Chronik antisemitischer Vorfälle 2004

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Antisemitische Vorfälle 2004



Januar

Nickenich (Rheinland-Pfalz)
Jüdischer Friedhof geschändet
Zwischen dem 11. und 17. Januar haben unbekannte Täter auf dem jüdischen Friedhof in Nickenich zehn Grabsteine umgeworfen, aus zwei Steinen Bruchstücke herausgeschlagen, auf vier weitere Grabsteine mit schwarzer Farbe die Worte "Satan", "Judas", Pentagramme und die Zahl "666" aufgesprüht und ein Grab einen halben Meter tief ausgehoben. Die Polizei in Koblenz hat eine Belohnung von 2500 Euro für Hinweise auf die Täter ausgesetzt.
(Bonner General-Anzeiger, 22.01.2004)

Berlin
Ausstellung zerstört
In Berlin-Mitte haben am Montagabend, den 19.01.2004, unbekannte Täter eine Ausstellung über Jüdisches Leben beschädigt, die in einem Wohnhausflur in der Brunnenstraße hing. Ausstellungstafeln wurden von den Wänden gerissen. Die Kriminalpolizei ist überzeugt, dass es sich um eine Tat aus politischen Motiven handelt.
(Berliner Morgenpost, 20.01.2004)

Weiden (Bayern)
Schmierereien in der Damentoilette
In Weiden (Bayern) wurden Bänke sowie Fliesen und Trennwände der Damentoilette am Zentralen Omnibusbahnhof mit antisemitischen Parolen und Hakenkreuzen beschmiert. (Oberpfalznet, 29.01.2004)

Berlin
Mahnmal für Außenlager des KZs Sachsenhausen geschändet
Vom Mahnmal auf dem Gelände des ehemaligen Außenlagers des KZ Sachsenhausen in Berlin-Steglitz sind Gedenkkränze gestohlen worden, die erst am Nachmittag des gleichen Tages niedergelegt wurden. Die Polizei fand Reste der Kränze unweit des Mahnmals auf der Böschung des Teltowkanals. (ddp/e110.de, 29.01.2004)



Februar

Gotha (Thueringen)
14 Grabsteine umgeworfen
Auf dem jüdischen Friedhof in Gotha sind am Wochenende von Unbekannten 16 Gräber geschändet worden. Auf 14 dieser Gräber wurden die Grabsteine umgeworfen. Zwei der Grabsteine wurden beschädigt.
(e110.de, 2.2.2004)

Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein)
Gedenkstätten geschändet
In Kaltenkirchen haben mutmaßlich Rechtsextreme die Kriegsgräber-Gedenkstätte und die KZ-Gedenkstätte Moorkaten geschändet. Alle Gedenksteine und Informationstafeln wurden so mit gelber Farbe beschmiert, dass jegliche Information, wer dort ruht, unkenntlich gemacht wurde. Außerdem malten die Täter Hakenkreuze und SS-Runen ins Gras.
(Hamburger Abendblatt, 17.02.2004)

Berlin
Gedenkstein mit Hakenkreuzen beschmiert
Im Berliner Stadtteil Steglitz-Zehlendorf haben Unbekannte am 16. Februar einen Gedenkstein für die Opfer des Holocaust mit vier Hakenkreuzen beschmiert.
(Jungle World, 25.02.2004)

Berlin
Gedenkstein für KZ-Opfer geschändet
Wie am 21. Februar entdeckt wurde, haben Unbekannte einen Gedenkstein für KZ-Opfer geschändet, indem sie den Stein in Berlin-Lichterfelde mit Hakenkreuzen beschmierten.
(ddp/e110.de, 22.02.20)

Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
"Jude" auf Verlagsauto gesprüht
Am Wochenende vor Rosenmontag (20. /21. Februar) wurde in Wuppertal der Dienstwagen und die Hoftür eines Verlages mit antisemitischen Parolen besprüht - offenbar, weil in einer Zeitschrift des Verlages über regionalhistorische Themen ein Artikel über die Widerstandsgruppe der "Edelweißpiraten" erschienen ist. In gelber Farbe sprühten der oder die Täter das Wort "Jude" auf die Motorhaube des Dienstwagens. Alle vier Autoreifen wurden zerstochen, ein Kratzer rund um den Wagen gezogen. An die Hoftür sprühten der oder die Täter ein "J!"
(die tageszeitung, 26.02.04)

