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NEWSLETTER DER AMADEU ANTONIO STIFTUNG


Ausgabe Nr. 63, Juni 2010
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Dies ist der E-Mail-Newsletter der Amadeu Antonio Stiftung mit aktuellen Mitteilungen aus der Stiftung, vom Opferfonds CURA und den Internetportalen www.mut-gegen-rechte-gewalt.de und www.netz-gegen-nazis.de.

Die Amadeu Antonio Stiftung finden Sie im Web 2.0 auf Facebook und Twitter.

English Version: www.amadeu-antonio-stiftung.de/eng/newsletter

 

1. IN EIGENER SACHE

Anetta Kahane

Liebe Leserinnen und Leser,

vor zehn Jahren im Juni 2000 wurde Alberto Adriano in Dessau von Nazis erschlagen. Der stern berichtete darüber und andere Medien auch – nicht alle, aber doch viele. Eine der ersten Reaktionen des damaligen Bürgermeisters auf den Mord und das folgende Medienecho war ein verzweifeltes: „Das hat unsere Stadt nicht verdient!“. Das klang wie: Dessau hat sich doch immer Mühe gegeben, die Sache mit den Nazis in den Griff zu kriegen. Und: Jetzt fallen die Medien über uns her. Das haben wir nicht verdient. So ungefähr war damals die Reaktionsreizleitung. Damals – das weiß ich noch - verschlug es mir vollkommen die Sprache. Der Tod von Alberto Adriano war nicht Auslöser des späteren „Aufstands der Anständigen“, ebenso wenig wie die Morde zuvor. Dessau liegt im Osten. Die Öffentlichkeit im Westen hatte sich daran gewöhnt, solche Nachrichten von dort zu lesen. Aber auch die Morde im Westen galten lange als Einzeltaten, begangen von „Ewig-Gestrigen“. Der Tod Adrianos löste Bestürzung aus, nicht aber die Erkenntnis, dass der Rechtsextremismus mehr sei und bedrohlicher, als die sinnlose Gewalt von einigen Skinheads. Das kam erst schrittweise. Denn in diesem Sommer schafften es noch weitere Nachrichten auf die Titelseiten der Zeitungen. Es war schließlich der Sprengstoffanschlag auf jüdische Flüchtlinge in Düsseldorf im August 2000, der den „Aufstand“ aus löste. Was ist seither geschehen?

Es hat weitere Tote gegeben in den vergangenen zehn Jahren. Der NPD gelang es, taktisch und strategisch mit den freien Kameradschaften zu kooperieren. Sie ließ das Image der Altnazis hinter sich und begann sich in Richtung der national-revolutionären Bewegung zu öffnen. Die passte nämlich besser in den post-sozialistischen Osten mit seinen demokratieskeptischen Bürgern, denen der Kapitalismus selbst nach zehn Jahren deutscher Vereinigung als Zumutung vorkam. Ebenso wie die Migranten und Flüchtlinge, die nun vereinzelt in ihren Städten auftauchten. So begann die NPD nun mit der Hilfe der ansässigen Kameradschaften den Osten als Versuchfeld zu behandeln. Sie tat damit genau das, was die Vertreter der Demokratie bis dahin ihrerseits für überflüssig hielten: Investieren in die politische Kultur. Die Gründe hier so zu versagen, lagen auch an dem Unwillen, sich ein weiteres Mal mit der deutschen Geschichte auseinander zu setzen – diesmal einschließlich der Konflikte um die DDR. Der Kalte Krieg hatte so manche nötige Debatte ausgeblendet und nun entfloh man ihr zugunsten des Aufbaus Ost. Vielleicht geschah dies in der Hoffnung auf eine Wiederholung der Folgen des Wirtschaftswunders in der Bundesrepublik West. Das Resultat: die neuen Länder wurden zu blühenden, national befreiten Landschaften für Kameradschaften und NPD, wie es spätere Wahlerfolge auch den politischen Mandatsträgern der demokratischen Parteien eindrücklich zeigten. Die Schlussfolgerung der Demokratie: die NPD gehört verboten. Punkt. Darüber konnte dann gefahrlos gestritten werden, während die Rechtsextremisten sich weiter Schritt für Schritt in den Kommunen und Regionen festsetzten. Und dabei in den meisten Fällen nur auf hilflose Reaktionen jener stießen, die wie der Bürgermeister von Dessau diese Entwicklung für einen persönlichen Affront hielten.

