Chronik antisemitischer Vorfälle 2007

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Chronik antisemitischer Vorfälle 2007

 



Januar


Neuruppin (Brandenburg)
Hakenkreuze in Neuruppiner Klinik
Am Neujahrstag haben bislang unbekannte Täter Hakenkreuze an die Kellerwände eines Neuruppiner Klinikums geschmiert. Insgesamt wurden zwölf Hakenkreuze entdeckt, die jeweils etwa zehn Zentimeter groß waren. Nun wird wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt, so ein Sprecher der Polizei.
(Tagesspiegel, 03.01.07)

Brandenburg/Havel (Brandenburg)
Rechtsextreme Parolen an mehreren Gedenkorten
Unbekannte Täter haben in der Nacht vom 02. auf den 03.01.2007 insgesamt acht Standorte in Brandenburg/Havel mit Nazi-Parolen beschmiert.
Am Domstift besprühten die Täter Türen und Wände mit roten und schwarzen Hakenkreuzen, SS-Runen und weiteren Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen. Auch die Gedenktafeln des Euthanasiedenkmals am Nikolaiplatz wurden mit Hakenkreuzen und SS-Runen verunstaltet. Auf dem jüdischen Friedhof wurden antisemitische Schmierereien entdeckt, entsprechende Symbole fanden sich auch auf Grabsteinen des russischen Ehrenfriedhofs.
Weitere beschmutzte Objekte sind die Neuapostolischen Kirchen in der Wollenweber- und der Packhofstrasse, der Steinturm sowie der Domkietz.
Staatsanwaltschaft und Polizei gehen von einem rechtsextremen und antisemitischen Hintergrund aus. Eine fünfköpfige Sonderkommission der Polizei untersucht den Tathergang.
(Tagesspiegel, 05.01.07)

Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern)
Gedenksteine mit Beton übergossen

Am Samstag den 27. Januar wurden drei von vier Stolpersteinen von Unbekannten mit Beton zugeschmiert. Die Steine wurden am 25. August 2006 in den Boden eingesetzt und erinnern an ehemalige jüdische Bewohner der Stadt Stralsund, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.
(Ostsee Zeitung, 29.01.07)

Verden (Niedersachsen)
Mahnmal für Holocaust- und Zwangsarbeitsopfer abgebrannt

Am Morgen des 26. Januar ist das „Mahnmal für die Opfer des Holocaust und des unmenschlichen Zwangsarbeitersystems der Nationalsozialisten“ (Bürgermeister Lutz Brockmann) auf dem Gelände der Berufsbildenden Schulen in Verden-Dauelsen durch einen Brand völlig zerstört worden. Nach Angaben der Behörden könne Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden.
Bei dem Mahnmal handelte es sich um einen Waggon der früheren Reichsbahn, der während der Zeit des Nationalsozialismus für Deportationen genutzt wurde. Der Waggon war von einem Verein für Regionalgeschichte unter Mithilfe von Berufsschülern restauriert worden und beherbergte eine Ausstellung über das Schicksal der Zwangsarbeiter im Kreis Verden zur NS-Zeit.
(N24.de, 26.01.07; Mut-gegen-rechte-gewalt.de, 02.02.07)

Berlin-Spandau
Mahnmal erneut geschändet

Ein Streifenwagen stellte am Abend des 21. Januar die erneute Schändung des Mahnmals am Standort der ehemaligen Synagoge in Berlin-Spandau fest. Zuletzt wurde das Mahnmal Ende Dezember 2006 mit einem großen Hakenkreuz beschmiert.
(Berliner Zeitung, 23.01.07)

Frankfurt/Oder (Brandenburg)
"Sieg Heil"-Rufe und antisemitische Parolen

Rechtsextreme Jugendliche skandieren am 25. Januar in Frankfurt/Oder antisemitische Parolen und „Sieg Heil“-Rufe. Vor einem Wohnheim für Auszubildende werfen sie Feuerwerkskörper.
(Märkische Allgemeine, 26.01.07)

Wolfsburg (Niedersachsen)
Antisemitischer Überfall

Nach einem Urteil vom 9. August muss ein 23jähriger Neonazi für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Er hatte im Januar in Wolfsburg zusammen mit einem zweiten Mann einen 46jährigen schwer verletzt. Von dem zweiten Täter fehlt jede Spur. Ein Zeuge sagte vor Gericht aus, dass die beiden Täter den Mann als »Juden« beschimpft hätten, während sie auf ihn einschlugen und eintraten. Der 46jährige erlitt eine Platzwunde am Hinterkopf und mehrere Prellungen. Die Polizei konnte den Neonazi überführen, weil das Blut des Verletzten an seinen Springerstiefeln klebte.
(Jungle World, 23.08.07)



Februar

Kreis Darmstadt-Dieburg (Hessen)
Jüdisches Ehepaar terrorisiert

Ein jüdisches Ehepaar ist drei Jahre lang von einem 44jährigen Mann aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg (Hessen) terrorisiert worden. Der Familienvater hatte beleidigende Briefe geschrieben, pornographisches Material geschickt und Eigentum des Paars zerstört. Außerdem hatte er die Sendungen mit NS-Symbolen und rechtsextremen Parolen versehen. Insgesamt spricht die Polizei von 29 antisemitischen Straftaten. Während des Verhörs gestand der 44jährige außerdem, den jüdischen Friedhof in Alsbach viermal mit Hakenkreuzen beschmiert zu haben.
(hr-online.de, 09.02.07; jungle-world.com, 14.02.07)