Grabow (Mecklenburg-Vorpommern)
Jüdischer Friedhof geschändet
Unbekannte haben auf dem jüdischen Friedhof in Grabow die Gedenktafel mit Farbe beschmiert. (ddp, 26.02.2004)

Bochum (Nordrhein-Westfalen)
Wagen eines Rabbiners von Rechtsextremen demoliert
In der Nacht zu Freitag, dem 27. Februar, haben Unbekannte den Wagen eines Bochumer Rabbiners demoliert. Alle vier Reifen wurden zerstochen, auf allen Türen und der Motorhaube wurden Hakenkreuze in den Lack geritzt.
(e110.de / ddp, 28.02.2004)

Berlin
Hetzplakate am Holocaust-Mahnmal
Die rechtsextreme NPD hat um die Baustelle des Holocaust-Mahnmals in Berlin-Mitte rund 40 Hetzplakate angebracht, die das Denkmal als "Sühne-Erlebnispark" verunglimpfen.
(Neues Deutschalnd, 09.02.2004)



Maerz

Neuruppin, Fehrbellin (Brandenburg)
Denkmal in Neuruppin und Gedenkstein in Fehrbellin geschändet
Am Wochenende (6./7. März) ist in Neuruppin ein Denkmal für das jüdische Volk und in Fehrbellin ein jüdischer Gedenkstein beschmiert worden. Die unbekannten Täter sprühten SS-Runen und antisemitische Sprüche, laut Polizeiangaben u.a. "Arbeit macht frei" und "Jedem das Seine".
(ddp / e110.de, 08.03.2004)

Berlin
Mahnmal beschmiert
In Berlin-Mitte wurde das jüdische Mahnmal im Siegmunds Hof mit Buchstaben in weißer Farbe beschmiert. Laut Polizeiangaben sei ein politischer Hintergrund nicht erkennbar. Entdeckt wurde die Schändung am 20. März.
(Berliner Morgenpost, 22.03.2004)

KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen (Brandenburg)
Rasenbrand in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen
Am Dienstagabend kam es auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg (Brandenburg) zu einem Rasenbrand. 150 Quadratmeter Trockenrasen standen in Flammen. Die benachbarten Baracken wurden durch das Feuer nicht beschädigt. Zeugen gaben an, zuvor zwei Jugendliche beim Zündeln beobachtet haben. Nun sollen die Aufzeichnungen der Videoüberwachung zur Aufklärung der Brandursache und zur Identifierzung der Täter beitragen.
(rbb-online, 24.03.2004)

Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein)
Randale auf Gedenk- und Gräberstätte
Am 28. März schänden unbekannte Täter die Kaltenkirchener KZ-Gedenkstätte Springhirsch und die Gräberstätte Moorkaten. Die Täter zerschlagen mit einem Holzknüppel die Fensterscheiben des Dokumentenhauses in der KZ-Gedenkstätte. Ein Eisengitter hindet sie aber daran, einzusteigen. Vermutlich dieselben Täter reißen auf der Gräberstätte Moorkaten Bänke um und zerstören Pflanzen.
(Jungle World, 14.04.2004)

Walldorf (Thueringen)
Friedhof verwüstet
Auf dem jüdischen Friedhof im südthüringischen Walldorf sind am 29. März 91 der 200 Grabstellen verwüstet worden.
(taz, 31.03.2004)

Straßfurt (Sachsen-Anhalt)
Kurhaus mit antisemitischen Parolen beschmiert
Unbekannte haben am 15. März 2004 an das Kurhaus von Straßfurt die Parole "Töted die Juden" (Fehler im Original), einen Davidsstern und die Aufforderung "kill" gesprüht.
(Mobile Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Sachsen-Anhalt)



April

Berlin
Hakenkreuz auf Mahnmal der jüdischen Gemeinde
In Berlin beschmierten unbekannte Täter ein Mahnmal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mit einem Hakenkreuz und SS-Runen. Die Tat wurde am Ostersamstag entdeckt.
(rhein-main.net / dpa, 12.04.2004)

Bausendorf (Rheinland-Pfalz)
Friedhofsschändung mit Nazi-Symbolen
In Bausendorf (Rheinland-Pfalz) wurden auf dem jüdische Friedhof fünf Grabsteine mit nationalsozialistischen Symbolen und Parolen in roter Farbe beschmiert. Ein Spaziergänger entdeckte die Schändung.
(e110.de, 18.04.2004)

Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mahnmal für Zwangsarbeiter beschädigt
Am 13. April 2004 wurde ein Mahnmal für jüdische Zwangsarbeiter auf dem Westfriedhof in Köln beschädigt.
(Jungle World, 28.04.2004)

Dessau (Sachsen-Anhalt)
Drohung an Ehefrau des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Dessau
Am 20. April 2004 ritzten Unbekannte einen Davidstern in die Leuchtreklame der Gynäkologie-Praxis, die von der Ehefrau des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Dessau betrieben wird.

