hatte, wie viele Berliner, gegen einen geplanten NPD-Marsch durch das einst von vielen Juden bewohnte Scheunenviertel protestiert.
(Tagesspiegel, 17.1.03)

Dortmund (Nordrhein-Westfalen)
An einer Fußgängerbrücke über der A 45 befestigen Unbekannte am 21. Januar ein Bettlaken mit antisemitischen Parolen. Zahlreiche empörte Anrufer lösen einen Polizeieinsatz aus. Der Staatsschutz nimmt die Ermittlungen auf.
(taz, 22.1.03)

Berlin
Der Berliner Filmproduzent Artur Brauner ist seit der Uraufführung seiner letzten Produktion »Babij Jar« mit Morddrohungen konfrontiert. Seit Wochen erhält der 84-Jährige Anrufe mit der Drohung, dass er die Deutschland-Premiere des Films nicht erleben werde. Außerdem wurde ihm prophezeit, dass jene Kinos demoliert würden, die seinen Film zeigen. Ein Sprecher der Berliner Polizei teilt mit, Brauner habe bisher wegen der Drohungen gegen seine Person keine Anzeige bei den Behörden in Berlin erstattet. Dementsprechend sei der Vorgang der Polizei nicht bekannt.
(Die Welt, 25.1.03)

Februar

Rohrlack (Brandenburg)
In dem kleinen Dorf in Brandenburg kommt es seit Anfang des Jahres immer wieder zu Übergriffen auf einen 41-jährigen Mann. Außerdem erhält er Drohbriefe mit antisemitischem Inhalt von einem 24-jährigen Skinhead. Der Konflikt eskaliert, als der Skinhead wegen der Drohbriefe am 20. Februar verurteilt wird. In der Nacht randaliert er vor dem Haus seines Opfers und richtet in Trunkenheit eine Waffe auf den Mann. Wenige Tage später findet die Polizei bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des Skinheads Munition, die unter das Kriegswaffen-Kontrollgesetz fällt.
(Ruppiner Anzeiger 1.3.03; Opferperspektive Brandenburg)

Bensheim (Hessen)
Die Gedenkstätte für die in der Reichspogromnacht zerstörte Synagoge wird geschändet. Die Täter versuchen, mit einem Stein eine aus Panzerglas bestehende Scheibe einzuwerfen, hinter der sich ein Bild der Erbauung der Synagoge befindet. Anfang Februar wird die Schändung vom Jugendbündnis gegen Rassismus und der Stadt zur Anzeige gebracht.
(indymedia.org, 8.2.03)

München (Bayern)
Mitte Februar wird bekannt, dass zahlreiche Haushalte einen gefälschten Brief erhalten haben, in dem, bezogen auf den anstehenden Irak-Krieg, Kriegshysterie geschürt und antisemitische Stimmung verbreitet werden soll. In dem Brief, der das Logo der Landeshauptstadt verwendet und die gefälschte Unterschrift des Oberbürgermeisters trägt, heißt es: München drohe der Einsatz einer »schmutzigen Atombombe«, wenn die Stadt nicht auf Mithilfe beim Bau eines jüdischen Kulturzentrums verzichte.
(aol-Nachrichten, 14. 2.03)

Pirna (Sachsen)
Bei einer Anti-Kriegsdemonstration am 22. Februar demonstrieren auch Neonazis, unter ihnen der Aktivist Ronny Thomas und andere aus dem Umfeld des rechtsextremen Klubs »Thor« gegen einen Irak-Krieg. Sie tragen ein antisemitisches Transparent, auf dem u. a. eine Bombe mit der israelischen Fahne abgebildet ist.
(Antifa Pirna, 22.2.03)

Halle (Sachsen-Anhalt)
Bei der wöchentlichen linken Friedensdemonstration mischen sich am 22. Februar auch ca. 60 bekennende Neonazis mit Fahnen und Transparenten unter die Teilnehmer. Sie verteilen Flugblätter, über ein Megafon erschallt die Parole »Massenmord in Palästina – Holocaust durch die Rabbiner!«
(Antifa Halle, 22.2.03)

März

Zepernick (Brandenburg)
Ein makabrer Fund wird der Polizei in Zepernick übergeben. Ein Zeuge hat an einer Hauswand einen etwa 40 Zentimeter langen Knochen gefunden, auf den ein Davidstern geschmiert wurde. Eine pathologische Untersuchung ergibt, dass es sich um einen Oberschenkelknochen einer etwa 40 Jahre alten Frau handelt. Der Knochen war höchstwahrscheinlich einmal vergraben worden. Die Liegezeit des Knochens wird auf rund 60 Jahre geschätzt. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der Volksverhetzung und der Störung der Totenruhe.
(ddp/PNN 4.3.03)

Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Am 1. März organisieren die »Freien Nationalisten« eine Kundgebung vor der Jüdischen Gemeinde in Magdeburg gegen die »Volksverbrechen Israels«. Diese Kundgebung wird von Florian Fuhrmann, einem bekannten rechtsextremen Anti-Antifa-Aktivisten aus Magdeburg, angemeldet. Die Antifa organisiert daraufhin eine Gegenkundgebung in der Innenstadt, um auf die antisemitische Hetze der Neonazis hinzuweisen.
(Antifaschistisches Aktionsbündnis Magdeburg, 2.3.03)