Dresden (Sachsen)
Zahl der antisemitischen Straftaten in Sachsen weiter gestiegen

Aus einer Antwort von Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) auf eine Kleine Anfrage von Kerstin Köditz (Linksfraktion.PDS) geht hervor, dass die Zahl antisemitischer Straftaten in Sachsen weiter gestiegen ist. Wurden im Jahr 2005 65 Delikte verzeichnet, kam es 2006 zu 70 Vorfällen. 2004 wurden 54 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund verübt. Die Delikte reichten von Sachbeschädigung (Farbschmierereien, Parolen, Schändung von Friedhöfen und Mahnmalen) über Körperverletzung bis hin zu Volksverhetzung.
(freiepresse.de, 21.02.07)

Berlin Charlottenburg
Anschlag auf Kindertagesstätte

Auf die jüdische Kindertagesstätte in Charlottenburg am Spandauer Damm wurde am 25. Februar ein antisemitisch motivierter Anschlag verübt. Antisemitische Sprüche wie "Juden raus" und Hakenkreuze waren mit schwarzer Farbe auf die Fassade des Gebäudes geschmiert worden. Auf der Rückseite der Kita schlugen die Täter ein Fenster ein und warfen eine Rauchbombe in das Gebäude, die aber nicht zündete und daher keinen größeren Schaden anrichten konnte. Nach Angabe eines Technikers des Landeskriminalamts hätte die Bombe bei einer Zündung erheblichen Schaden anrichten oder das Gebäude gar in Brand setzen können. Die Polizei ermittelt wegen versuchter Brandstiftung und Volksverhetzung. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sprach von einer neuen Qualität antisemitischer Ausschreitungen. Die Tat sei aufgrund der Tatsache, dass sich die Täter einen Kindergarten zum Ziel genommen hätten, als besonders bösartig zu bewerten, so Körting.
(die tageszeitung, 26.02.07; Berliner Morgenpost, 26.04.07)

Berlin
Anstieg antisemitischer Straftaten

Im Zusammenhang des Anschlags auf eine jüdische Kindertagesstätte in Berlin am 25. Februar stellte Gideon Joffe, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde zu Berlin, fest, dass sich die Situation in Berlin in den vergangenen Jahren verschlechtert habe. Die antisemitischen Taten seien seit 2004 um mehr als 50% gestiegen.
(die tageszeitung, 27.02.07)

Berlin
Antisemitische Parolen und Hakenkreuze

Die Berliner Polizei registrierte in den vergangenen Tagen eine Vielzahl rechtsextremer bzw. antisemitischer Vorfälle. Wie bekannt wurde, skandierten ein 20- und ein 21-jähriger Mann am Sonntagmorgen in der Schackelstraße in Mahrzahn-Hellersdorf "Heil Hitler", "Sieg Heil" sowie "Judenschweine". Außerdem bewarfen sie parkende Autos mit Steinen. Darüber hinaus wurden in Pankow, in Spandau und am Kladower Damm Hakenkreuz-Schmierereien entdeckt.
(Berliner Zeitung, 28.02.07)

Berlin-Wedding
Antisemitische Schmierereien an Grundschule

Ende Februar wurden an der Turnhalle der Möwensee-Grundschule in Berlin Wedding verschiedene antisemitische Schmierereien entdeckt. Neben zwei Hakenkreuzen sprühten Unbekannte dort "Gaskammer" und "Sieg Heil" an die Wände.

Schlangen (Nordrhein-Westfalen)
Antisemitische Schmierereien

Am 1. Februar werden an einer Schule in Schlangen antisemitische Farbschmierereien festgestellt.
(Pressemitteilung der Polizei Lippe vom 23.02.07)

Görlitz (Sachsen)
Mahnmal beschmiert

In Görlitz besudeln Unbekannte ein Mahnmal für die Opfer des
Faschismus sowie mehrere Gebäude mit antisemitischen Sprüchen
und Hakenkreuzen.
(ddp, 12.02.07)

Leipzig (Sachsen)
Antisemitische Parolen bei Fußballspiel

Beim Fußballspiel des 1. FC Lokomotive Leipzig gegen die zweite Mannschaft von Erzgebirge Aue am 10. Februar in Leipzig skandieren Lok-Fans „Juden Aue!“.
(die tageszeitung, 13.02.07)

Nordhausen (Thueringen)
Wohnhaus mit NS-Symbolen beschmiert

Zwischen dem 9. und 13. Februar wird in Nordhausen das Wohnhaus des örtlichen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde mit NS-Symbolen beschmiert. Gesprüht werden auch der Spruch „Juden raus“ sowie SS-Runen.
(MDR 1 Radio Thüringen, 15.02.07)

Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern)
Festnahme von Neonazis

Die Polizei in Neustrelitz nimmt in der Nacht zum 20. Februar vier Neonazis fest. Die 17 und 18 Jahre alten Jugendlichen waren erwischt worden, als sie Polizeiangaben zufolge ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus mit Gegenständen bewarfen und ein dort abgelegtes Blumengesteck zerstörten. Im Umkreis des Denkmals werden Aufkleber der „Mecklenburgischen Aktionsfront“ entdeckt.
(ddp, 20.02.07)