(Mobile Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Sachsen-Anhalt)



Mai

Leipzig (Sachsen)
Auto von engagiertem Pfarrer beschmiert
Der Pfarrer der Thomaskirche, Christian Wolff, berichtete, sein Auto sei in der Nacht zum 1. Mai mit einem Hakenkreuz und einem anderen Nazisymbol beschmiert worden. Wolff hatte sich öffentlich engagiert für den Bau eines jüdischen Begegnungszentrums eingesetzt, den einige Anwohner zu verhindern versucht hatten.
(Neues Deutschland, 03.05.2004)

Halle (Sachsen-Anhalt)
"Stolpersteine" herausgerissen
In der Nacht zum 7. Mai rissen Unbekannte acht "Stolpersteine" aus Gehwegen in Halle. Die vom Künstler Gunter Demnig gestalteten Metallplatten erinnern vor Wohnhäusern an Jüdinnen und Juden, die aus diesen zur NS-Zeit deportiert worden waren. Die Hallenser Stolpersteine waren erst am Tag zuvor gesetzt worden. Die Polizei schließt einen politischen Hintergrund der Tat nicht aus.
(Mitteldeutsche Zeitung, 07.05.2004)

Berlin
Gedenktafel beschmiert
In Berlin-Spandau ist die jüdische Gedenktafel in der Kammerstraße mit antisemitischen und volksverhetzenden Parolen beschmiert worden. Die Tat wurde am Montag, den 17. Mai, von einem Mitarbeiter des Bezirksamtes entdeckt.
(yahoo-nachrichten, 18.05.2004)

Grünefeld (Brandenburg)
"Judenklub" statt "Jugendklub"
In Grünefeld (Brandenburg) sind in der Nacht zum 19.05.2004 Wände und Fenster des Jugendklubs und ein Bushäuschen beschmiert worden. Gesprüht wurde die Drohung "Der Klub wird zerlegt". Außerdem machten die unbekannten Täter aus dem "Jugendklub" einen "Judenklub".
(Märkische Allgemeine Zeitung, 21.05.2004)

Pinnow (Mecklenburg-Vorpommern)
Gedenksteine mit Nazisymbolen beschmiert
Zwischen Pinnow und Schwerin sind erneut Gedenksteine an den Todesmarsch von KZ-Häftlingen mit Nazisymbolen beschmiert worden.
(Lobbi e.V., West, 24.05.2004)

Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Antisemitische Wirtschaftsnachrichten
Die Publikation "Der Freie Berater" verkauft sich als Informationsdienst für wirtschaftliche Anlagen. Im Angebot hat das Blättchen Antisemitismus. Es hat sich "den Juden" zum Angriffsziel erkoren. "Des Weiteren muss es in dieser Nation möglich sein, den Juden zu kritisieren wie den Moslem oder den Christen und ihn auch öffentlich zu verurteilen". Als Beleg werden Zitate aus Henry Fords antisemitischer Schrift "Der Internationale Jude" und aus den "Protokollen der Weisen von Zion zitiert". Kein Wunder: Zumindest einer der Herausgeber ist als Aktivist der Neuen Rechten bekannt.
(Neues Deutschland, 25.05.2004)



Juni

Berlin
Jüdischer Tourist ins Gesicht geschlagen
Berlin-Tourist Yeshayahu S. (50), derzeit in Baltimore (USA) lebender Israeli jüdischen Glaubens, läuft am 03. Juni durch die Sonnenallee in Berlin-Neukölln, als ihn zwei arabisch aussehende Männer auf die Kippa auf seinem Kopf ansprechen. In Deutsch und Englisch fragen sie: "Bist Du Jude?" Sie selbst geben sich als Palästinenser aus. Nachdem S. sich weigert, mit ihnen über Politik zu diskutieren, schlägt ihm einer der beiden Männer die Kippa vom Kopf. Als S. sie aufhebt, prügelt der Mann auf ihn ein. Yeshayahu S. kommt mit Schwellungen über dem rechten Auge ins Krankenhaus.
(Berliner Kurier, 04.06.2004; Berliner Zeitung, 04.06.2004)