Anklam (Mecklenburg-Vorpommern)
Der »Kameradschaftsbund Anklam« trommelt am 1. März zahlreiche Anhänger von der Insel Usedom, aus Ducherow, Ueckermünde und der Uckermark zu einer Demonstration gegen den Irak-Krieg zusammen. Auf einem Plakat ist zu lesen: »Illuminaten stoppen« oder »Terror ist ein Meister aus USA und Israel« - diee anachronistische Drehung eines Celan-Zitats.
(Nordkurier, 3.3.03)

Dresden (Sachsen)
Auf die Ankündigung der Stadt an die Betreiber des rechtsextremen Jugendklubs »Thor«, den Mietvertrag Ende April 2003 aufzuheben, reagieren anscheinend rechtsextreme Internet-Nutzer am 6. März mit einer Eintragung im Gästebuch des Klubs: »Unsere Antwort ist Auschwitz«.
(Antifa Dresden, 6.3.03)

Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Am 8. März marschiert die »Friedensbewegung von NPD und freien Kameradschaften« durch die Stadt. Die Demonstranten brüllen lautstark rechtsextreme und antisemitische Parolen.
(Ostseezeitung, 12.3.03)

Cottbus (Brandenburg)
500 Cottbusser gehen am 10. März gegen den Krieg im Irak auf die Straße – mit ihnen demonstrieren »Freie Kameradschaften« unter der Parole »Freiheit für alle Völker«. Bei weiteren Kundgebungen in anderen Orten in der Lausitz nutzen Rechtsextreme mehrfach die Gelegenheit, gegen die USA und Israel zu hetzen. (Lausitzer Rundschau, 11.3.03)

Berlin-Charlottenburg
Vier junge, türkisch aussehende Männer schlagen am 23. März auf der Straße den 21-jährigen Rabbi-Studenten Mendel D. aus Detroit, der ihnen nach einem Hochzeitsbesuch in der Jüdischen Gemeinde an der Fasanenstraße begegnet. Danach gehen die vier Männer unbehelligt weiter, kein Passant versucht, die Angreifer aufzuhalten, auch in einer Bar gleich am Tatort will niemand etwas gesehen haben. Es ist bereits die zweite Strafanzeige, die der junge Amerikaner in Berlin erstattet. Dennoch will er sich nicht entmutigen lassen und weitere vier Monate in der Stadt bleiben, sich nicht verstecken und öffentlich seine Kippa tragen. Mendel D. arbeitet in der jüdischen Organisation »Chabad Lubawitsch« an der Augsburger Straße in Charlottenburg.
(Berliner Morgenpost, 25.3.03)

Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen)
In der Nacht zum 30. März beschmieren unbekannte Täter das Mahnmal für die ehemalige jüdische Synagoge in Gelsenkirchen-Buer mit dem schwarzen Schriftzug »Arbeit macht frei«.
(www.juden.de, 31.3.03)

April

Zwickau (Sachsen)
In der Nacht vom 20. auf den 21. April werden auf dem jüdischen Friedhof 52 Grabsteine aus ihren Verankerungen gerissen und umgeworfen. Die meisten davon werden beschädigt und sechs der Steine völlig zerstört. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang zum Hitlergeburtstag am 20. April.
(Initiative Augen auf Zittau, 25.4.03)

Chemnitz (Sachsen)
Unbekannte schänden ein jüdisches Restaurant, indem sie einen abgeschlagenen Schweinekopf vor die Tür werfen.
(Initiative Augen auf Zittau, 25.4.03)

Berlin-Kreuzberg
Ende April findet im Hof eines Milli Görüs Moschee- und Kulturhauses am Kottbusser Tor die islamische Buchmesse statt, auf der zahlreiche antisemitische und islamistische Bücher auf Deutsch und Türkisch verkauft werden.
(ZDK)

Mai

Neustadt (Schleswig-Holstein)
Eine antisemitische Schändung des jüdischen Friedhofs wird am 4. Mai entdeckt. Auf einen Grabstein schmieren die Täter mit roter Farbe die Zeichen »C18« und lassen ein aufgeschlitztes Ferkel zurück. Bereits Ende Mai brüstet sich die neonazistische Organisation »Combat 18 Deutschland« auf ihrer Website mit der Schändung des Friedhofs und übernimmt die Verantwortung für den Anschlag. Die 18 steht für AH - Adolf Hitler. Combat 18 ist der deutsche Ableger einer rechtsextremen englischen Terrororganisation. Auch Hasstiraden gegen Juden und Drohungen gegen den Bürgermeister, den Landrat und den Staatsanwalt finden sich auf der Internetseite.
(Lübecker Nachrichten, 15.7.03)

Gotha (Thüringen)
Auf dem Hauptfriedhof beschmieren Unbekannte nachts den Obelisken, der im Gräberfeld des Alliiertenhains steht, sowie das Sowjetische Ehrenmal mit Hakenkreuzen und Davidstern. Für Unmut sorgt eine Äußerung des Oberbürgermeisters, wonach die Schändung nicht publik gemacht werden solle. Die Stadt erstattet jedoch Anzeige.
(Thüringer Landeszeitung, 8.5.03)

Bad-Kreuznach (Rheinland-Pfalz)
Zwischen dem 5. und 12. Mai übersteigen Unbekannte den Zaun zum jüdischen Friedhof und sprühen auf acht der 13 Grabsteine mit schwarzem Lack Hakenkreuze, SS-Runen und antisemitische Parolen. Der materielle Schaden beträgt rund 2000 Euro.
(Main-Rheiner, 20.5.03)