Bad Neustadt an der Saale (Bayern)
Jüdische Grabsteine beschmiert

Unbekannte Täter haben auf dem Jüdischen Friedhof in Bad Neustadt an der Saale zwölf Grabstellen mit rechtsextremen Symbolen beschmiert.
(ddp, 22.02.07)

Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Antisemitische Äußerungen in Straßenbahn

Die Magdeburger Polizei nahm in der Nacht zum 22. Februar fünf Männer im Alter von 21 bis 24 Jahren fest, die in einer Straßenbahn antisemitische Sprüche von sich gegeben
haben sollen.
(ddp, 22.02.07)



März

Cottbus (Brandenburg)
Gedenkstein des jüdischen Friedhofs geschändet

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate ist ein Gedenkstein für einen früheren jüdischen Friedhof in Cottbus geschändet worden. Unbekannte stießen den 1,50 Meter hohen Stein um, so die Polizei. Erst im November war das Denkmal mit einem Hakenkreuz beschmiert worden. In beiden Fällen fehlt von den Tätern jede Spur.
(die tageszeitung, 06.03.2007)

Diespeck (Bayern)
Historischer jüdischer Friedhof verwüstet

Bisher unbekannte Täter verwüsteten in der Nacht zum 03.03.07 den jüdischen Friedhof bei Diespeck (Landkreis Neustadt/Aisch - Bad Windsheim). Etwa sechzig - teilweise Jahrhunderte alte - Grabsteine wurden mutwillig umgeworfen. Mehr als die Hälfte der betroffenen Steine wurde hierbei irreparabel zerstört. Auch elf Gedenksteine eines dort befindlichen Kriegerdenkmals für im I. Weltkrieg gefallene Soldaten jüdischen Glaubens wurden umgestoßen.
Der Sachschaden beträgt nach ersten Schätzungen mehrere zehntausend Euro - weit schwerer wiegt allerdings der Verlust des historischen Kulturgutes.
(polizeipresse.de, 03.03.07)

Berlin-Moabit
Vandalismus an Mahnmal und Friedhof

Am Donnerstagabend sind ein jüdisches Mahnmal in Moabit und eine Mauer an einem jüdischen Friedhof in Prenzlauer Berg beschmiert worden.
Am jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee hätten unbekannte Täter gegen 23 Uhr die Hauswand des Lapidariums mit schwarzer Farbe verunstaltet, sagte ein Polizeisprecher. In dem Gebäude am Rande des Friedhofs sind unter anderem Grabsteine aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert untergebracht.
Etwa zwei Stunden zuvor waren in der Moabiter Levetzowstraße Farbschmierereien am dortigen jüdischen Mahnmal entdeckt worden. Unbekannte hatten den Träger der Namenstafel und den Marmorblock verschandelt. Ein politischer Hintergrund ist laut Polizei in beiden Fällen nicht erkennbar. Dennoch habe der politische Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.
(Tagesspiegel Online, 02.03.07)

Berlin (Lichtenberg, Tempelhof)
Antisemitische Schmierereien an Häuserwänden und Bahnhof

An Häuserwänden in Berlin Lichtenberg und Tempelhof haben Unbekannte in den vergangenen Tagen antisemitische und nationalsozialistische Parolen geschmiert. Darüber hinaus wurden an Kassenautomaten am U-Bahnhof Westphalenweg mehrere Hakenkreuze gesprüht.
(Berliner Zeitung, 27.03.07)

Pretzien (Sachsen-Anhalt)
Antisemitische Briefe

An mindestens drei Haushalte der Gemeinde Pretzien haben Unbekannte Briefe mit antisemitischem Inhalt und abgedruckten Hakenkreuzen verschickt.
(ddp, 29.03.07)



April


Wernigerode (Sachsen-Anhalt)
Gefährliche Körperverletzung

Die Polizeidirektion Nord meldet für den 8.4. eine gefährliche Körperverletzung mit antisemitischem Hintergrund.
(Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage, 26.6.08)

Borna (Sachsen)
Schändung einer Gedenkstätte

In der Nacht zum Dienstag haben Unbekannte in Borna bei Leipzig eine Gedenkstätte für KZ-Opfer mit Hakenkreuzen beschmiert.
(die tageszeitung, 18.04.2007)

Berlin
Mahnmal in Levetzowstraße beschmiert

In der Nacht zum Sonntag ist das Mahnmal in der Levetzowstraße in Berlin Moabit beschmiert worden. Unbekannte sprühten ein rotes Hakenkreuz auf.

Osnabrück (Niedersachsen)
Brandanschlag auf Felix-Nussbaum-Haus

Bei einem Brandanschlag auf das Felix-Nussbaum-Museum in Osnabrück ist am 9. April ein Sachschaden von mehreren tausend Euro entstanden. Das Museum ist dem Werk des 1904 in Osnabrück geborenen und 1944 in Auschwitz ermordeten jüdischen Malers Felix
Nussbaum gewidmet.
(Jüdische Allgemeine, 19.04.07)

Berlin
Jüdisches Mahnmal beschmiert

Unbekannte haben in Berlin-Tiergarten zwei jüdische Mahnmale mit Hakenkreuzen beschmiert.
(Associated Press, 22.04.07)



Mai

Berlin
Mahnmal in der Levetzowstraße erneut beschmiert

Am 9. Mai wurde zum wiederholten Male das Mahnmal in der Levetzowstraße von Unbekannten mit einem Hakenkreuz beschmiert.
Das Mahnmal in Moabit erinnert daran, dass an dem Ort früher eine Synagoge stand.
(die tageszeitung, 10.05.07)