Essen (Nordrhein-Westfalen)
5 x 2 Meter großes "Juden raus"
Unbekannte Täter schmierten in Essen in orangener und grüner Farbe ein Hakenkreuz und die Parole "Juden raus" in der Größe von fünf mal zwei Metern (!) auf die Nierenhofer Straße.
(Pressestelle Polizei Essen, 16.06.2004)

Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern)
"Sharon ins KZ"
An der Reppiner Burg im Stadtteil Mueß in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) haben unbekannte Täter mit einem Farbmarker auf ein Geländer, eine Sitzbank, einen Papierkorb und eine Bank antisemitische und antiamerikanische Schmierereien geschrieben. Unter anderen stand dort "Juden raus", "Sharon ins KZ", "Amis raus" und "Ami go home". Mueß gilt als Treffpunkt für Rechtsextreme.
(mv-regio, 24.06.2004)

Bochum (Nordrhein-Westfalen)
"Juden raus" rufe auf Demo
Bei einer von der NPD organisierten Demonstration gegen den Neubau einer Synagoge in Bochum skandieren am 26. Juni Neonazis "Juden raus". Nach einer längeren Pause lassen sie "...aus Palästina" folgen.
(idgr.de, 09.07.2004)

Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen)
41 jüdische Gräber geschändet
In Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) wurde der alte jüdische Friedhof an der Esperantostraße von Rechtsextremen geschändet. 41 Grabsteine wurden mit Hakenkreuzen und Hassparolen beschmiert. Auf einen Grabstein schrieben die Täter "Der Jude muss sterben", Kindergräber beschmierten sie mit SS-Runen. Der Friedhof wurde vor zwei Jahren schon einmal geschändet.
(Express Düsseldorf, 28.06.2004)

Alsbach-Hähnlein (Hessen)
Jüdischer Friedhof geschändet
Unbekannte Täter haben im hessischen Alsbach-Hähnlein den jüdischen Friedhof geschändet. Die Täter werfen zwei Grabmale um und ritzen in sieben weitere Steine Hakenkreuze. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Störung der Totenruhe, Sachbeschädigung und Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen.
(ddp, 07.06.2004)

Pirna (Sachsen)
Antisemitische Schmierereien auf dem Sonnenstein
Am 21.06.2004 entdeckte die Polizei auf dem Sonnenstein in Pirna in silbergrauer Farbe gesprühte Hakenkreuze, Doppelsiegrunen und "Heil Hitler"-Symbole. Zum Teil erreichen die Schmierereien bis zu 1,20 Meter Größe. Sie waren auf Informationstafeln, einem Verteilerkasten der Telekom, einem Altkleidercontainer und auf Fahrbahnen angebracht. In einem Hauseingang schmierten die Täter zudem "Juden raus" an die Wand.
(Sächsische Zeitung, 22.06.2004)

Gardelegen (Sachsen-Anhalt)
Antisemitische Propaganda in der Innenstadt
In der Einkaufsstraße von Gardelegen sprühen am 27. Juni Neonazis an ca. 15 Häuser und Geschäfte mit einer Schablone die Parole „Wir sind wieder da“ und daneben das Bild eines Vermummten, der den Hitlergruß zeigt. An das ehemalige Gebetshaus der jüdischen Gemeinde – in dem sich heute ein Modegeschäft befindet, vor dem eine Gedenktafel an die ehemalige Funktion des Hauses erinnert – sprühen die unbekannten Täter ein Hakenkreuz. Die Stadt Gardelegen hat Anzeige erstattet, vermutet wird ein gezielte antisemitische Aktion von Neonazis. Am Abend des 26. Juni hatten Polizeibeamte an einer Kiesgrube im nahegelegenen Peckfitz eine Feier mit rund 70 Rechten aufgelöst.
(Mobile Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Sachsen-Anhalt)
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Wildeshausen (Niedersachsen)
Zerstörung des Gedenksteins
Ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Synagoge in Wildeshausen wird in der Nacht zum 19. Juni von unbekannten Tätern zerbrochen - die zwei Meter hohe Granitstele wird umgestoßen.
(Jungle World, 30.06.2004)



Juli

Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen)
Familie unter "Juden raus"-Rufen angegriffen
In Düsseldorf greifen Neonazis in der Nacht zum 09. Juli das Haus einer fünfköpfigen Familie an, deren Erwachsene Stadtratskandidaten für die PDS und Mitglieder der DKP sind. Die Angreifer treten die Wohnungstür ein und brüllen dabei "Juden raus". Sicherheitsglas verhindert, dass die Täter eindringen können. Es entsteht erheblicher Sachschaden.
(idgr.de, 09.07.2004)

Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen)
"Stolperstein" mit Teer übergossen
Noch ein antisemitischer Akt in Düsseldorf: Im Stadtteil Bilk wurde ein so genannter Stolperstein zur Erinnerung an ein Opfer des Nationalsozialismus mit Teer übergossen.
(Jungle World, 14.07.2004)

Pirna (Sachsen)
Hetzaufkleber von Neonazis
Im Juli 2004 kleben in Pirna und der Region Neonazis Aukleber mit der Aufschrift "Schluss mit dem Holocaust - Deutscher willst du ewig zahlen?". Herausgeber ist der in Pirna ansässige rechtsextreme Versand "Berkana".

Hagen (Nordrhein-Westfalen)
Couragierter Jude wird von Jugendlichen mit Messer bedroht
Ein 15-jähriger Deutscher türkischer Abstammung und zwei Begleiter laufen am 27. Juni 2004 an der Synagoge in Hagen vorbei und brüllen dabei "Scheiß Juden!" Ein 69-jähriger jüdischer Deutscher will den Rufer zur Rede stellen - dieser zieht daraufhin ein Messer Er und seine Begleiter lassen erst von dem Mann ab, als dieser nach einer Eisenstange greift, um sich zu verteidigen.
(Jungle World, 27.07.2004)

Oranienburg (Brandenburg)
Skulptur beschädigt
Am 24. Juli wird im ehemaligen KZ-Außenlager Klinkerwerk eine Skulptur beschädigt.
(Neues Deutschland, 27.07.2004)



August

Berlin
Mahnmal mit Hakenkreuz beschmiert
Wieder einmal wurde das jüdische Mahnmal in der Levetzowstraße in Berlin-Tiergarten Ziel einer antisemitischen Schändung. Unbekannte beschmierten das Mahnmal mit einem Hakenkreuz. Die Tat wurde kurz vor einer Veranstaltung mit Emigranten am Mahnmal entdeckt.

(e110.de, 15.08.2004)
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Nordhausen (Thueringen)
KZ-Gedenkstätte mit Parolen besprüht
Unbekannte Täter haben eine zwei mal drei Meter große Hinweistafel in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in der Nähe von Nordhausen mit antisemitischen Parolen besprüht. Außerdem hätten die Täter unter anderem am Eingang zu einer Stollenanlage, in der die KZ-Häftlinge
Zwangsarbeit leisten mussten, Transparente mit rechtsextremistischem Inhalt angebracht, berichtet die Gedenkstätte.
(Der Standard, 17.08.2004)
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Schwarza (Thueringen)
Gräber beschädigt, Steine zerbrochen
Auf dem jüdischen Friedhof in Schwarza (Thüringen) wurden 22 Grabsteine mit roher Gewalt umgeworfen, mindestens drei davon sind zerbrochen.
(Ostthüringer Zeitung, 17.08.2004)
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Bad Saarow (Brandenburg)
Antisemitische Äußerung von PDS-Fraktionschef
Der stellvertretende Bürgermeister und PDS-Fraktionschef von Bad Saarow (Oder-Spree), der Psychiater Dr. Bernd Gestewitz, behauptet am 20. August 2004 in einer Sitzung der GemeindevertreterInnen, er habe "vierzig Jahre in Saarow-Strand gelebt, bis die Juden uns rausgeschmissen haben ". Das Elternhaus Gestewitz', zu NS-Zeiten "arisiert", wurde 1998 an die Jewish Claims Conference rückübertragen. Am nächsten Tag entschuldigt sich der PDS-Fraktionschef mit dem Verweis darauf, dass ihm die politische Brisanz seiner Äußerung erst nachträglich bewusst geworden sei.
(rbb-online, 20.08.2004 - mit Videobeitrag)
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Bochum (Nordrhein-Westfalen)
Hess-Aufkleber auf jüdischen Grabsteinen
In Bochum (Nordrhein-Westfalen) bekleben unbekannte Täter rund 50 Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof mit rechtsextremen Aufklebern, die an den Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß erinnern.
(e110.de, 24.08.2004)
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Berlin
Litauischer Jude in Kreuzberg brutal angegriffen
Ein jüdischer Tourist aus Vilnius (Litauen) wird am 25. August in Berlin-Kreuzberg Opfer eines brutalen Übergriffs. Der 21-Jährige ist mit einer Reisegruppe unterwegs zu einem Besuch des Jüdischen Museums. Einige der jungen Männer sind durch ihre Kippa als Juden zu erkennen. Der Täter, ein 19-jähriger Mann arabischer Herkunft, brüllt, man müsse alle Juden ermorden, und tritt den 21-jährigen Litauer mehrfach in den Unterleib. Das Opfer muss sich wegen starker Schmerzen im Krankenhaus behandeln lassen. Anhand von Zeugenaussagen kann die Polizei den Täter vorübergehend festnehmen. Er ist wegen mehrerer Gewalttaten polizeilich bekannt.
(Berliner Zeitung, 27.08.2004; Berliner Morgenpost, 27.08.2004)
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Frankfurt am Main (Hessen)
Orthodoxer Jude antisemitisch angegriffen
Am 31. August 2004 wird in Frankfurt am Main vor der Hauptwache ein englischsprachiger orthodoxer Jude, der an seiner Kleidung als solcher zu erkennen ist, von vier deutschen Männern angepöbelt: "Man hat wohl deine Eltern und Großeltern vergessen zu vergasen!" Dann stoßen sie das Opfer zwischen sich hin und her, bis es zu Fall kommt. Anschließend flüchten die Männer. Keiner der Umstehenden unternimmt etwas.
(hagalil.com, 31.08.2004)
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Dachau (Bayern)
Rechtsextreme Lieder in KZ-Gedenkstätte Dachau
Auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau singen am 20. August 2004 fünf Skinheads rechtsextreme Lieder.
(Jungle World, 01.09.2004)