Berlin
Ein 56-jähriger Mann aus Mitte wird am 11. Mai von einer Gruppe ausländischer Jugendlicher in einem Bus angegriffen, mit »Drecksjude« beschimpft und ins Gesicht getreten, weil er einen Davidstern an einer Kette um den Hals trägt. Der Mann wird im Krankenhaus behandelt.
(Berliner Zeitung, 13.5.03)

Juni

Berlin-Mitte
Unbekannte Täter beschädigen das jüdische Mahnmal in der Rosenstraße. Auf der Rückseite der mittleren Skulptur wird ein Stück des Steines auf einer Fläche von 50 mal 50 Zentimetern herausgeschlagen. Der Staatsschutz ermittelt.
(ddp, 7.6.03)

Hagen (Nordrhein-Westfalen)
Zeitgleich mit einer Veranstaltung mit Paul Spiegel anlässlich der Ausstellung »Rassismus in Deutschland« marschieren am 3. Juni rund 60 Neonazis aus der Region unter der verhöhnenden Losung »Der Rassismus ist ein Meister aus Israel«. Einer der Redner, ein Mitglied des NRW-Landesvorstands der NPD, skandiert über das Mikro die Parole »Internationale Völkermordzentrale Israel«.
(Blick nach rechts, 12. 6. 03)

Berlin-Kreuzberg
Eine Gruppe von etwa 15 Personen betritt am 13. Juni ca. 23.30 Uhr den Heinrichplatz, entrollt ein (unleserliches) Transparent und stoppt den Verkehr. Eine Palästina-Flagge wird geschwungen. Eine Israel-Flagge wird geschwungen. Die Israel-Flagge wird in Brand gesetzt. Die Gruppe skandiert »Solidarität mit Palästina« und »Judenschweine!«. Von den umliegenden Kneipen am belebten Heinrichplatz sind vereinzelte Protestpfiffe zu hören. Die Israel-Flagge verbrennt fast vollständig. Die Gruppe rollt ihr Transparent ein und verschwindet zügig im Dunkeln Richtung Skalitzer Straße, Dauer der Aktion: ca. 5 Minuten.
(ZDK, 13.6.03)

Berlin-Wedding
Am Nachmittag des 18. Juni hat der Bildhauer Gunter Demnig drei Messingplatten, so genannte »Stolpersteine«, vor dem Haus in der Badstraße 64 in das Pflaster eingelassen. Solche »Stolpersteine« informieren deutschlandweit an den ehemaligen Wohnorten über die Opfer, ihre wichtigsten Lebensdaten und Schicksale. Am nächsten Vormittag sind die Steine herausgerissen und verschwunden, das Loch ist mit Erde aufgefüllt. »Das ist das erste Mal, dass so etwas passiert«, äußert sich der Bildhauer betroffen. Er hat in Deutschland inzwischen rund 2500 dieser Steine verlegt, etwa 550 davon in Berlin. Der Bürgerverein Luisenstadt e. V., bei dem das Projekt »Stolpersteine« angesiedelt ist, erstattet Anzeige gegen Unbekannt, das Landeskriminalamt ermittelt. Der Projektkoordinator hofft, dass Augenzeugen weiterhelfen können.
(ND, 26.6.03)

Zittau (Sachsen)
Im Zeitraum zwischen dem 4. und dem 25. Juni verwüsten Unbekannte den jüdischen Friedhof in Zittau. Sie stürzen 31 Grabsteine um und zerstören dabei zehn Grabplatten. 5500 Euro beträgt die Schadenshöhe der Verwüstungen. Die Görlitzer Polizeidirektion leitet die Ermittlungen ein, erwartet jedoch keine schnellen Erfolge, die zur Aufklärung des Vorfalls beitragen könnten. Ein extremistischer Hintergrund wird zwar nicht ausgeschlossen, die Tat könnte aber auch ein »dummer Jungenstreich« gewesen sein, heißt es.
(Sächsische Zeitung, 28.6.03)

Berlin-Schöneberg
Eine 14-jährige Schülerin wird in einem Linienbus Opfer eines gewalttätigen Übergriffes, weil sie einen Davidstern als Kettenanhänger am Hals trägt. Bei den vier Täterinnen handelt es sich vermutlich um Türkinnen oder Kurdinnen. Als sie den Davidstern-Anhänger bemerken, beleidigen und beschimpfen sie das Mädchen und schlagen auf ihr Opfer ein. An der nächsten Haltestelle flüchten sie.
(Berliner Morgenpost, 1.7.03)

Juli

Norderstedt (Schleswig-Holstein)
Unbekannte Täter zerstören Anfang Juli die Erinnerungstafel an der KZ-Gedenkstätte Wittmoor. Mit Hammer und Meißel schlagen sie die Zahl »6« im Satz: »Wir gedenken der 6 Millionen Juden, die in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden«, weg.
(Hamburger Abendblatt, 5.7.03)