Doch es gab noch etwas anderes. Das Wort Zivilgesellschaft begann, einen wirklichen Sinn zu bekommen. Die Stimmen derer, die schon lange Zeit besorgt waren über eine Art sozialer Bewegung gegen die Demokratie, drangen nun durch das Verleugnen hindurch. Sie forderten Programme, die nun nicht mehr Gewalt von Nazis mit Zuwendungen für deren Jugendarbeit belohnen sollte, sondern diejenigen vor Ort zu unterstützen hatte, deren Ziel es war ihre Kommunen demokratisch zu stärken und zu gestalten. Dieser unbequeme Weg sollte dem Rechtsextremismus den Nährboden aus Ressentiment und Gemeinschaftsseligkeit entziehen. Gemeinsam mit der Bundesregierung kamen diese innovativen Programme in Gang. Beratungsteams, Projekte, kleine Initiativen – es entstanden Aktivitäten, wo bislang nur Nazis waren und Bürgermeister konnten sich fachliche Beratung holen. Es kam Leben in die Bude. Mal holperig, mal großartig aber immer lernend, wie der Vorsprung der Nazis aufzuholen sei.

Ehrlich gesagt, ist trotz aller Rückschläge und der wiederholten Versuche der Politik die Zivilgesellschaft zu domestizieren, doch eine breite oder breitere Bereitschaft entstanden, den Rechtsextremismus und die Demokratielosigkeit inmitten eines Rechtsstaates nicht mehr einfach so hinzunehmen. Schauen wir uns um: Niemand bestreitet mehr ernsthaft, dass in Ost und West viel zu tun bleibt. Dass die neuen Nazis zumindest dadurch indirekt gefährlich sind, weil man ihre Ansteckungsgefahr ignoriert und sie gewähren lässt. Ohne unsere Anstrengungen hätte es in den Schulen keine Veränderung gegeben, auch nicht in den Jugendzentren. Ohne die vielen langwierigen Projekte und Kampagnen gäbe es keine klare Ablehnung des Rechtsextremismus in der Öffentlichkeit - zumindest als normative Haltung ist dies inzwischen angekommen. Wir haben viele Menschen einbezogen und andere erreicht, wir haben den Ämtern auf die Füße getreten und Verwaltungen überzeugt. Wir haben uns in Fragen der Stadtentwicklung hinein gedacht, Quartiere beraten, Lehrer fortgebildet ebenso wie Hebammen. Wir haben die Lokalgeschichte aufgewühlt und Kindern zu ihren Rechten verholfen, wir haben Aussteigern einen Weg gezeigt und Opfer unterstützt. Wir haben Häuser aus- und so einige nach Anschlägen wieder aufgebaut. Wir haben Nazi-Demonstrationen blockiert und Menschen nach Gewalttaten den Umzug bezahlt. Wir haben sehr viel Zeit in Gremien verbracht, aufgepasst und das Wort ergriffen.

Wir sind dabei erwachsen geworden. Damit meine ich zweierlei. Zum einen sehen wir jetzt genauer und schmerzhafter, wie viel eigentlich im Argen liegt und was es angesichts von Krisen in Politik und Wirtschaft noch braucht, um den Demokratiefeinden entgegentreten zu können – auch bei uns selbst. Und zum anderen finde ich, sollten wir nun auch in der Lage sein zu trauern. Nur das. Einfach so. Um jeden der 149 Menschen, die umgebracht wurden. Ganz und gar unverdient, lieber Bürgermeister. Alberto Adriano starb am 11. Juni 2000 als er auf dem Weg nach Hause den Park durchquerte. Auch wir sind seine Familie.