September

Neunkirchen (Saarland)
19 Grabstellen auf Jüdischem Friedhof verwüstet
In Neunkirchen wird in der ersten Septemberwoche der jüdische Friedhof in der Hermannstraße geschändet. 19 Grabstellen werden verwüstet. Die unbekannten Täter heben die ca. 60 Kilo schweren Denkmäler auf den Gräbern aus ihrer Mörtelbefestigung und kippen sie auf oder neben das Grab. In mehreren Fällen werden die Marmorplatten mit der Aufschrift zertrümmert. Es ist schon die zweite Schändung innerhalb von neun Monaten. Bei der Landtagswahl am 05. September war die rechtsextreme NPD in Neunkirchen auf 5,6 Prozent gekommen.
(Saar-Echo, 07.09.2004)
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Berlin
Antisemitischer Beifall beim "Untergang"
Bei einer Vorführung des Films "Der Untergang" über die letzten Tage Adolf Hitlers und des NS-Regimes in Berlin-Friedrichshain haben zwei 27- und 29-jährige Männer bei den antisemitischen Szenen des Films lautstark applaudiert und den Hitlergruß gezeigt. Sie wurden festgenommen und unter dem Beifall der 150 weiteren Kinobesucher abgeführt.
(Berliner Morgenpost, 20.09.2004)

Perleberg (Brandenburg)
Vier Jugendliche nach Friedhofsschändung festgenommen
Am Wochenende des 25. und 26. September werden auf dem jüdischen Friedhof in Perleberg (Prignitz) mehrere Gräber verwüstet und eine Blumenschale zerstört. In der Nähe des Tatorts nimmt die Polizei drei 19-Jährige und einen 15-Jährigen fest, die ihre Tat mit rechtsextremistischen Motiven begründen.
(Märkische Allgemeine, 27.09.2004)
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Lübben (Brandenburg)
Handwerksbetrieb verwüstet und mit antisemitischen Parolen beschmiert
In der Nacht zum 30. September brechen unbekannte Täter in einen Handwerksbetrieb in Lübben ein, beschmieren die Räume mit Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen und übergießen technische Geräte mit Holzlasur, so dass sie unbrauchbar werden. Dann stehlen sie einen 30 Kilogramm schweren Tresor mit Firmenunterlagen und Bargeld.
(e110.de, 03.10.2004)
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Oktober