Berlin-Reinickendorf
Zum 1. Juli muss ein koscheres Lebensmittel- und Delikatessengeschäft schließen, das im Mai 2002 als »Israel-Deli« eröffnet wurde. Die lokalen Zeitungen berichteten mehrmals von eingeworfenen Schaufenstern und davon, dass die Autoreifen des Betreibers zerstochen wurden. Zunächst kamen Angehörige der Neonazi-Szene aus dem Berliner Umland und beschimpften den Besitzer mit »Judensau« und ähnlichen Ausdrücken. Dann fanden sich auch arabisch sprechende Jugendliche ein, die den Gästen immer wieder in das Essen spuckten, so dass niemand mehr dort essen wollte. Von Lebensmittelverkäufen allein kann sich der Laden nicht tragen. Auch die Israel-Fahne wurde abgebrochen. Versuche des Geschäftsinhabers, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, schlugen fehl. Polizeiliche Sicherungs- und Bewachungsmaßnahmen hat der Inhaber abgelehnt.
(www.berlin-judentum.de, 7.8.03)

Berlin-Prenzlauer Berg
Ein Mieter befestigt zu Beginn des Irak-Krieges eine Israel-Fahne am Fenster seiner Wohnung. Wenige Monate später fordert ihn die Hausverwaltung auf, die Fahne zu entfernen, da diese den Hausfrieden störe. Einige Mieter hätten sich über diese Art der politischen Meinungsäußerung beschwert. Um einer fristlosen Kündigung zuvorzukommen, kündigt er noch am selben Tag den Mietvertrag zum Ende des Monats August 2003.
(taz, 15.7.03)

Potsdam (Brandenburg)
Ein 17-jähriger alternativer Jugendlicher wird abends auf der Ernst-Thälmann-Straße von fünf Rechtsradikalen verfolgt. Er wird umringt, mit antisemitischen und fremdenfeindlichen Äußerungen beschimpft und mit einem Messer bedroht. Es gelingt ihm wegzulaufen.
(MAZ, 2.7.03)

Berlin-Tiergarten
Unbekannte bewerfen das jüdische Mahnmal an der Levetzowstraße am 9. Juli mit Kleinpflastersteinen und beschädigen es.
(Berliner Morgenpost 10.7.03)

Berlin-Treptow
Am Jugendklub Audio in Johannisthal werden am 14. Juli Hakenkreuze, antisemitische Sprüche und Drohungen gegen den dortigen Sozialarbeiter gesprüht.
(Antifa Treptow)

Vaihingen/Enz (Baden-Württemberg)
In der Nacht vom 22. zum 23. Juli wird der KZ-Friedhof geschändet. Dabei werden Hakenkreuze und SS-Runen auf die Tafeln gesprüht, deren Aufschrift eindeutig der hebräischen Sprache zuzuordnen sind. Schon vor einigen Jahren wurden hier mehr als 130 Grabsteine mit antisemitischen Parolen und Hakenkreuzen besprüht.
(Antifa Vaihingen, 4. 8. 03)

Halberstadt (Sachsen-Anhalt)
In der KZ-Gedenkstelle Langenstein-Zwieberge in Sachsen-Anhalt werden Hetzplakate gegen Juden geklebt. Bei den insgesamt zehn Plakaten, die am 27. Juli entdeckt werden, handelt es sich um Kopien von Zeitungsseiten aus der Nazi-Zeit. Besucher der einstigen Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald entfernen die Plakate und übergeben sie Verantwortlichen der Gedenkstätte. Die Täterbleiben unentdeckt. (Frankfurter Rundschau, 30.7.03)

Löcknitz (Mecklenburg-Vorpommern)
Am 29. Juli wird bekannt, dass Unbekannte mit einem schweren Gegenstand auf den jüdischen Gedenkstein eingeschlagen haben. Dabei wird eine größere Ecke vom oberen Teil abgeschlagen. Dies ist nach Ansicht der Kripo nur mit roher Gewalt möglich, denn das Denkmal besteht aus Granitstein. Weiterhin sind mehrere Einschlagstellen im oberen Teil des Denkmals sichtbar. Auch auf den Stern in der Mitte des Gedenksteines wurde eingehämmert, so dass einige Teile des Sternes nicht mehr erkennbar sind.
(Nordkurier, 1.8.03)

August

Ambach (Nordrhein-Westfalen)
Der Bürgermeister der Gemeinde erfährt Anfang August, dass ein Bushäuschen schon seit längerer Zeit beschmiert ist mit deutlich lesbaren Texten mit antisemitischem Inhalt. »Hast Du im Garten eine Eiche stehen, will ich daran einen Juden hängen sehen«, lautet eine der Aufschriften. Eine weitere: »Ein Polizist ist genau so viel wert wie fünf Juden«. Anzeigen oder Beschwerden liegen dem Bürgermeister, der die Schmierereien beseitigen lässt, nicht vor.
(Merkur online, 11.8.03)

Kassel (Hessen)
Auf einem jüdischen Friedhof im Kasseler Stadtteil Bettenhausen werden Mitte August mehr als 50 Gräber geschändet. Unbekannte Täter stürzen bis zu 900 Kilo schwere Grabsteine um oder lassen angehobene Grabsteinplatten fallen. Es entsteht ein Schaden von etwa 25.000 Euro.
(taz, 19.8.03)
Vier Wochen später wird gemeldet, dass die Grabschändung teilweise aufgeklärt sei und es sich offenbar nur um »jugendlichen Vandalismus« handele.
(AP, 17.9.03)

September

Dessau (Sachsen-Anhalt)
Auf dem israelischen Friedhof werden im August drei Grabsteine aus ihrer Verankerung gestemmt. Auf die Reihe regelmäßiger antisemitischer Übergriffe in Sachsen-Anhalt macht das Anti-Diskriminierungs-Büro Sachsen-Anhalt mit Sitz in Dessau aufmerksam.
(Mitteldeutsche Zeitung, 16.9.03)