Stendal (Sachsen-Anhalt)
Körperverletzung

Die Polizeidirektion Nord meldet für den 21.5. eine Körperverletzung mit antisemitischem Hintergrund.
(Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage, 26.6.08)

Berlin
Jugendlicher Kippaträger in Mitte angegriffen

Am Abend des 20. Mai wurde ein 16-Jähriger, der eine Kippa trug, antisemitisch beleidigt und geschlagen. Nach Angaben der Polizei war der Jugendliche, der in Begleitung eines Freundes in der S-Bahn Linie 1 unterwegs war, zwischen den Bahnhöfen Unter den Linden und Friedrichstraße zunächst von drei bis vier Jugendlichen antisemitisch beleidigt worden. Kurz bevor die Tatverdächtigen den Wagon verließen, schlug einer dem 16-Jährigen mit der Hand ins Gesicht. Die Täter flüchteten. Das Opfer wurde leicht verletzt und erstattete Anzeige.
(die tageszeitung, 22.05.2007; Tagesspiegel, 22.05.2007)

München (Bayern)
Hitlergruß und antisemitische Parolen

Zwölf schwarz gekleidete Neonazis störten am 3. Mai am Münchner
Odeonsplatz die Veranstaltung des Israeltags durch Parolen
wie „Juden raus aus Palästina“. Sie zeigten den Hitlergruß und
entrollten eine iranische Flagge.
(Süddeutsche Zeitung, 04.05.07)

Kassel (Hessen)
Antisemitische Beleidigungen gegen Rabbiner

In Kassel beleidigen Jugendliche einen Rabbi der Jüdischen Gemeinde mitsamt seiner Familie bei einem Spaziergang mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen.
(Pressemitteilung der Polizei Kassel, 13.05.07)

Dessau (Sachsen-Anhalt)
Gedenkstele mit Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert

Die Gedenkstele die an die Deportation der Dessauer Juden und
die Zerstörung der Synagoge erinnert, wurde mit aufgesprühten Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert.
(Associated Press, 14.05.07)

Wurzen (Sachsen)
Antisemitische Parolen und Gesänge bei Fußballspiel

Bei einem Juniorenfußballspiel der C-Jugend im sächsischen
Wurzen wurden die Gäste aus Chemnitz sowie das Schiedsrichtergespann von einer Gruppe von knapp 30 Jugendlichen mit antisemitischen Parolen bedacht. Auch das so genannte U-Bahn-Lied „Wir bauen eine U-Bahn von Chemnitz bis
nach Auschwitz“ wurde gegröhlt.
(Spiegel Online, 31.05.07)



Juni

Berlin
Antisemitische Parolen bei Fußballspiel - Tatverdächtige ermittelt

Am 26. September 2006 hatten antisemitische Parolen bei der Partie des Altglienicke II gegen den jüdischen Fußballverein TuS Makkabi zum Spielabbruch geführt. Mittlerweile konnten vier Tatverdächtigte ermittelt werden, ihnen drohen nun möglicherweise Anklagen wegen Volksverhetzung. Die Kreisligisten des TuS Makkabi hatten nach massiven antisemitischen Beschimpfungen das Spielfeld verlassen. Der Schiedsrichter sagte nach dem Spiel aus, von den Hetzparolen nichts mitnekommen zu haben.
(Tagesspiegel, 04.06.2007)

Aschbach (Bayern)
Jüdischer Friedhof verwüstet

Am 08. Juni 2007 haben Unbekannte den jüdischen Friedhof in Aschbach verwüstet. 49 Grabsteine wurden umgeworfen, von denen mehrere zerbrachen. Die Polizei schließt einen politischen Hintergrund nicht aus. Der Sachschaden beträgt mehrere tausend Euro.
(Jungle World, 20.06.2007)

Wetzlar (Hessen)
Gedenktafel entwendet

Unbekannte haben in Wetzlar eine Gedenktafel für die jüdischen Opfer der Nazidiktatur entwendet.
(Jungle World, 20.06.2007)

Berlin-Schöneberg
Antisemitischer Übergriff

Bei einem antisemitischen Vorfall in Schöneberg wurde ein 24-jähriger Mann verletzt. Nach Angaben der Polizei wurde der Mann von einem Unbekannten mit einem Messer bedroht und mit einem Auto angefahren. Der 24-jährige war einer jüdischen Frau zur Hilfe gekommen, die zuvor antisemitisch beschimpft worden war. Der Täter flüchtete.
(Berliner Zeitung, 25.06.2007; die tageszeitung, 25.06.2007)

Cottbus (Brandenburg)
Gedenkstein erneut geschändet

Unbekannte haben erneut den Gedenkstein des ehemaligen jüdischen Friedhofes in Cottbus geschändet. Sie übergossen ihn in der Nacht zum Mittwoch mit schwarzer Farbe, teilte ein Polizeisprecher mit. In der gleichen Nacht wurden in der Stadt zwei "Stolpersteine" zum Gedenken an deportierte Juden mit roter Farbe beschmiert. Seit dem Beginn der Aktion "Stolpersteine" im Jahr 2006 in Cottbus wurden sieben der elf Steine gestohlen und einer beschmiert. Die Täter wurden bisher nicht gefasst.
(Mitteldeutsche Zeitung, 28.06.2007)