Ihre Anetta Kahane
 

 

2. MUT GEGEN RECHTE GEWALT

Gedenken an Alberto Adriano

Björn Kietzmann via Flickr, cc

Bruder Adriano wurde umgebracht

„Denk' ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht - mein Bruder Adriano wurde umgebracht“, klagt der Rapper Torch im Song „Adriano (letzte Warnung)“. Vor zehn Jahren zogen drei Neonazis vom Bahnhof aus betrunken grölend durch die Stadt Dessau. Als sie im Stadtpark auf den Afrodeutschen Alberto Adriano trafen, schlugen sie ihn aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe erbarmungslos zusammen. Am 14. Juni, drei Tage nach der Tat, erlag er seinen schweren Verletzungen. Seine Familie musste ohne ihn auskommen. Seit dem Mord mussten weitere 37 Menschen ihr Leben lassen, weil sie nicht in das menschenverachtende Weltbild ihrer Mörder passten. Im Gegensatz zu vielen anderen hat der Mord an Alberto Adriano Spuren in der Öffentlichkeit hinterlassen. Viele iInitiativen wie die Brothers Keepers oder die stern-Mut-Aktion wurden gegründet. Und doch hat der Rapper Afrob nicht unrecht, wenn er im gleichen Song der Brothers Keepers fordert: „Die letzen Jahre haben es mir zu oft bewiesen, dass die Menschen sich erheben, wenn die Leute nicht mehr leben - doch dann ist es zu spät, ihr solltet öfters drüber reden!“

Mehr Informationen:
www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/meldungen/zehnter-jahrestag-der-ermordung-alberto-adrianos/
 

 

Die NPD trifft sich

Am ersten Juniwochenende veranstaltet die NPD ihren Bundesparteitag in der Kongresshalle Bamberg. Die Stadt legte Beschwerde dagegen ein, welche jedoch vom Verwaltungsgericht zurückgewiesen wurde: Da die Halle auch anderen Parteien zur Verfügung gestellt werde, könne dies der NPD nicht verboten werden. „Ein drittes Mal darf das nicht passieren“, resümiert Kiki Laaser, Stadträtin in Bamberg. Sie ist mit Kirchen, Gewerkschaften, studentischen Vertretern und vielen mehr im „Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus“ aktiv. Für das Wochenende haben sie zahlreiche Gegenveranstaltungen rund um die Kongresshalle organisiert. Zudem wird es am Samstag eine autonome, antifaschistische Demonstration geben. Ähnliche ergeht es der Bürgerbewegung pro Deutschland. Sie will ihren Parteitag am 5. Juni 2010 in Berlin abhalten. Über die Überlassung der Räumlichkeiten wird allerdings noch vor dem Verwaltungsgericht Berlin gestritten.

Informationen zum Bundesparteitag:
www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/meldungen/npd-parteitag-in-bamberg/

 

 

3. PROJEKTE FÜR DEMOKRATISCHE KULTUR

Um gegen Neonazisstrukturen vorzugehen, braucht es lokale Initiativen mit langem Atem. Nicht immer die spektakulärsten Großveranstaltungen sind die wichtigsten. Sondern Aufklärung und Ermutigung vor Ort, in der Nachbarschaft. Damit die Amadeu Antonio Stiftung genau diese Initiativen unterstützen kann, brauchen wir Ihre Spenden. Vielen Dank dafür! Zum Spendenformular.