Leegebruch (Oberhavel)
Anfang September schänden Unbekannte das Mahnmal für die Zwangsarbeiter des früheren Konzentrationslagers Sachsenhausen. Vor dem Mahnmal formen sie aus Steinen ein Hakenkreuz.
(taz, 4.10.03)

Dortmund (Nordrhein-Westfalen)
Unbekannte haben auf dem jüdischen Friedhof in Dortmund-Wickede Grabsteine umgeworfen und das dort aufgestellte Mahnmal zerstört. Der Friedhof, der heute nur noch aus ein paar wenigen Grabsteinen und einem Mahnmal besteht, soll daran erinnern, dass sich dort einmal ein jüdischer Friedhof befand, der während der Zeit der Nazi-Herrschaft zerstört wurde.
(ND, 7.9.03)

München (Bayern)
Eine rechtsextreme »Kameradschaft Süd« hat einen Anschlag auf die Baustelle eines jüdischen Gemeindezentrums in der Münchner Stadtmitte geplant. Die Bombe sollte in der Nacht zum 9. November gezündet werden, an dem Tag, an dem im Beisein von Bundespräsident Johannes Rau der Grundstein für das Zentrum gelegt wird. Diese Pläne werden am 11. September bekannt, nachdem bundesweit mehrere Wohnungen verdächtiger Personen durchsucht wurden, so auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gruppe um den Neonazi Martin Wiese hatte eine Reihe möglicher Anschlagziele auf ihrer Liste, darunter die Münchner Synagoge, Moscheen und eine griechische Schule. In ihrem Visier war auch Bayerns SPD-Spitzenpolitiker Franz Maget. Die Polizei stellt bei der Neonazi-Gruppe 14 Kilo Sprengstoff sicher, darunter 1,7 Kilo hochexplosives TNT.
(AFP, 11.9.03)

Berlin-Charlottenburg
Zu einer Kundgebung treffen sich am 13. September vor der Gedächtniskirche rund 15 Personen mit Irak- und Palästinafahnen sowie einem großen Transparent mit der Aufschrift »Zionismus ist Faschismus«. Mit der Kundgebung soll gegen Israel sowie gegen die amerikanische Besatzung im Irak demonstriert werden.
(de.indymedia.org, 13.09.03)

Staßfurt (Sachsen-Anhalt)
Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr wird der jüdische Friedhof geschändet. Die Verwüstungen werden am 14. September entdeckt. Nach Anschlägen im Frühjahr sowie im Juni sind nun erneut Grabsteine umgestoßen worden und somit alle Gräber verwüstet. Die Polizei schließt einen rechtsradikalen Hintergrund nicht aus, ermittelt aber bislang erfolglos.
(Mitteldeutsche Zeitung, 16.9.03)

Efringen-Kirchen (Baden-Würtemberg)
Unbekannte Täter haben auf dem jüdischen Friedhof den Eingangsbereich und 45 Grabsteine mit Hakenkreuzen sowie den Worten »Heil Hitler« beschmiert.
(Badische Zeitung 17.9.03)

Berlin-Kreuzberg
Vier Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren randalieren am Jüdischen Museum in der Lindenstraße und übersteigen die Mauer zum Garten.
(Berliner Zeitung, 22.9.03)

Lübbenau (Brandenburg)
In Lübbenau werden in der Nacht zum 22. September beim Kulturhof, in dem in der kommenden Woche die "Interkulturelle Woche Schalom" stattfindet, mehrere Fenster eingeworfen und ein Davidsstern an eine Wand gesprüht. Die Polizei sieht keinen politischen Hintergrund (Potsdamer Neueste Nachrichten, 23.9.03)

Bremen-Hastedt
In unmittelbarer Nähe zum jüdischen Friedhof – bis heute der einzige in Bremen – prangen auf Stromkästen, Zigarettenautomaten und Hauswänden »Juden Raus«-Schriftzüge. NPD-Aufkleber und Republikaner-Sprüche kleben daneben, sofern sie nicht von Hastedter Antifaschisten überklebt wurden. Junge Leute von »solid – sozialistische Jugend« versuchen, Bürger und Institutionen im Osten Bremens auf die antisemitischen Parolen aufmerksam zu machen – ohne große Resonanz.
(taz Bremen, 24.9.03)

Berlin-Kreuzberg
Die »Stolpersteine« für das jüdische Ehepaar Aron und Elsbeth Dobkowsky werden am 24. September aus dem Straßenpflaster vor deren ehemaligem Wohnhaus an der Coubièrestraße 16 gerissen. Die Steine waren erst einen Tag vorher aus Anlass des Besuchs der heute 80jährigen Tochter der Ermordeten gelegt worden. Sie reiste zur Einweihung aus Israel an.
(Berliner Morgenpost, 24.9.03)

Berlin-Mitte
Am 27. September wird das Denkmal in der Rosenstraße mit tiefen Kratzspuren geschändet. Es ist der 1. Tag Rosch haSchana, das jüdische Neujahrsfest. Drei Tage später werden erneut neue Schändungsspuren an den Gesichtern einiger Figuren entdeckt.
(haGalil, 27. und 30.9.03)

Berlin-Mitte
Auf dem jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße weist der Gedenkstein für Moses Mendelssohn neue Schändungsspuren auf. Von dem Grabstein sind zwei Stücke herausgeschlagen.
(haGalil, 28.9.03)

