Gender und Rechtsextremismus

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Gender und Rechtsextremismus

Naziaufmarsch am 9.12.2006 in Celle © Recherche Nord

 

Fachstelle Gender und Rechtsextremismus

Wenn darüber nachgedacht wird, wie demokratische Haltungen und ein entsprechendes Handeln gestärkt und der Ausprägung rechtsextremer Einstellungs- und Verhaltensmuster entgegengewirkt werden kann, gerät die Kategorie Gender bislang nur am Rande von Fachdiskursen in den Blick.

Forschung wie Praxis haben eine Leerstelle im Bereich geschlechterreflektierter Arbeit mit Jugendlichen gegen Rechtsextremismus und Demokratie. Es gibt nur wenig Praxiserfahrung und geringes Wissen über pädagogisches Handeln, das genderreflektierende Ansätze zur Rechtsextremismusprävention heranzieht.

Männlicher „Stiefelnazi“

Betrachtet man die Praxis gegen Rechtsextremismus, findet man nur eine überschaubare Anzahl von Projekten, die – jenseits des Bildes vom männlichen „Stiefelnazi“ – Gender und Rechtsextremismusprävention zusammendenken. Bei dem Wort „Neonazi“ assoziieren wohl die meisten einen Mann oder männlichen Jugendlichen mit Gewaltaffinität und problematischer Ideologie im Kopf. Dementsprechend sind auch Projekte häufig auf männliche Jugendliche ausgerichtet. Doch zur Ideologie gehören auch Geschlechterbilder, die sich manchmal gar nicht so stark von eingefahrenen Rollenbildern in der Gesellschaft unterscheiden. Während die Arbeit mit Mädchen und Frauen bislang weitgehend unbeachtet bleibt, finden sich zur Auseinandersetzung mit Männlichkeiten und Rechtsextremismus zunächst Ansätze, die sich als maskulinistisch beschreiben lassen. Hier wird davon ausgegangen, dass Jungen im Zuge der Modernisierung von Geschlechtervorstellungen verunsichert sind und Orientierung erhalten, wenn sie die Möglichkeit haben, sich in Verhaltensweisen zu erproben, die als traditionell männlich gelten. Problematisch werden solche Ansätze jedoch nicht erst, wenn Boxtrainings für Jungen angeboten werden und damit die Zielvorstellung verbunden ist, eine Abwendung von rechtsextremen Gruppen und Einstellungen zu erreichen. Aus pädagogischer Sicht wird es bereits dann schwierig, wenn die Handlungsmöglichkeiten von Jungen auf traditionelle Vorstellungen eines „richtigen Jungen“ begrenzt werden.

Bestehende Ansätze weiterdenken

Es wäre daher sinnvoll, traditionelle Vorstellungen von Geschlecht kritisch zu hinterfragen und im Sinne einer genderreflektierten Arbeit das hierarchische System hegemonialer Männlichkeit auf das Verhältnis der Männlichkeiten untereinander und im Verhältnis zu den Weiblichkeiten zu sehen. Solcherart innovative Ansätze liegen in der Praxis, – wenn auch vereinzelt –, durchaus vor. Hier gilt es anzusetzen: So sollten bestehende Ansätze genderreflektierender Pädagogik weitergedacht und verknüpft werden mit Ansätzen der Rechtsextremismusprävention.

Lücke in der Wissenschaft


Überraschenderweise ist auch im wissenschaftlichen Fachdiskurs zu diesem Themengebiet eine Lücke festzustellen. Im Vergleich zur Thematisierung des Phänomens „rechtsextreme Frauen“, wird die Frage nach Zusammenhängen zwischen Männlichkeitsvorstellungen und rechtsextremen Orientierungen erst seit etwa zehn Jahren konsequenter gestellt. Blickt man aber auf rechtsextreme Lebenswelten, so lässt sich relativ unvermittelt erkennen, dass die Kategorie Geschlecht hier eine wichtige Rolle spielt. Generell kann von einer Orientierung an traditionellen Geschlechterrollen gesprochen werden, die das Innen einer konstruierten „Volksgemeinschaft“ strukturiert. Was jedoch weitgehend fehlt, sind Untersuchungen, die sich der Frage widmen, welche Schlussfolgerungen sich aus diesen geschlechterreflektierenden Analysen rechtsextremer Lebenswelten für das pädagogische Handeln ziehen lassen.

Praxis entwickeln und erproben

So ist es nötig, Entwicklungen in diesem Themengebiet voranzutreiben. Mit der Gründung einer Fachstelle zum Thema „Gender und Rechtsextremismusprävention“ in der Amadeu Antonio Stiftung wird es möglich, Konzepte für Praxisprojekte zu entwickeln und diese umzusetzen. Außerdem wird fachwissenschaftlich zur weiteren Erforschung des Themas motiviert sowie ein Netzwerk von PraktikerInnen und WissenschaftlerInnen aber auch auf politischer Ebene gegründet.
 

Flyer der Fachstelle zum Download (PDF-Dokument, 468.7 KB)

 

Erfahrungen aus der Praxis

Lola für Lulu – Frauen für Demokratie im Landkreis Ludwigslust ist ein praxisorientiertes, langfristiges Projekt der Amadeu Antonio Stiftung im Altkreis Ludwigslust. Das Projekt wurde 2007 mit dem Ziel gegründet, Mädchen- und Frauenförderung sowie geschlechterreflektierende Projektarbeit mit der Weiterentwicklung demokratischer Kultur zu verbinden und neue Zugänge für die geschlechterreflektierte Rechtsextremismusprävention zu entwickeln.

 

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