 
Johann Trollmann

Foto: Manuel Trollmann, c

Denkmal für einen deutschen Boxmeister

Die Nationalsozialisten feierten am 30. Januar 1933 den Tag der nationalen Erhebung. Adolf Hitler wurde als Reichkanzler vereidigt. Nur fünf Monate später gewann am 9. Juni der Boxer Johann Trollmann in Berlin die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht. Tage später wurde ihm jedoch der Meistertitel wieder aberkannt, denn Trollmann war ein Sinto und passte nicht in das rassistische Weltbild der Nazis. Sie werteten seinen Boxstil als „zigeunerhaftes Herumflitzen“ und „undeutsch“ ab und verschleppten Trollmann 1938 in das Arbeitslager Hannover-Ahlem. 1944 wurde er im KZ Neuengamme ermordet. Damit seine Geschichte nicht in Vergessenheit gerät und die Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma aufgearbeitet wird, unterstützt die Amadeu Antonio Stiftung ein Projekt zu Trollmanns Gedenken. Die Künstlergruppe BEWEGUNG NURR und Florian Göpfert erinnern mit einem temporären Denkmal im Viktoriapark in Kreuzberg an den Kampf vom 9. Juni 1933 und an die Geschichte Johann Trollmanns. Eingeweiht wird es am 9. Juni ab 18 Uhr. Bis Mitte Juli informiert ein Begleitprogramm über Trollmann und über den Völkermord an den Sinti und Roma.

Das komplette Programm:
www.trollmann.info

 

 

Thor Steinar braucht keiner!

Zur Eröffnung des „Oseberg“-Ladens am 4. Juni 2009 in Halle (Saale) versammelten sich rund hundert Demonstrierende um ihren Unmut über den geplanten Verkauf von Kleidung der bei Neonazis beliebten Marke „Thor Steinar“ zu bekunden. Der Laden etablierte sich nicht nur als Verkaufsstelle, sondern auch als Treffpunkt für die regionale Neonaziszene. Als Reaktion auf die Geschäftseröffnung entstand die „Aktion Ladenschluss“, ein breites Bündnis verschiedener lokaler Organisationen und Einzelpersonen. Ziel der Initiative ist die Schließung des Ladens, was sich jedoch juristisch äußerst schwierig gestaltet. Darum informiert sie zunächst über „Thor Steinar“ und neonazistisches Gedankengut und ist an Schulen aufklärend tätig. Die von der Amadeu Antonio Stiftung geförderte Kampagne konnte mit ihren Workshops in den vergangenen Monaten etwa 340 Jugendliche erreichen und sie über Codes aufklären, die den für die Neonazisszene typischen Lifestyle ausmachen. Künftig wird die Veranstaltungsreihe fnicht nur in Halle sondern auch andernorts fortgesetzt. Ein Team von etwa 15 geschulten Moderatorinnen und Moderatoren steht bereit, um Workshops auf Anfrage durchzuführen.

Mehr:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/thor-steinar-braucht-keiner/

 

4. AMADEU ANTONIO STIFTUNG AKTIV

Kein Ort für Neonazis in Bernau

Foto: PM Cheung, c

Brandenburger Neonazis blockieren

In ländlichen Gebieten haben Neonazis es oft leichter, Präsenz zu zeigen und den Raum für sich einzunehmen. Dies versucht die „Kameradschaft Märkisch Oder Barnim“ (KMOB) zurzeit im nordöstlichen Brandenburg. Gleich sieben Aufmärsche in sieben verschiedenen Orten wurden angemeldet. Doch die Brandenburgerinnen und Brandenburger lassen sich das nicht gefallen. Das Bündnis „Brandenburg Nazifrei“ organisiert öffentlichkeitswirksame Aktionen, Demonstrationen und vor allem Blockaden gegen die Neonazis. Am 29.5. fand in Bernau der erste Aufmarsch statt – und wurde von rund 500 Blockierenden erfolgreich verhindert. Am 5 Juni wollen die Neonazis in Eberswalde marschieren, die Stadt, in der Amadeu Antonio Kiowa ermordet wurde. Diese Präsenz der Neonazis will die Amadeu Antonio Stiftung nicht zulassen und unterstützt die Initiative. Auch Stiftungsschirmherr Wolfgang Thierse erklärte sich solidarisch.

Die weiteren Orte und Termine finden sie hier:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/neonazis-in-bernau-blockiert/

 

Ausgeblendet?