Alfter (Nordrhein-Westfalen)
»Unbekannte besudeln Glaubensdenkmäler am Heimatblick«, meldet am 28. September der Bonner Generalanzeiger. Ortsvorsteher und Bürger sind entrüstet nach der Besichtigung der Schmierereien auf und rund um den Judenfriedhof. Steine und Statuen sind mit Lackspray beschmiert – auf dem Zeitungsfoto sind große Hakenkreuze zu erkennen.
(Bonner Generalanzeiger, 28.9.03)

Berlin-Schöneberg
Im Bayrischen Viertel erinnert ein dezentrales Denkmal »Orte des Erinnerns« an die Ausgrenzung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung. Der Schaukasten mit den 80 Straßenschildern und einem Stadtplan mit den Straßenführungen von 1933 und 1993 wird in der Nacht zum 28. September zertrümmert.
(haGalil, 28.9.03)

Oktober

Dachau (Bayern)
Die Dachauer CSU lehnt Ende September im Stadtrat einen Antrag für eine neue Zufahrt für die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau ab. Jahrelang wurde darüber diskutiert, alle Experten hatten sich für eine neue Straßenführung ausgesprochen. Die Besucher könnten so auf demselben Weg ins Lager gelangen wie damals die Häftlinge. Die CSU stimmt nun dagegen, weil die Anlieger durch den Besucherstrom stark belastet würden. Bereits Anfang August äußert Robert Konopka, Abgeordneter der Republikaner in Dachau, in einer Fernsehreportage gegenüber israelischen Journalisten, dass die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Dachau geschlossen und möglichst abgerissen werden sollte. »Nach fünfzig Jahren ist der Augenblick gekommen, uns nicht mehr vorzuhalten, dass wir schuldig sind«, so Konopka. Auch mehrere Bürger der Stadt beklagen gegenüber den Journalisten den angeblichen schlechten Ruf der Stadt Dachau.
(haGalil, 2.10.03)

Potsdam (Brandenburg)
Zwei russisch sprechende Jüdinnen werden am 2. Oktober abends in der Straßenbahn von einem etwa 30-Jährigen Mann als »Scheiß-Juden« beschimpft und ins Gesicht geschlagen.
(Opferperspektive Brandenburg, 2.10.03)

Berlin-Neukölln
Eine Gedenktafel für Heinrich Stahl, bis 1942 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, wird in der Nacht zum 3. Oktober geschändet. Unbekannte Täter verhängen die Erinnerungstafel an der Hauswand und beschmieren die Wand mit zwei etwa 50 Zentimeter hohen Hakenkreuzen. Hinweise auf die Täter gibt es nicht. Der Staatsschutz ermittelt. Heinrich Stahl wurde 1942 im KZ Theresienstadt umgebracht. (taz, 4. 10. 03)

Neuhof (Hessen)
Der CDU-Abgeordnete Martin Hohmann hält bei einer Feierstunde zum 3. Oktober eine Wahlkreis-Rede, die von antisemitischen Anspielungen und Stereotypen durchzogen ist. Im Zusammenhang mit Verbrechen, die während der kommunistischen Revolution in Russland begangen wurden, erklärt er wörtlich: »Mit einer gewissen Berechtigung könne man im Hinblick auf die Millionen Toten dieser ersten Revolutionsphase nach der »Täterschaft« der Juden fragen.« Hohmann belegt seiner Ansicht nach, »wie stark und nachhaltig Juden die revolutionäre Bewegung in Russland und den mitteleuropäischen Staaten geprägt haben.« »Das mag erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet.« So folgert Hohmann schließlich, weder »die Deutschen, noch die Juden« seien ein »Tätervolk«. Der Beitrag steht zunächst auf der Internetseite der CDU Neuhof, wird dann aber nach kritischen Medienberichten entfernt. Mitte November schließt die CDU/CSU-Bundestagsfraktion den Abgeordneten Martin Hohmann aus der Fraktion nach breitem Protest gegen die Äußerungen aus.
(mehr und Quellen dazu hier)

Gudensberg (Hessen)
Unbekannte schänden den jüdischen Friedhof in der Nähe von Kassel. Sie sprühen mit roter Farbe Hakenkreuze, SS-Symbole und Parolen wie »Sieg Heil«, und »Heil Hitler« auf 42 Grabsteine und das Friedhofstor.
(taz, 13.10.03)

Ravensbrück (Brandenburg)
Das Denkmal »Müttergruppe« vor den Toren der Gedenkstätte des ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück wird in der Nacht zum 12. Oktober geschändet. Eine Mitarbeiterin entdeckt am Morgen auf dem Weg zur Arbeit die rechtsextremistischen und antisemitischen Parolen. Das Denkmal für die 150 000 weiblichen Häftlinge des KZ zeigt drei Frauen. Auf einer Figur ist der Schriftzug »C 18« zu erkennen, das Zeichen der rechtsextremen Terrorgruppe Combat 18. Um den Hals einer Statue hängt ein Holzschild mit einem durchgestrichenen Davidstern und dem Schriftzug »Tod der ZOG«, eine Abkürzung der Rechtsextremisten für »Zionist Occupied Gouvernement«.
(Berliner Zeitung, 14.10.03)