Hamburg
Antisemitische Schmierereien

Unbekannte werfen in der Nacht zum 16. Juni einen Stein in das Schaufenster der Geschäftsstelle der Grünen in Hamburg-Harburg und beschmieren die Eingangstür mit antisemitischen Parolen.
(18.06.07)

Köln (Nordrhein-Westfalen)
"Juden raus"-Rufe bei Demonstration

Am Rande einer Demonstration gegen den Bau einer Großmoschee am 16. Juni in Köln-Ehrenfeld rufen Neonazis „Juden raus“.
(Express, 16.06.07)

Mittenwald (Bayern)
Judenfeindliche Äußerungen

Ein 23-jähriger Soldat des in Mittenwald stationierten Gebirgsjägerbataillons 233 wurde unehrenhaft aus dem Dienst entlassen, weil er Juden verunglimpft hatte. Der Hauptgefreite wurde vom Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu einer Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro verurteilt, weil er bei einer Schießübung einen Schuss mit den Worten „Drecksjud“ und „Stirb, du Jud“ begleitet hatte.
(Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 29.06.07)



Juli

Berlin
Holocaust-Mahnmal geschändet

Unbekannte haben die Gedenkstätte für NS-Opfer "Gleis 17" am ehemaligen Güterbahnhof in Berlin-Grunewald geschändet. Bundespolizisten haben in der Nacht entdeckt, dass mehrere Gedenkkerzen umgestoßen waren und eine israelische Flagge verbrannt worden sei, hieß es. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt.
(die tageszeitung, 12.07.2007)

Berlin
Trauerhalle beschmiert

Unbekannte haben die Trauerhalle des jüdischen Friedhofs in Oranienburg (Oberhavel) mit Graffiti beschmiert. Es sei aber kein politischer Hintergrund erkennbar, so die Polizei.
(die tageszeitung, 21.07.2007)

Frankfurt (Hessen)
Sprechchöre gegen "Judenstaat" bei Naziaufmarsch

Die antisemitische Hetze bei einem Naziaufmarsch am 07. Juli 2007 bleibt vermutlicht ohne rechtliche Konsequenzen, obwohl Kameraufnahmen von Reportern die verfassungsfeindlichen Hass-Parolen der Demonstrationsteilnehmer belegen. Rund 100 der zum Teil vermummten Neonazis hätten "BRD, Judenstaat, wir haben Dich zum Kotzen satt" skandiert und ihre Tätowierungen wie „Blut und Ehre“ oder „H8“ zur Schau gestellt.
(Frankfurter Rundschau, 21.07.07)

Anklam, Usedom (Mecklenburg-Vorpommern)
Polizei ermittelt wegen "Sieg Heil"-Rufen

Die Polizei von Anklam ermittelt gegen sieben Jugendliche wegen wiederholter "Sieg Heil"-Rufe. Auf dem Grillplatz am Schmollensee auf der Insel Usedom sollen sie Dienstag kurz nach Mitternacht neun Jugendliche beschimpft und schikaniert haben.
(die tageszeitung, 26.07.07)

Burg (Sachsen-Anhalt)
Antisemitische Schmierereien

Unbekannte haben in den vergangenen Tagen im Stadtgebiet Burg das Denkmal der gefallenen sowjetischen Soldaten im Goethepark mit Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert. Neben den Schmierereien am Denkmal waren auch Häuserwände und Fenster mit antisemitischen Sprüchen beschmiert worden.
(Volksstimme, 31.07.07)

Berlin
Antisemitische Bedrohungen

Bereits am Nachmittag des 22. Juni äußerte sich ein Unbekannter in Berlin-Schöneberg in aller Öffentlichkeit abfällig über Juden. Am frühen Abend tauchte offenbar derselbe Mann vor einem Haus auf, in dem sich mehrere jüdische Einrichtungen befinden. Dort beleidigte er eine 36jährige Frau mit antisemitischen Äußerungen. Ein 24jähriger, der die Szene beobachtet hatte, kam der Frau zu Hilfe. Daraufhin bedrohte der Unbekannte den Zeugen mit einem Messer, versuchte, ihn mit dem Auto anzufahren, und flüchtete schließlich.
(Jungle World, 12.07.07)

Bautzen (Sachsen)
Stolpersteine mit Teer übergossen

Die erst am Vortag eingesetzten "Stolpersteine" zum Gedenken an Holocaust-Opfer wurden in der Nacht zum 11.07.2007 in Bautzen mit Teer übergossen. Die elf Gedenksteine in Form von Messingtafeln erinnern an das Schicksal zweier jüdischer Familien aus Bautzen, die von den Nazis ermordet worden waren.
(Amal Sachsen, 11.07.07)

Berlin
Antisemitischer Angriff auf polnischen Schüler

Am späten Abend des 14. Juli griffen in Berlin-Marzahn fünf Neonazis einen 16jährigen Polen an. Der Schüler Krystian C. hielt sich mit Bekannten am Biesdorfer Baggersee auf, als ihn gegen Mitternacht eine Gruppe Neonazis mit Sätzen beschimpfte wie: »Verpiss dich, sonst knall ich dich ab!« und »Bleib unter den Juden!« Nach einem verbalen Streit eskalierte die Auseinandersetzung. Die Neonazis schlugen dem Jungen ins Gesicht, rissen ihn zu Boden, traten gegen seinen Oberkörper und bedrohten ihn mit einem Messer und einer Schusswaffe. Dennoch gelang ihm wenig später die Flucht. Gegen die rechtsextremen Jugendlichen wurden Haftbefehle beantragt.
(Jungle World, 26.07.07)