„Wofür die Antifaschisten kämpften, ist in der DDR Wirklichkeit“ - diese Parole prangte 1960 von einem Propagandaplakat der „Nationalen Front“, umrandet  vom Staatswappen und dem Abbild des Buchenwald-Mahnmals, welches die angebliche Selbstbefreiung des KZ Buchenwald durch kommunistische Häftlinge darstellt. Das Plakat symbolisiert, was die DDR unter „antifaschistischem Staat“ verstand. Der gesamte staatstragende Antifaschismus bot kaum Platz für die Thematisierung des Holocaust. Zur Widerlegung dieser Aussage wurde und wird immer wieder auf den DDR-Kulturbetrieb verwiesen. Wie in filmischen und literarischen Werken der DDR der Holocaust nun dargestellt wurde, ist nun Gegenstand des Projekts „Ausgeblendet ?“ der Amadeu Antonio Stiftung. Anhand von Filmvorführungen, Lesungen und Inputreferaten wird sich der Holocaustdarstellung in der DDR genähert. Dabei beschäftigen Fragen wie: Gab es eine Ausblendung des Holocaust und welche Gründe lassen sich hierfür ausmachen? Wie wurde die nationalsozialistische Judenvernichtung dargestellt? Im zweiten Teil des Projekts werden Materialien erstellt, um Jugendliche mit Hilfe von Literatur und Filmen aus der DDR in die Lage zu versetzen, sich mit diesem „verordneten Antifaschismus“ kritisch auseinanderzusetzen. Das Projekt wird aus Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der DEFA-Stiftung und der Amadeu Antonio Stiftung gefördert.

Mehr Informationen hier:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/die-stiftung-aktiv/gegen-as/was-tut-die-stiftung/ausgeblendet-ueber-die-nicht-darstellung-des-holocaust-in-film-und-literatur-der-ddr/
 

 

5. BÜRGERSTIFTUNGEN FÜR DEMOKRATISCHE KULTUR

Zweisprachige Lesungen Braunschweig

Foto: Stadtbibliothek Braunschweig

Wie der kleine Eisbär das Eis bricht

„Nach der Veranstaltung herrschte eine richtig gute Stimmung, es war richtig Aufbruchstimmung zu spüren!“, kommentierte die Organisatorin Dorlis Lehr von der Bürgerstiftung Braunschweig die Auftaktveranstaltung der zweisprachigen Lesungsreihe am 22. April. Etwa hundert junge und ältere Zuhörerinnen und Zuhörer, unter ihnen besonders viele türkische Eltern mit ihren Kindern, waren in die Braunschweiger Stadtbibliothek gekommen, um den Abenteuern des „kleinen Eisbären“ abwechselnd in türkischer und deutscher Sprache zu lauschen. Durch solche zweisprachigen Veranstaltungen würden Braunschweigerinnen und Braunschweiger mit Migrationshintergrund gesellschaftliche Anerkennung und Aufwertung erfahren – eine wichtige Voraussetzung um bestehende und empfundene gesellschaftliche Isolationen aufzubrechen, so Lehr.
Eine Fortsetzung findet die Veranstaltungsreihe am 3. Juni mit einer polnisch-deutschen Lesung des Kinderbuches „Pettersson und Findus – Eine Geburtstagstorte für die Katze“.

Mehr Informationen:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/die-stiftung-aktiv/buergerstiftungen/aktuelles/braunschweig/

 