Köln (Nordrhein-Westfalen)
Witze über "J's" live im Fernsehen
In der Container-WG-Fernsehshow "Big Brother" werden in der Nacht zum 03. Oktober nachts um drei Uhr Witze erzählt. Kandidat Michele versucht erst mit einem frauenfeindlichen Scherz, die Mitbewohner zu erheitern, dann erzählt er vier Witze über "J's". Er selbst bricht angesichts seiner antisemitischen Scherze in wieherndes Gelächter aus, die Zuhörenden kichern amüsiert. Hinterher gibt er noch einen "Türkenwitz" zum Besten. Die Fernsehredakteure, die das Live-Programm überwachen, um bei geistigen Ausfällen der Kandidaten eingreifen und wegschalten zu können, reagieren nicht. TV-Chef Georg Kofler ist hinterher "erschüttert“ und entlässt die zuständigen Redakteure. Kandidat Michele wird allerdings nur ermahnt. Zum Glück sind die Zuschauer vernünftiger als die Produktionsfirma: Sie wählen ihn aus der Containershow heraus.
(Süddeutsche Zeitung, 14.10.2004)
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Frankfurt am Main (Hessen)
Antisemitismus auf der Buchmesse
Die Frankfurter Buchmesse findet vom 06. bis zum 10. Oktober mit dem Schwerpunkt "Blick in die Zukunft - Literatur der arabischen Welt" statt. Dort werden nahezu widerspruchslos antisemitische Buchtitel ausgestellt, so auch ein im Libanon verlegtes Buch, in dem der Autor die „Militärgeschichte des israelischen Volkes“ untersucht und zu dem Schluss kommt, dass die Wurzeln des „zionistischen Terrors gegen die Araber“ in der jüdischen Religion zu finden seien. Ein anderes Beispiel: Das saudische Buch "Terror und Gewalt im zionistischen Denken" zeigt auf dem Einband eine Blutlache, einen mit Totenköpfen versehenen Davidstern sowie prügelnde israelische Soldaten. Auch inhaltlich werden in diesem Buch antisemitische Stereotypen benutzt, indem etwa behauptet wird, Juden würden Politiker bestechen und für ihre politischen Ziele instrumentalisieren, um so zur Weltherrschaft zu gelangen. Bei der Eröffnungszeremonie spricht neben Bundeskanzler Gerhard Schröder auch Mohammad al-Salmawy, der Herausgeber der französischsprachigen ägyptischen Zeitung "Al Ahram Hebdo". Al-Salmawy ist als Verteidiger von Holocaustleugnern wie Roger Garaudy und David Irving bekannt geworden. Auch einige antisemitische Artikel stammen aus seiner Feder - unter dem Titel "Suche den Juden" behauptet der Autor beispielsweise, der öffentliche Skandal um Bill Clintons "Lewinsky-Affäre" sei als Reaktion auf israelische Äußerungen des Ex-Präsidenten der USA ausgelöst worden.
(Frankfurter Rundschau, 13.10.2004)
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Wickede (Nordrhein-Westfalen)
Hakenkreuze in Grabsteine eingeritzt
Der Jüdische Friedhof in Wickede ist innerhalb weniger Tage zwei Mal von Rechtsextremen geschändet worden. Die unbekannten Täter ritzten Hakenkreuze in acht Grabsteine. Ein weiterer Grabstein wurde komplett zerstört, so dass er entfernt werden musste. Die ersten Beschädigungen wurden am 8. Oktober festgestelle, weitere dann am 13. Oktober. Der Jüdische Friedhof in Wickede wurde bereits mehrfach kurz vor der Pogromnacht des 9. November geschändet.
(Westfälische Rundschau, 18.10.2004)

Jülich (Nordrhein-Westfalen)
Jüdischer Friedhof geschändet
Unbekannte beschmieren auf dem jüdischen Friedhof in Jülich zahlreiche Grabsteine mit verfassungsfeindlichen Symbolen, u.a. mit Hakenkreuzen.
(koeln.de, 16.10.2004)
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Möckers (Thueringen)
Antisemitische Ausfälle nach Fußballspiel
Am 10. Oktober spielen in der Fußball-Kreisliga Werra-Rennsteig (Thüringen) die Clubs Eintracht Möckers und TSV Zella-Mehlis gegeneinander. Im Spiel kommt es zu einer umstrittenen Roten Karte gegen den TSV, schließlich gewinnt die Heim-Mannschaft Eintracht Möckers klar mit 3:0. Ein Mitglied des Kreisfußballausschusses hört hinterher, wie Spieler der Verlierer-Teams TSV Zella-Mehlis unter der Dusche singen: "Wir bauen eine U-Bahn von Möckers nach Auschwitz." Danach sagt einer der Spieler: "Es geht billiger, wir haben ja bald die Müllverbrennungsanlage.“ Ein weiterer fügt hinzu: „Damit wir sie besser kleinkriegen, können wir sie auch gleich in einen Toaster stecken.“ Das Ausschussmitglied ist entsetzt und macht die antisemitischen Äußerungen öffentlich. Jürgen Dittmann, Abteilungsleiter des TSV Zella-Mehlis, kommentiert in einer Stellungnahme gegenüber der Südthüringer Zeitung: „Ich sehe die Vorwürfe als überzogen an. Man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Ich verwahre mich strikt gegen die Vorwürfe des Rassismus und Nazismus.“
(Südthüringer Zeitung, 16.10.2004)