Berlin-Kladow
Am 15. Oktober werden mindestens 50 Flugblätter mit antisemitischem Inhalt rund um den Glienicker See verteiltt. Auf den Schreiben werden »jüdische Alteigentümer von Seegrundstücken« verunglimpft und beschuldigt, für zwei Giftanschläge aus dem Sommer des Jahres verantwortlich zu sein. Baumwurzeln in der Nähe des Sees waren mit Gift begossen, ein Badeverbot verhängt worden. Amtsdirektor Moritzen sind keine jüdischen Alteigentümer bekannt, er spricht von antisemitischen Unterstellungen und »übelster Nachrede«. Von den Tätern der Giftanschläge als auch von den Urhebern der Hetzflugblätter fehlt jede Spur.
(Berliner Zeitung, 16.10.03)

Beeskow (Brandenburg)
Antisemitische Parolen werden an den Mauern des jüdischen Friedhofs entdeckt. Auf mehreren Grabsteinen haben unbekannte Täter Hakenkreuze und »Sieg Heil«-Parolen geschmiert.
(ddp, 16.10.03)

Hannover (Niedersachsen)
Der Schriftsteller Ralph Giordano tritt am 16. Oktober in der Johannes-B.-Kerner-Show im ZDF auf. Daraufhin schickte ein Juwelier aus Hannover eine antisemitische Mail an den 80-Jährigen. Giordano zeigt den Juwelier wegen Volksverhetzung an. (taz, 5.11.03)

Fehrbellin (Brandenburg)
Am 23. Oktober werden am ehemaligen jüdischen Friedhof rechtsextreme Symbole entdeckt. Unbekannte haben eine Hinweistafel und einen Gedenkstein mit zwei Hakenkreuzen und SS-Zeichen beschmiert.
(ND, 25.10.03)

November

Berlin-Mitte
Ein jüdischer Gedenkstein in der Mollstraße wird von Unbekannten mit roter Farbe beschmiert. Der Gedenkstein in einer Grünanlage erinnert an ein Pogrom im Jahre 1510, bei dem 38 Juden ums Leben kamen.
(taz, 6.11.03)

Berlin-Tiergarten
Das Jüdische Mahnmal an der Putlitzbrücke wird erneut geschändet. Unbekannte beschmieren es mit Farbstiften und versuchen, ein Hakenkreuz einzuritzen.
(ND, 6.11.03)

Extertal-Bösingfeld (Nordrhein-Westfalen)
In der Nacht zum 5. November beschädigen Unbekannte eine jüdische Gedenkstätte, die an die ermordeten jüdischen Bürger von Exertal erinnert. Die Gedenkstätte, die erst noch eingeweiht werden sollte, war im Rahmen eines Schülerprojekts entstanden.
(Jungle World, 20.11.03)

Sprockhövel (Nordrhein-Westfalen)
Das jüdisches Mahnmal der Familie Röttgen wird vor der für den 9. November geplanten Einweihung zerstört. Unbekannte brechen die noch verhüllte, in eine Mauer eingelassene 1,60 Meter hohe Metalltafel ab.
(WAZ, 10.11.03)

Neuhof (Hessen)
Ein selbst hergestelltes großes Plakat mit antisemitischem Inhalt stellen unbekannte Täter im Heimatort von Martin Hohmann in der Nacht des 15. November auf. (Fuldainfo 17.11.03)

Löcknitz (Mecklenburg-Vorpommern)
Unbekannte beschädigen in der Nacht zum 17. November das jüdische Denkmal im Landkreis Uecker-Randow schwer. Die Ecken werden abgeschlagen, religiöse Symbole zerstört und die niedergelegten Kränze in entfernte Anpflanzungen geworfen. Der Gedenkstein war erst kurz zuvor nach seiner Instandsetzung wieder auf seinem alten Platz aufgestellt worden.
(Ostseezeitung, 18.11.03)

Berlin-Tiergarten
Das jüdische Mahnmal an der Putlitzbrücke wird erneut geschändet. Polizeibeamte entdecken am 18. November Schäden an mehreren Kränzen, die im Gedenken an die Pogromnacht niedergelegt worden waren.
(Berliner Morgenpost, 19.11.03)

Berlin-Mitte
Tagesspiegel-Mitarbeiter entdecken am 19. November Hetzsprüche und antijüdische Parolen in unmittelbarer Nähe des im Bau befindlichen Holocaustmahnmals an der Ebertstraße in Mitte an zwei Stromkästen und einem Bauschild direkt neben dem Denkmalgelände. Die Schrift zeigt in allen drei Fällen in Richtung des Tiergartens und ist deshalb von Passanten in der neu angelegten Allee gut zu sehen. Im einzelnen steht dort: »BRD Jüdische Gesinnungsdiktatur« an einem Bauschild, »Journalisten Hilfsjuden« und »Radio TV Judenfunk«. Die zehn Zentimeter hohen Buchstaben sind mit Filzstift in rot und schwarz geschrieben. Wegen des Schutzanstriches gegen befürchtete Schmierereien am Mahnmal selbst hatte es in den vergangenen Wochen heftigen Streit gegeben. Die Produktion der Betonstelen des Denkmals für die ermordeten Juden war zwischenzeitlich gestoppt worden, da es innerhalb des Stiftungskuratoriums Auseinandersetzungen um den Einsatz eines Anti-Graffiti-Mittels der Firma Degussa gab. Kuratoriumsmitglied Alexander Brenner, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin, hatte sich bis zuletzt dafür eingesetzt, Degussa vom Bau auszuschließen. Die Degesch, eine Tochter der Firma Degussa, hatte in der NS-Zeit das Gift Zyklon B vertrieben, mit dem Millionen Juden in Konzentrationslagern ermordet wurden.
(Tagesspiegel, 20.11.03)