Hand anlegen in der Bürgerstiftung Karow

Eine ruhige und idyllische Atmosphäre hat sich Karow, ein Ort mit knapp 18.000 Bewohnern am nordöstlichen Rand Berlins, bewahrt. Nicht ganz so ruhig zeigt sich aber die im Mai 2008 gegründete Bürgerstiftung Karow, die von Umwelt- und Ortsverschönerungsaktionen, bis hin zu Kinder- und Seniorenprojekten ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine stellt. „Man kann nicht immer nur meckern, sondern muss auch selber bereit sein, Hand anzulegen – und in der Gruppe macht es ja sowieso mehr Spaß“, erklärt der Initiator Marcel Chartron die Motivation für sein gesellschaftliches Engagement. Neben der Bürgerstiftung Karow gibt es in Berlin bisher nur die drei Bürgerstiftungen: Berlin, Neukölln und Lichtenberg, die unselbstständige Bürgerstiftung Steglitz-Zehlendorf und die beiden Gründungsinitiativen im Prenzlauer Berg und Wedding. Die Bürgerstiftung Karow richtet sich, verglichen mit den anderen Berliner Bürgerstiftungen, an eine sehr überschaubare Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern und verdeutlicht damit, dass der Erfolg nicht alleine von der Zahl der Aktiven und Adressaten abhängig ist, sondern vor allem von ihrem jeweiligen Engagement.

Mehr Informationen:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/die-stiftung-aktiv/buergerstiftungen/aktuelles/selber-bereit-sein/

 

6. AUS DER ZIVILGESELLSCHAFT

Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage

Kein Rassismus in der Schule!

Diskriminierungen an Schule sind traurige Realität. Oft wissen Schülerinnen und Schüler nicht, wie sie reagieren sollen, wenn Mitschülerinnen und -schüler beschimpft oder gar angegriffen werden. Auch Lehrerinnen und Lehrer reagieren oft hilflos. So kann es nicht weiter gehen, sagen sich bundesweit immer mehr Schulen, die Mitglied im Netzwerk „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ sind. Das Netzwerk wurde vor 15 Jahren gegründet und über 700 Schulen sind inzwischen dabei. „Ein riesiger Erfolg“, findet die Bundeskoordinatorin Sanem Kleff. Eine „Schule ohne Rassismus“ zu sein ist natürlich keine Garantie für ein respektvolles Miteinander, aber es ist eine Selbstverpflichtung aufmerksam zu sein, im Notfall aktiv zu werden, Projekttage zu veranstalten und auch im regulären Unterricht Rassismus und andere Diskriminierungsformen zu diskutieren. Am 13. Juni wird das Jubiläum mit einem Festakt im jüdischen Museum begangen.

Mehr Informationen über das Netzwerk:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/15-jahre-schule-ohne-rassismus-schule-mit-courage/

 

Gemeinsam gegen Rassismus im Fußball

Am 11. Juni beginnt die Fußball-WM in Südafrika und so gerät der beliebte Ballsport wieder in den Blickpunkt. Ein oft verdrängtes Problem: Rechtsextremismus und Rassismus im Fußball. Netz-gegen-Nazis sprach hierüber mit Dr. Hans-Georg Moldenhauer. „Jeder ist verantwortlich und muss seinen Teil dazu beitragen, dass das Stadion nazifrei bleibt“, sagt der Vizepräsident für Qualifizierung im DFB-Präsidium und Präsident des Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) und fordert ein konsequentes Vorgehen aller Seiten gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in den Fußballstadien. „Nicht nur die Führungskräfte und Entscheidungsträger sollten auf Vorfälle mit rassistischem und fremdenfeindlichem Hintergrund sensibilisiert werden. Alle Fans, die Fußball als Völkerverständigung verstehen, sind aufgefordert, dem Rechtsextremismus keine Plattform zu bieten.“, so Dr. Moldenhauer weiter. Gleichzeitig betont der ehemalige Torwart des FC Magdeburg aber, dass der Fußball keineswegs rassistisch dominiert sei und lobt die zahlreichen Initiativen und Projekte gegen Fremdenfeindlichkeit. Trotzdem müsse das Bewusstsein für die Problematik noch geschärft werden. Auch die WM in Südafrika wird zeigen, wie weit der Fußball im Kampf gegen Rassismus und für Völkerverständigung ist.

Das Interview in voller Länge:
www.netz-gegen-nazis.de/artikel/dr-hans-georg-moldenhauer-dfb-wir-duerfen-nichts-schoenreden-7610

 

7. AUSGEWÄHLTE TERMINE

Freitag, den 4. Juni – Sonntag, den 6. Juni, Berlin
Theateraufführung „Heimat, bittersüße Heimat“, präsentiert von Label Noir und gefördert von der Amadeu Antonio Stiftung, Hoftheater, Naunynstr. 63, Kartenreservierung: karten[at]labelnoir.net, 20 Uhr.