Berlin-Wilmersdorf
Stolpersteine zwei Tage nach Verlegung herausgerissen
Am 28. Oktober verlegt der Künstler Gunter Demnig in Berlin-Wilmersdorf unter anderem zwei "Stolpersteine", die an das jüdische Ehepaar Else und Alfred Werthahn erinnern, die von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden. Nur zwei Tage später graben unbekannte Täter die mit Messingplatten belegten Steine aus und stehlen sie. Der Staatsschutz ermittelt.
(taz, 30.10.2004)
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Leinefelde (Thueringen)
Antisemitische "Späße" auf NPD-Parteitag
Im Foyer der Leinefelder Obereichsfeldhalle werden am 30. und 31. Oktober auf dem Parteitag der rechtsextremen NPD neben Postern, die Wehrmachtsgrößen verherrlichen, auch antisemitische Plakate ausgestellt. So wird auf einem Plakat das ZDF als "Zionistische Desinformations-Fabrik" bezeichnet, auf einem anderen die USA als "Jew ess ey" buchstabiert. Antisemitismus?! NPD-Parteisprecher Klaus Beier ist da anderer Meinung: Die Plakate fallen für ihn "unter die Rubrik Humor, wenn man diese Art Humor denn versteht".
(spiegel-online.de, 30.10.2004)
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November

München (Bayern)
Ex-"heute"-Sprecher erzählt in Gala-Rede Judenwitz
Claus Seibel, pensionierter Sprecher der ZDF-Nachrichtensendung "heute", moderiert am 28. November auf einer Benefiz-Gala zum zehnjährigen Bestehen des Münchner Vereins "Europahilfe für Kinder". In seine Rede eingebaut, erzählt er einen Witz, der auf das antisemitische Vorurteil anspielt, Juden seien geldgierig. Das Publikum reagiert entsetzt mit "Pfui!"- und "Buh!"-Rufen. Auf der Gala sagt Seibel (recht klassisch): "Diese Witze habe ich selbst von einem Juden. Ich verstehe die Aufregung nicht." Einen Tag später entschuldigt er sich.
(yahoo-Nachrichten, 30.11.2004)
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Bocholt (Nordrhein-Westfalen)
Grabsteine mit nationalsozialistischen Schriften beschmiert
In der Nacht zum 28.11. haben Unbekannte den jüdischen Friedhof in Bocholt (Nordrhein-Westfalen) geschändet. Sie schmierten mit Farbe nationalsozialistische Schriftzüge und Symbole auf mehrere Grabsteine. Der Sachschaden liegt bei 1.000 Euro.
(e110.de, 28.11.2004)
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Wittstock (Brandenburg)
KZ-Überlebender von Schülern angepöbelt
Der 83-jährige Zeitzeuge Pavel Stránský besucht am 24. November in die Wittstocker Gesamtschule, um über seine Leidens-Odyssee durch drei Konzentrationslager zu berichten. Eine Schülerin stört den Vortrag demonstrativ durch laute Worteinwürfe. Während die Lehrerin sie des Raumes verweist, dringt ein anderer Schüler von außen ein und brüllt den Überlebenden an: "Du bist ein Jude!" Später entschuldigt sich die Schülerin.
(Ruppiner Anzeiger, über Inforiot, 27.11.2004)
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Berlin
Jüdisches Denkmal beschmiert
Unbekannte beschmieren in der Nacht zum 21. November 2004 das jüdische Denkmal an der Putlitzbrücke in Berlin-Tiergarten.
(Neues Deutschland, 22.11.2004)



Dezember

Berlin-Spandau
Antisemitische Sprüche in der Altstadt
In der Altstadt von Berlin-Spandau sind in der Jüdenstraße die Straßenschilder mit roter Farbe beschmiert worden. Auf die Fensterscheibe des an der Straße gelegenen PDS-Büros schrieben die unbekannten Täter zudem "Die Juden sind unser Unglück". Das Büro wird damit das dritte Mal innerhalb von drei Wochen beschädigt.
(Berliner Zeitung, 10.12.2004)
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