Zittau (Sachsen)
Wieder Stolpersteine mit Teer beschädigt

In der Nacht zum 16.07.2007 verschandelten Unbekannte in Zittau in den Boden eingelassene Gedenksteine für Opfer des NS-Regimes mit Kalt-Teer. An fünf verschiedenen Stellen waren die Täter aktiv, teilweise mischten sie Split unter die Masse. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung.
(Amal Sachsen, 16.07.07)



August


Ihringen (Baden-Württemberg)
Jüdischer Friedhof erneut geschändet

Unbekannte haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag den jüdischen Friedhof in Ihringen geschändet. Etwa 70 Grabsteine wurden umgestoßen und zum Teil erheblich beschädigt. Bereits Anfang der 90er-Jahre war das Gräberfeld zweimal geschändet worden. Grabsteine waren mit SS-Runen, Hakenkreuzen und Graffiti besprüht worden. Hinweise auf die Täter gibt es noch keine, die Polizei ermittelt.
(Badische Zeitung, 12.08.07)

Heilbronn-Sontheim (Baden-Wuerttemberg)
Grabsteine umgeworfen

Auf dem jüdischen Friedhof haben unbekannte Täter acht Grabsteine umgeworfen, eine ältere Platte wurde dabei zerstört. Die Grabplatten und eine Holzbank im Eingangsbereich des Friedhofes wurden mit Hakenkreuzen beschmiert.
(Polizeidirektion Heilbronn, 22.08.07)

Görlitz (Sachsen)
Stolpersteine geschändet

Am 3. August beschädigen Unbekannte fünf der Stolpersteine, die an ehemalige jüdische Einwohner erinnern sollen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Auf drei Steine kleben sie Papierstücke, auf denen Gedenksteine für deutsche Kriegsopfer gefordert werden. Zwei Steine werden mit einem unbeschrifteten Papierstück beklebt und mit einer klebrigen Substanz übergossen.
(Amal, 03.08.2007)

Gardelegen (Sachsen-Anhalt)
"Jude, Jude" und Schläge vor der Disko

Gegen 6 Uhr morgens am 5. August treffen vor einer Diskothek mehrere junge Männer auf eine Gruppe von drei Rechten. Einer der Rechten schlägt ohne Vorwarnung einem 24-jährigen mehrfach ins Gesicht und ruft dabei mehrfach „Jude, Jude“, ein anderer Nicht-Rechter wird von dem Angreifer zu Boden geschlagen und zieht sich dabei einen Schlüsselbeinbruch zu. Die Betroffenen stellen Strafanzeige. Dem Haftantrag gegen den polizeibekannten Angreifer wurde gegen Auflagen nicht stattgegeben.
(Mobile Opferberatung, 05.08.2007)

Ihringen (Baden-Wuerttemberg)
Jüdischer Friedhof in Ihringen geschändet

In der Nacht zum 12. August 2007 machten sich Unbekannte an den Grabsteinen des jüdischen Friedhofs in Ihringen (Baden) zu schaffen. Ein Passant entdeckte am darauffolgenden Morgen 70 bis 80 umgeworfene Grabsteine. Der Ihringer Bürgermeister Martin Obert zeigte sich bestürzt und versicherte, die beschädigten Gräber würden wieder in Stand gesetzt. Anfang der Neunziger hatte der kleine Ort für Schlagzeilen gesorgt, als 177 von 200 Grabsteinen umgeworfen und mit SS-Runen und Hakenkreuzen beschmiert worden waren. Die Täter von damals sind bis heute unbekannt.
(Badische Zeitung, 12.08.2007)

Bolbritz (Sachsen)
Alternative Jugendliche von Dorffest vertrieben

In Bolbritz bei Salzenforst feierten mehrere Jugendliche am 18. August ein inoffizielles Dorffest. Ein paar alternative Jugendliche waren dabei offenbar nicht erwünscht und wurden von den anderen Anwesenden aufgefordert, sich mit ihren "Kanackenkumpels zu verpissen". Bei der anschließenden Diskussion äußerten sie antisemitische Parolen. Die Linksalternativen wurden letztendlich unter massiven Drohungen und mit Fußtritten von der Feier vertrieben.
(Amal Sachsen, 18.08.2007)

Stuttgart (Baden-Wuerttemberg)
Stolpersteine beschmiert

In Stuttgart wurden Anfang August in mehreren Stadtbezirken so genannte Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, mit grauer Farbe beschmiert. Die Steine erinnern u.a. an im »Dritten Reich« ermordete Juden, und zwar in den Straßen, in denen sie wohnten. Werner Schmidt von der Stolperstein-Initiative sagte: »Es handelt sich keinesfalls um einen Dummejungenstreich, denn es wurde sehr exakt gearbeitet, offenbar mit Schablonen.«
(Jungle World, 16.08.07)



September

Burg (Sachsen-Anhalt)
Antisemitische Schmierereien

In der Burger Oberstraße beschmierten unbekannte Täter ein Straßenschild mit der antisemitischen Parole "Jude raus". Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
(Pressestelle der Polizei Sachen-Anhalts, 01.09.07)