Freitag, den 4. Juni – Sonntag, den 6. Juni, Ravensbrück
„Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus und deren Reflexion und Rekonstruktion in der Gedenkstättenpraxis“, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Am Sonntag von 10.45-12.45 Uhr mit Heike Radvan, Amadeu Antonio Stiftung.

Samstag, den 5. Juni, Eberswalde
Neonazis stören!

Montag, den 07. Juni – Freitag, den 11. Juni, Köln
Ausstellung "»Man hat sich hierzulande daran gewöhnt…« - Antisemitismus in Deutschland heute" im Rahmen des "festival contre le racisme", Universität Köln.

Dienstag, den 8. Juni, Essen
Workshop "Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis", 12-18 Uhr, Informationen und Anmeldung: ngn[at]amadeu-antonio-stiftung.de oder 030 - 240 886 24.

Mittwoch, den 9. Juni, Berlin
Einweihung des temporären Denkmals für Johann Trollmann, Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg, gegenüber der gelben Villa, 18 Uhr, bis Freitag, den 16. Juli.

Freitag, den 11. Juni, Berlin
Fachtagung Bildung konsequent inklusiv, KOSMOS Berlin, Karl-Marx-Allee 131 a, 11-18 Uhr.

Samstag, den 12. Juni, Bad Freienwalde
Neonazis stören!

Freitag, den 18. Juni – Sonntag, den 20. Juni, Waren/Müritz
Workshop im Rahmen des Projekts "Chancengleichheit für alle" für Jugendliche zum Thema Mobbing, Diskriminierung und Gewalt.

Samstag, den 19. Juni, Strausberg
Neonazis stören!

Dienstag, den 22. Juni, Berlin
Fortbildung „Deutsch-jüdische Geschichte als Vermittlungsaufgabe“. Workshop mit Berit Lusebrink, Amadeu Antonio Stiftung. Anne Frank Zentrum Berlin, 9.30-16.30 Uhr. Anmeldung bis zum 11. Juni unter kleinmann[at]annefrank.de.

Dienstag, den 22. Juni, Berlin
Filmvorführungen „Was mit Unku geschah – Das kurze Leben der Erna Lauenburger“ und „Nicht wiedergekommen“, mit anschließender Diskussion mit Dr. Andrés Nader, Amadeu Antonio Stiftung, und Regisseurin Jana Müller, in der gelben Villa im Viktoriapark, 19 Uhr.

Samstag, den 26. Juni, Joachimsthal
Neonazis stören!

Dienstag, den 29. Juni – Freitag, den 09. Juli, Tübingen
Ausstellung "»Man hat sich hierzulande daran gewöhnt…« - Antisemitismus in Deutschland heute", Carlo-Schmid-Gymnasium, Primus-Truber-Straße 37.

Samstag, den 3. Juli, Biesenthal
Neonazis stören!

Samstag, den 10. Juli, Manschow
Neonazis stören!
 

 

IMPRESSUM

Copyright (c) 2010
Redaktionsschluss: 25.5.2010

Amadeu Antonio Stiftung
Schirmherr: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse

info@amadeu-antonio-stiftung.de
www.amadeu-antonio-stiftung.de
Linienstrasse 139
10115 Berlin
Tel.: 030. 240 886 10
Fax: 030. 240 886 22

Konto der Amadeu Antonio Stiftung:
Deutsche Bank Bensheim, BLZ 50970004, Konto 030331300

Sollten Sie zur Verwendung von Spenden Fragen haben, können Sie sich jederzeit an uns wenden.

Redaktion: Thomas Olsen, Lisa Doppler, Mitarbeit: Konstanze Ameer, Anetta Kahane, Andrés Nader, Joachim Wolf, Jan Riebe, Timo Reinfrank (verantwortlich).
 

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