"Der Kulturkampf der Gegenwart"

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"Der Kulturkampf der Gegenwart"

 

Hass ist ein seltsames, sehr heftiges Gefühl und zutiefst menschlich, denn kein anderes Lebewesen ist imstande zu hassen. Sie mögen aggressiv sein, sogar wütend oder voller Angst aber Hass kennen sie nicht. Nur der Mensch vermag auf Erfahrungen mit zum Teil tödlichem Hass auf andere Menschen zu reagieren.

Und manchen bringt der Hass auch Vergnügen – ganz ohne Anlass. Nur in den seltensten Fällen trifft der Hass die Person, die ihn möglicherweise ausgelöst hat. Das ist eine weitere Spezialität des Menschen, die ihn von Tieren unterscheidet: Er hasst wirr um sich herum und weiß oft nicht, weshalb und wen er aus welchen Gründen damit treffen will. Dabei zieht er ganze Gruppen von Menschen in den Dreck, diffamiert, beschimpft und bedroht sie. Und weil Hass sich niemals verbraucht, nie aufhört oder von allein verschwindet, macht er immer so weiter, genau wie ein Tier, das zwar keinen Hass kennt, aber seinen Reflexen ausgeliefert ist. Menschen also, in denen ein tiefer Hass brennt, dessen eigentliche Ursache sie aber nicht verstehen wollen, sind am Ende dieser Kette eher animalisch als human.

Das ist auch so, wenn sich dieser Hass politisch ausdrückt. Seit der Erfindung der Sozialen Netzwerke, des interaktiven Internets, erfahren wir mehr über den Hass unserer Mitmenschen, als uns lieb ist. Vorurteile zu haben oder zu hassen ist schon ein Unterschied. Im Netz sehen wir beides. Doch da auch in diesem Medium wie im richtigen Leben der Lauteste zuerst gehört wird, bemerken auch wir zuerst den Hass. Er findet sich in Kommentarfunktionen der Zeitungen, in Auseinandersetzungen bei Facebook, Twitter oder anderen Netzwerken und er kommt auch als persönliche Mitteilung an Personen, deren Herkunft oder Ansicht den Hass von der Leine lässt. Zudem wirkt Hass ansteckend, wenn er geduldet wird oder gar Beifall bekommt. Die Hemmschwelle dafür sinkt in der Anonymität und vor dem Bildschirm, denn der Hasser muss niemandem dabei ins Gesicht schauen. Ob grob oder subtil vorgetragen: In der Masse von Einschlägen des Hasses in Foren oder Kommentaren ziehen sich die Nicht- Hasser bald zurück. Was sollen sie auch tun? Wem Hass als Persönlichkeitsmerkmal oder Frustreaktion nicht zur Verfügung steht, der kann sich in einer von Hass dominierten Atmosphäre nicht lange aufhalten. Ist das Feld dann erst geräumt, siegt der Hass und feiert sich selbst.

Doch es gibt Wege, dem Hass zu begegnen, wenngleich sie mühsam und anstrengend sind. Warum sollte man ihn also auf sich nehmen? Weil es hier um die Kultur der Zukunft geht. Die digitalisierte Welt darf nicht Hass und Vorurteil überlassen werden. Sich dagegen klug zu wehren, ist der Kulturkampf der Gegenwart. Außerdem bereitet Sprache das Handeln vor. Wer zu Hass ermuntert, ihn verbreitet, ihn anstachelt, ebnet den Weg zu Gewalt und Vernichtung, die stets das eigentliche Ziel dieses starken Gefühls sind. Victor Klemperer hat während der NS-Zeit Tagebuch geschrieben und sich dabei ganz auf die 8 Sprache konzentriert. Er tat es, weil er als Jude etwas brauchte, an dem er sich festhalten konnte und das auch ihn durch die Zeit zu tragen vermochte: die Sprache als Balancierstange gegen Zweifel, Furcht und Fassungslosigkeit. Er wollte »aus ihrer Sprache ihren Geist« feststellen. Die Sprache des Nationalsozialismus müsse den »allgemeinsten, den untrüglichsten, den umfassendsten Steckbrief« über seine Gesinnung und seine Absichten ergeben. Er wollte sich nicht sagen lassen, dass dies alles nur Worte wären, die man missverstehen könnte. Er beobachtete die Sprache des Unmenschen vom ersten Wort bis zur völligen Zerstörung, von den ersten sprachlichen Verunglimpfungen der Juden bis zum Massenmord. Er meinte, Sprache wäre eine der Waffen zur Vernichtung. Ihre erste.

Hass auf Menschen, weil sie einer Gruppe angehören, ist also keine neue Erfindung. Dass er aber gerade dabei ist, die Lufthoheit über das interaktive Netz zu gewinnen, kann nicht hingenommen werden. In einer Zeit, in der Menschen immer näher zusammenrücken, die Vorgänge in der Welt von immer mehr Interdependenz geprägt sind und die Bewegungen von Gesellschaften immer globaler werden, wirkt dieser Anstieg von Hass wie ein Abwehrkampf gegen unser kosmopolitisches Leben. Damit diese Abwehr nicht die wachsende Freiheit bedroht, weder analog noch digital, müssen wir dringend handeln. Dem Weshalb und Wie gehen wir im Folgenden nach. Schritt für Schritt.

Anetta Kahane
Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung

 

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