Frankfurt am Main (Hessen)
Messerattacke gegen Rabbiner

Am vergangenen Freitag ist in Frankfurt ein Rabbiner Opfer einer Messerattacke geworden. Nach Angaben der Polizei war der Angriff antisemitisch motiviert. Der 42-jährige Rabbiner war am Freitagabend zu Fuß in der Innenstadt unterwegs gewesen, als ihm ein von Zeugen als "Südländer" beschriebener Mann in den Weg trat. Laut Zeugenaussagen sprach der etwa 20 bis 30 Jahre alte Mann den mit seiner religiösen Kopfbedeckung bekleideten Rabbiner „in arabisch klingenden Worten“ an. Als dieser ihn nicht verstand, soll der Mann auf Deutsch „Scheißjude, ich bringe dich um“ gesagt und den Geistlichen mit einem Messer in den Bauch gestochen haben.
(http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID7437822,00.html, 10.09.07)

Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern)
Holocaust-Lüge auf DVD verteilt

In Grevesmühlen warfen Unbekannte am zweiten Septemberwochenende DVDs mit rassistischem Inhalt in Hausbriefkästen. U.a. soll in dem Video der Rechtsextremist Horst Mahler zu sehen sein, wie er den Holocaust als »größte Lüge der Menschheitsgeschichte« bezeichnet. Bisher seien 30 Fälle bekannt. Die Polizei geht aber davon aus, dass weit mehr DVDs verteilt wurden. Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung.
(Jungle World, 04.10.07)

Berlin
Jugendliche zeigten Hitlergruß vor Berliner Jugendclub

In einem Jugendclub in Berlin-Marzahn haben etwa zehn Jugendliche randaliert, wobei unter anderem eine Scheibe zu Bruch gegangen ist. Als die Leiterin die Jugendlichen herauswarf, skandierten sie vor dem Club antisemitische Parolen und zeigten den Hitlergruß.
(Berliner Morgenpost, 30.9.2007)

Parchau (Sachsen-Anhalt)
Antisemitische Schmierereien
In der Nacht zum 30. September beschmierten Unbekannte in Parchau Wohnhäuser, Verkehrsschilder und Verteilerkästen mit rassistischen und antisemitischen Symbolen und Parolen. Nach Angaben der Polizei wurden 19 Schmierereien entdeckt.
(Jungle World, 11.10.07)



Oktober


Freudental (Baden-Württemberg)
Friedhofsschändung in Freudental

In Freudental haben, wie am 2. Oktober bekannt wurde, Unbekannte die Mauer eines jüdischen Friedhofs auf einer Länge von drei Metern zum Einsturz gebracht, Grabsteine umgestoßen und Einrichtungen des Friedhofs beschädigt und mit Farbe beschmiert. Die Polizei vermutet einen "rechtsgerichteten Hintergrund".
(Jungle World, 11.10.2007)

Dresden (Sachsen)
Antisemitische Beschimpfungen unter Fußballfans

Nach der Regionalliga-Partie zwischen den Fußballvereinen Dynamo Dresden und dem 1. FC Union Berlin am 27. Oktober in Dresden suchen gewaltbereite Anhänger von Dynamo Dresden die Auseinandersetzung mit den Berliner Fans, die sie in Sprechchören als "Juden Berlin" beschimpfen.
(spiegel online, 28.10.07)

Berlin
Bombendrohung gegen jüdische Kindertagesstätte

Am Morgen des 18. Oktober entdeckte ein Mitarbeiter des Grünflächenamts wenige Meter vom Zugang zum Gelände der jüdischen Kindertagesstätte Gan Israel in Berlin-Charlottenburg entfernt eine abgestellte Sporttasche. Die Polizei öffnete sie mit Hilfe eines Spezialroboters. In der Tasche befanden sich Laub und Silberfolie. Die Polizei vermutet eine gezielte Provokation. Der Berliner Morgenpost sagte ein Ermittler: »Wir gehen davon aus, dass hier ganz bewusst Unruhe nahe einer jüdischen Einrichtung verbreitet werden sollte. Glücklicherweise handelte es sich wirklich nur um eine Attrappe.« Im Februar dieses Jahres hatten Unbekannte eine Rauchbombe in das Gebäude der Kita geworfen, Hakenkreuze und SS-Runen geschmiert.
(Jungle World, 01.11.07)



November

Berlin
Anstieg antisemitischer Straftaten

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2007 gab es insgesamt 716 antisemitische Straftaten. Das geht aus einer Aufstellung der Bundestagsabgeordneten Petra Pau (LINKE) hervor. Davon sind 25 Gewaltdelikte mit 13 Verletzten und 166 Propaganda-Delikte, für die anderen gab es (noch) keine Angaben. Es gab 398 Tatverdächtigen, aber nur 21 Festnahmen und sogar nur einen einzigen Haftbefehl. Die meisten antisemitischen Straftaten wurden in Berlin (131) und Brandenburg (96) begangen, die wenigsten in Bremen (2) und Sachsen-Anhalt (9). Die Zahlen basieren auf Antworten des Bundesinnenministeriums auf die monatlichen mündlichen und schriftlichen Anfragen der Linkspartei. Sie gelten als vorläufig und liegen unter den endgültigen.
(MUT gegen rechte Gewalt, 16.11.2007)