Hagen (Nordrhein-Westfalen)
Die Hagener Synagoge und das jüdische Gemeindehaus werden am 21. November von Unbekannten massiv mit antisemitischen, aber auch antiamerikanischen Parolen beschmiert. Noch in der Vorwoche sei die Sicherheitslage überprüft worden, so die Polizei. Ab sofort werde die Synagoge wieder rund um die Uhr von einer mobilen Wache geschützt, wie bereits in den Jahren zuvor. Im Dezember werden die Täter gefasst: Vier Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren mit griechischem Background, die damit ihre Kritik an Israel und den USA zum Ausdruck bringen wollten.
(Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 24.11.03; ddp, 03. Dezember)

Berlin-Charlottenburg
Jährlich demonstrieren in Berlin am letzten Samstag des Ramadan, dem so genannten »Al Quds Tag« (Jerusalem-Tag), rund Tausend Islamisten aus ganz Deutschland sowie Anhänger der militanten Hisbollah und fordern die »Zerschlagung und Vernichtung des zionistischen Staates«. Erstmals haben Privatleute, darunter Politiker, Künstler und Professoren, gegen die Demonstration protestiert. Die Berliner Polizei allerdings sieht keine Handhabe, die Demonstration zu verbieten, schließlich seien »keine schweren Straftaten« zu erwarten. So protestieren 1000 Muslime aus verschiedenen Teilen Deutschlands am 22. November für die »Befreiung Palästinas und Jerusalems«. Die gegen die israelische »Besatzungspolitik« gerichtete Demonstration verläuft trotz der strengen Auflagen nicht ohne Zwischenfälle Zu Beginn des Aufmarsches wird ein Demonstrant festgenommen, weil er ein Schild bei sich trägt mit der Aufschrift »Juden sind Mörder«. Weitere 30 bis 40 Schilder werden beschlagnahmt. Demonstranten geben in Befragungen antisemitische Parolen von sich wie »Tod allen Juden« und sprechen vom zionistischen Komplott gegen die islamische Welt.
(Frankfurter Rundschau; taz, 24.11.03)

Vlotho (Kreis Herford)
Das Bielefelder Amtsgericht beschlagnahmt am 25. November die September/Oktober-Ausgabe der Zeitschrift »Stimme des Gewissens«, die die Vernichtung der europäischen Juden während der NS-Zeit als Lüge bezeichnet hatte. Gegen den Redakteur aus dem niedersächsischen Rothenburg/Wümme und die Herausgeberin soll nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt werden. Ebenfalls beschlagnahmt wurden Adresslisten der Abonnenten und Computer. Die Auflage der Zeitschrift wird auf 2.500 Exemplare geschätzt. Es handelt sich bei der »Stimme des Gewissens« um eine von dem Verein »Collegium Humanum e. V.« herausgegebene Zeitschrift. Der Verein betreibt in Vlotho eine Bildungsstätte, die seit Jahrzehnten auch von Rechtsextremisten unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung genutzt wird.
(NRW News, 25.11.03)

Berlin-Kreuzberg
Aus einer Gruppe von rund 20 Jugendlichen pöbeln am 27. November drei junge Ausländer einen 24-Jährigen Mann an und beleidigen ihn, weil er eine jüdische Kippa trägt. Der Mann kann in eine Erste-Hilfe-Station flüchten. Bevor die von dort aus alarmierten Beamten eintreffen löst sich die jugendliche Gruppe auf.
(epd, 27.11.03)

Dezember

Dortmund (Nordrhein-Westfalen)
In Dortmund werden sechs von sieben Grabsteinen einer jüdischen Gedenkstätte großflächig mit blauer Farbe beschmiert. Unter anderem werden Hakenkreuze und SS-Runen aufgesprüht.
(e110.de, 4.12.03)

Achim (Schleswig-Holstein)
Unbekannte Neonazis haben den jüdischen Friedhof in Achim geschändet. Vier Grabsteine sind seit Sonntag mit Hakenkreuzen, SS-Zeichen und Naziparolen verschmiert worden. Anwohner hatten die Folgen des Spuks in der Dunkelheit entdeckt und gemeldet.
(Achimer Kreisblatt, 9.12.03)

Berlin-Tiergarten
Ein letzes Mal in diesem Jahr wird das jüdische Mahnmal an der Putlitzbrücke geschändet (insgesamt vier Mal). Aus einem vorbeifahrenden Fahrzeug werfen unbekannte Täter zwei graue und beigefarbene Farbbeutel gegen das Mahnmal, so ein Polizeisprecher. Ein unbekannt gebliebener Passant alarmiert die Polizei.
(Berliner Morgenpost, 17.12.03)

Antisemitismus über Funk
In Bonn fragte ein ortsunkundiger Fahrer über Taxifunk nach dem Weg zur Synagoge. Daraufhin brüllte ein Kollege ins Mikrofon: „Alle in die Luft sprengen, diese Juden.“ Dem aus Afghanistan stammenden Fahrer wurde daraufhin auf unbefristete Zeit die Funklizenz entzogen, außerdem erstattete die Taxi-Zentrale Anzeige wegen Volksverhetzung. Die Ehefrau des Taxifahrers bezeichnete den Vorfall als „ärgerlichen Ausrutscher“. (Kölner Express, 29.12.03)

 

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