Wissenschaftliche Erkenntnisse

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Das Forschungsprojekt „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (GMF) basiert auf einer jährlichen repräsentativen Umfrage. Darin geht es um die Einstellungen deutscher Bürgerinnen und Bürger gegenüber Outgroups (Fremdgruppen). Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Beobachtung des Syndroms der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ (GMF). Darunter versteht man die Abwertung von als „anders“, „fremd“ oder „nicht zugehörig“ wahrgenommenen Gruppen. Es geht dabei nicht um das individuelle Verhältnis zwischen einzelnen Personen; die Abwertung richtet sich immer gegen spezifische Gruppen. Ein besonderes Merkmal: die Spannbreite der Gruppen, die abgewertet werden. Nicht ausschließlich Menschen nichtdeutscher Herkunft werden ausgegrenzt und diskriminiert. Auch Obdachlose oder Homosexuelle können zur Zielscheibe werden, weil sie vermeintlich gegen Normen verstoßen und aus diesem Grund als störend wahrgenommen werden.

Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer bezeichnet Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Syndrom, denn: Die Vorurteile gegenüber den unterschiedlichen Gruppen sind eng miteinander verknüpft. Menschen mit Vorurteilen gegenüber einer Gruppe stimmen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch Vorurteilen gegenüber anderen Gruppen zu. So zeigen z.B. einige Studien, dass Antisemitismus und Islamfeindlichkeit miteinander zusammenhängen.

Die einzelnen Elemente der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit basieren auf einer Ideologie der Ungleichwertigkeit. Diese Ideologie steht in scharfem Gegensatz zu den Werten demokratischer Gesellschaften. Verbale oder physische Gewalt gegen Minderheiten und Schwache bedroht die Grundsätze und Wertvorstellungen einer demokratischen Gemeinschaft. Die Elemente der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit erfüllen dabei die soziale Funktion der Selbstaufwertung durch Abwertung anderer, als fremd wahrgenommener Gruppen.

Die Vorurteils- und Rassismusforschung sieht einen Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit für menschenfeindliche Einstellungen und den sozialen Grundbedingungen. Es lässt sich statistisch belegen, dass beispielsweise ein geringes Bildungsniveau, ein niedriger sozialer Status oder ein Leben in strukturschwachen Regionen die Wahrscheinlichkeit für menschenfeindliche Einstellungen erhöhen. Schlussfolgernd sind Gefühle der Anerkennung und der Gleichwertigkeit eine Voraussetzung für eine tolerante und menschenfreundliche Lebenseinstellung. Bildung und interkulturelle Kontakte erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen sich in die Situation anderer hineinversetzen und Empathie entwickeln können. Entscheidend dabei ist das Erleben von gegenseitiger Anerkennung. Daraus ergibt sich: Um praktisch, präventiv und langfristig gegen Menschenfeindlichkeit vorzugehen, sollte das Erlernen von Gleichwertigkeit im alltäglichen Leben ermöglicht werden. Ein geeignetes Mittel hierfür bietet das von der Amadeu Antonio Stiftung entwickelte Gleichwertigkeitsaudit.


Quelle: Zick, A. (2006), „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aus Sicht der Wissenschaft“, in: Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.), „Was tun gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit?“
 

 

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