Trier (Rheinland-Pfalz)
Gedenkstunde zum 9. November gestört

Die Gedenkstunde am 9. November für die Opfer der Pogromnacht des Jahres 1938 in der Zuckerbergstraße in Trier (Rheinland-Pfalz) wurde von einem unbekannten Radfahrer gestört, der im Vorbeifahren antisemitische Bemerkungen von sich gab. Die Stadt und die Jüdische Kultusgemeinde hatten zu der Gedenkstunde eingeladen. Der Oberbürgermeister der Stadt, Klaus Jensen, entschuldigte sich in seiner Rede dafür, dass so etwas in Trier passieren könne.
(Jungle World, 22.11.2007)

Ribnitz-Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern)
Jüdischer Friedhof geschändet

Unbekannte beschmierten mehrere Grabsteine, die Friedhofsmauer und eine Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof in Ribnitz-Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern) mit Hakenkreuzen in blauer Farbe. Nach einem Zeitungsbericht beschädigten die Täter auch einige Urnengrabstellen auf einem anderen Teil des Friedhofs. Wie erst mehrere Tage später bekannt wurde, waren die Schmierereien bereits am 8. November entdeckt worden. Die beschädigten Grabsteine wurden noch vor der Gedenkfeier zum Jahrestag der Reichspogromnacht abtransportiert, um gereinigt zu werden. Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen, Störung der Totenruhe und gemeinschädlicher Sachbeschädigung.
(Jungle World, 22.11.2007)

Berlin
Denkmal für die ermordeten Juden Europas beschmiert

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Berliner Stadtbezirk Mitte ist in der Nacht zum 20. November beschmiert worden. Laut Polizei bemerkten Wachmänner am darauffolgenden Tag gegen 6.30 Uhr an zwei Stelen einen blauen antisemitischen Schriftzug und weitere Schmierereien. Hinweise auf die Täter gab es nicht. Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.
(Tagesspiegel, 21.11.2007)

Berlin
Stolpersteine mit Farbe übergossen

In der Waldowallee im Berliner Stadtteil Karlshorst wurden in der Nacht zum 20. November zwei in den Gehweg eingelassene Gedenksteine, sogenannte Stolpersteine, beschmiert. Sie erinnern an eine zur Nazizeit ermordete Familie.
(Tagesspiegel, 21.11.2007)

Hamburg
Gedenktafel von jüdischem Friedhof entfernt

Am 5. November wurde auf dem jüdischen Friedhof in Hamburg-Harburg von einer Schülerin entdeckt, dass eine Gedenktafel aus der Verankerung gerissen und entfernt worden war. Die Bronzetafel erinnerte seit dem Jahr 1992 an die Zerstörung der ehemaligen Leichenhalle am 10. November 1938.
(Jungle World, 15.11.2007)

Berlin
Kioskbetreiber antisemitisch und rassistisch angegriffen

Im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg randalierten am 4. November zwei 32-Jährige aus Pankow in einem Kiosk. Sie fragten den Inhaber des Geschäfts, ob er Jude sei, rauchten und mixten sich Drinks. Als der 36jährige Kioskbetreiber protestierte, bedrohten sie ihn mit einem Elektroschocker, kippten Regale um und bewarfen ihn mit Flaschen und anderen Gegenständen. Sie grölten rechtsextreme Parolen und zeigten den »Hitlergruß«. Der Angegriffene flüchtete in einen Lagerraum.
(Jungle World, 15.11.2007)

Gießen (Hessen)
Jüdischer Küster angegriffen

Ein Mann hat den jüdischen Küster der evangelischen Gemeinde im Gießener Stadtteil Kleinlinden (Hessen) am 3. November mit den Worten »Judenschwein, raus aus Deutschland« beschimpft und auf ihn eingeschlagen. Der Küster wurde verletzt und musste im Universitätsklinikum behandelt werden. Nach Informationen des Gießener Anzeigers wurde er nicht zum ersten Mal angegangen. Es soll auch eine Morddrohung gegeben haben. Bereits Mitte Oktober hatte der Mann Anzeige erstattet. Der Pfarrer der Gemeinde erklärte dem Gießener Anzeiger, es handele sich »um das Problem einer Person und nicht einer Gruppe oder irgendeiner Bewegung«. Ein Streit zwischen Nachbarn sei vorausgegangen.
(Jungle World, 15.11.2007)

Stuttgart (Baden-Württemberg)
51 Anschläge auf jüdische Friedhöfe in zehn Jahren

In Baden-Württemberg hat es in den vergangenen zehn Jahren 51 Anschläge mit antisemitischem Hintergrund auf jüdische Friedhöfe gegeben. Dies geht aus einer Stellungnahme von Innenminister Heribert Rech (CDU) auf eine parlamentarische Initiative der Landtagsgrünen hervor. Im Jahr 2007 seien in den ersten zehn Monaten sieben Fälle registriert worden, darunter auch die auf den Friedhöfen in Ihringen und in Freudental.
(Stuttgarter Zeitung, 01.11.2007)



Dezember

Berlin
Hakenkreuze, Naziparolen und zerstochene Reifen

Nach Informationen der Berliner Zeitung gab es am 24.11. in einer S-Bahn eine Auseinadersetzung zwischen Jugendgruppen der linken und rechten Szene. Der Vorfall ereignete sich am Sonnabend gegen 4.30 Uhr in einer Bahn der Linie S 42 zwischen den Bahnhöfen Frankfurter Allee und Prenzlauer Allee. Bei der Konfrontation riefen die Rechten unter anderem "Sieg Heil", "Heil Hitler" und "Du Jude". Polizisten nahmen einen 19-jährigen Neonazi fest, der Staatsschutz ermittelt.
(Berliner Zeitung, 01.12.07)
 

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